Die Aufnahme entstand in Dresden: Eine Hand hält einen Impfausweis vor einem Bildschirm mit der Seite des Serviceportals für die Terminvergabe. Nicht immer ist das Anmelden oder das Absagen von Impfterminen einfach.
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Die Aufnahme entstand in Dresden: Eine Hand hält einen Impfausweis vor einem Bildschirm mit der Seite des Serviceportals für die Terminvergabe. Nicht immer ist das Anmelden oder das Absagen von Impfterminen einfach.

Impftermine

Hattersheim: "Es gibt keine Anweisung"

Ministerium widerspricht Gesundheitsamt bei Erklärung zu einer abgelehnten Zweitimpfung im Kastengrund.

Hattersheim -Politik und Ärzte beklagen sich über Personen, die ihre Zweitimpfung ohne Absage verfallen lassen. Sogar Geldbußen für "Impfschwänzer" sind im Gespräch. Der Krifteler Lothar Wisplinghoff bemühte sich hingegen auf eigene Faust um einen zweiten Impftermin im Impfzentrum des Main-Taunus-Kreises. Als er am Samstag auf dem Kastengrund-Gelände ankam, wurde er jedoch wieder weggeschickt. Der Kreisblatt-Leser hatte seinen eigenen Weg zur zweiten Spritze gewählt.

Erstimpfung beim Hausarzt

Anfang Mai habe er beim Hausarzt seine Erstimpfung mit dem Vakzin von Astrazeneca erhalten, berichtet Wisplinghoff. Der Termin für die Zweitimpfung mit demselben Impfstoff war für Ende Juli vorgesehen. Dann kam jedoch die neueste Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko), Zweitimpfungen mit einem mRNA-Impfstoff durchzuführen. Sein Hausarzt habe ihm dazu keine sichere Zusage machen können, erklärt der Krifteler. Deshalb habe er sich zusätzlich beim Impfzentrum angemeldet und nach wenigen Minuten einen Termin für Samstag bekommen. Die erwünschte Spritze bekam er dort jedoch nicht. "Impfstoff da, williger Impfling da - aber keine Impfung", berichtet Lothar Wisplinghoff.

Weil er seine Erstimpfung nicht im Impfzentrum erhielt, war dort keine Zweitimpfung möglich. Ein Mitarbeiter habe ihm mitgeteilt, dass dies die Vorschriften seien. Hintergrund sei der immer noch anhaltende Impfstoffmangel. Wie dieses Vorgehen mit Flexibilität und Impfbeschleunigung in Einklang zu bringen sei, könne er nicht verstehen, sagt der verärgerte Impfwillige. Der Krifteler wendete sich an das Gesundheitsamt des Main-Taunus-Kreises, von dem er auch prompt eine Antwort erhielt.

Fall ist durchaus ungewöhnlich

"Leider dürfen wir auf Anweisung des Ministeriums nur Zweitimpfungen für Personen anbieten, die auch ihre erste Impfung im Impfzentrum hatten", zitiert Wisplinghoff aus dem Schreiben des Kreisgesundheitsamtes. Laut Ministerium müssten Impfserien, die in den Arztpraxen begonnen wurden, auch dort abgeschlossen werden. Impfstoffe, die wegen Nicht-Erscheinens der Patienten frei werden, würden für Menschen gebraucht, die eine Erstimpfung mit Astrazeneca im Impfzentrum bekommen haben. Dies beruhe nicht auf fehlender Flexibilität, sondern auf der dringenden Notwendigkeit, Impfstoff für die berechtigten Personen zur Verfügung zu haben. Lothar Wisplinghoff beklagt, dass wenigstens online im Anmeldeverfahren darauf hingewiesen werden sollte, dass nur Termine für vollständige Impfserien möglich sind. So könnten "unmögliche" Terminbuchungen und unnötige Anfahrten vermieden werden.

Für Michael Schaich, Pressesprecher des Hessischen Innenministeriums, ist der Fall von Lothar Wisplinghoff durchaus ungewöhnlich. "Das ist ein ganz neuer Weg ins Impfzentrum", meint der Sprecher zum Vorgehen des Kriftelers. Man könne sich nicht online für eine Zweitimpfung anmelden. Dass jemand, der auf seine Zweitimpfung wartet, einen quasi Erstimpfungstermin beim Impfzentrum vereinbart, sei ein Prozess, der nicht vorgesehen ist, so Michael Schaich. Dem Personal, das die Impfung verweigerte, könne man deshalb auch keinen Vorwurf machen.

Der Ministeriumssprecher räumt allerdings ein, dass die Impfung von Lothar Wisplinghoff nicht grundsätzlich ausgeschlossen war. Das Personal habe in diesem Fall durchaus einen Ermessensspielraum gehabt. "Es gibt keine Anweisung des Ministeriums", so Michael Schaich. Die geschilderte Situation sei in dieser Form schlicht und einfach nicht vorgesehen. Richtig sei, dass diejenigen, die ihre Erstimpfung im Impfzentrum erhalten haben, dort auch ihre Zweitimpfung bekommen sollen. Dies stelle die Betreiber aufgrund der neuen Empfehlung der Stiko vor Herausforderungen. Im Juli würden 200 000 Impfwillige auf ihre Zweitimpfung warten, die nun kurzfristig mit einem mRNA-Vakzin durchgeführt werden soll. "Wir kriegen aber keine zusätzliche Impfstoff-Lieferung", betont der Sprecher der Landesregierung. "Man muss die Impfzentren schon verstehen", findet Michael Schaich. "Es ist alles relativ knapp bemessen."

Online funktioniert nicht immer

Knapp bemessen sind anscheinend zudem die Kapazitäten der Server, die für die elektronische Nachrichtenübermittlung zur Vergabe oder Absage der Impftermine eingesetzt werden. So wollte ein Hofheimer seinen Impftermin online ordnungsgemäß absagen. Weil die Online-Verbindung aber streikte, funktionierte das nicht. So liegt es in manchen Fällen nicht an den Impfwilligen - wenn diese bereits beim Haus- oder Betriebsarzt geimpft wurden und den Termin beim Impfzentrum absagen wollen - sondern schlichtweg an der Technik, die in die Knie geht. sas

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