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Hattersheim: Es gibt Einwände gegen das Schulbauprojekt

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Anwohner der geplanten Immobilie am Südring setzen auf Gespräche, notfalls aber auf eine Klage.

Hattersheim -Der vom Main-Taunus-Kreis favorisierte Bau einer dritten Hattersheimer Grundschule am Südring ist seit einiger Zeit umstritten. Mehrere Anwohner, die das Großprojekt auf einer bisher landwirtschaftlich genutzten Fläche am Rand der Wohnbebauung ablehnen, haben sich zusammengetan. Widerspruch regt sich aber auch von anderer Seite. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat sich gegen die notwendige Änderung des Flächennutzungsplans ausgesprochen.

Bisher ist auf der landwirtschaftlichen Fläche, die als "Vorhaltsgebiet für besondere Klimafunktionen" gilt keine Bebauung vorgesehen. Die Stadt Hattersheim hat deshalb eine Änderung des Flächennutzungsplans beim Regionalverband beantragt. Das Areal soll zu einer "Fläche für den Gemeinbedarf" werden. Im Zuge dieses Änderungsverfahrens konnten Privatpersonen und Träger öffentlicher Belange Stellung nehmen. Der BUND lehnte die Anpassung des Regionalen Flächennutzungsplans ab und begründete seine Position mit dem Verlust von hochwertigen landwirtschaftlich genutzten Flächen sowie dem Verlust eines Kaltluftentstehungsgebiets. Die Umweltschützer empfehlen eine neue Standortanalyse für den Bau einer dritten Hattersheimer Grundschule eine Neuplanung der Erschließung.

Leider würden viele Kommunen bei der Stadtplanung so vorgehen wie Hattersheim, schreibt der BUND in seiner Stellungnahme. Nachdem lnnenbereiche mit Gewerbe und Wohnungen bebaut wurden, stelle man fest, dass es an lnfrastruktur wie Nahverkehrsangeboten, Schulen und Kindergärten fehle. Die erforderliche neue lnfrastruktur solle dann im Außenbereich gebaut werden. Der BUND kritisiert den Bodenverbrauch durch die Grundschule. Die vorliegende Planung mit zweigeschossigem Gebäude und langer Erschließungsstraße gehe "extrem verschwenderisch" mit der bisher landwirtschaftlich genutzten Fläche um. Deshalb verstoße die Planung gegen die Vorsorgepflichten des Bundes-Bodenschutzgesetzes und gegen die Vorgaben des Baugesetzbuches zum schonenden Umgang mit Grund und Boden.

"Gerade bei den aktuellen geopolitischen Verwerfungen sollten wir uns darüber im Klaren sein, dass wir landwirtschaftlich genutzte Böden erhalten müssen und nicht zubauen dürfen", schreibt der BUND. Es dürfe nicht sein, dass eine kurzsichtige und verfehlte Stadtplanung, sowie eine ungenügende Bauleitplanung zu Lasten des Klimas und landwirtschaftlich genutzter Flächen gehen, betonen die Naturschützer.

Die Anwohner machten ihre Ablehnung im Zuge des Beteiligungsverfahrens erneut deutlich. Die aus rund 20 Personen bestehende Interessengemeinschaft habe über ihren Anwalt Einwände gegen die Änderung des Flächennutzungsplans eingereicht, erklärt Anja Riedel. Die Hattersheimerin wäre stark vom geplanten Neubau betroffen, weil das Schulgebäude nur wenige Meter vor ihrem Garten hochgezogen werden soll. Riedel und ihr Lebensgefährte beklagen den Verlust der Privatsphäre und den Wertverlust ihrer Immobilie. "Wir sind ja nicht gegen die Kinder", betont die Anwohnerin. Den Gegnern des Projektes sei jedoch wichtig, dass der Bauplatz am Südring nicht alternativlos ist. Riedel befürwortet das Areal der Heinrich-Böll-Schule als möglichen Standort. Da die weiterführende Schule sowieso bis zum Jahr 2025 erweitert werden soll, sei eine Kombination beider Bauvorhaben sinnvoll, argumentiert die Sprecherin der Interessengemeinschaft. Anja Riedel kritisiert die im Januar durchgeführte Standortanalyse, aus der die Fläche am Südring als Favorit hervorging. Das Areal sei bereits 2019 als Schulstandort erworben worden. Die Standortanalyse solle die bereits erfolgte Entscheidung nun nachträglich rechtfertigen, vermutet die Hattersheimerin.

Ihr sei es weiterhin wichtig, das Gespräch mit Stadt und Kreis zu suchen, sagt Riedel. Momentan könne sie nur abwarten. Langfristig scheue sie aber auch keine juristische Auseinandersetzung. Wenn eine Einigung ausbleibe, werde man definitiv den Klageweg gehen, versichert die Anwohnerin des Südrings. sas

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