Mit solch lustigen Plakaten wurden vor einiger Zeit die Abiturienten "gepusht". Die Corona-Pandemie hatte den Ablauf der Abitur-Prüfungen drastisch verändert.
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Mit solch lustigen Plakaten wurden vor einiger Zeit die Abiturienten "gepusht". Die Corona-Pandemie hatte den Ablauf der Abitur-Prüfungen drastisch verändert.

Bildung

Hattersheim: "Es war schon stressiger als sonst"

Lehrer der Heinrich-Böll-Schule erläutern die Probleme und Arbeitsmethoden während der Corona-Krise.

Hattersheim -Das Abitur gilt als Reifezeugnis, weil es seinen Empfängern den Hochschulbesuch ermöglicht. Im vergangenen Jahr erwarben viele Schülerinnen und Schüler jedoch einen Reifegrad, der über eine reine schulische Qualifikation hinausgeht. "Sie haben verantwortungsbewusst gehandelt, gegenseitig auf sich aufgepasst, sich gegenseitig geschützt", lobte Schulleiter Dr. Dietrich Heither die Abiturienten der Heinrich-Böll-Schule (HBS) nach dem Prüfungsabschluss unter Corona-Bedingungen. "Freiheit wurde bei Ihnen zur Einsicht in die Notwendigkeit."

Ungewöhnliche Feier in einer ungewöhnlichen Zeit

Unter all den erschwerten Bedingungen hätten Tugenden wie Eigenständigkeit und Selbstorganisation an Bedeutung gewonnen, erläutert Heither im Gespräch mit dem Kreisblatt. Die Schüler hätten Wege gefunden, mit der Pandemie umzugehen. Lern-Treffs, die wegen der Abstandsregeln nicht möglich waren, seien beispielsweise durch gemeinsame Spaziergänge ersetzt worden. Diese Selbstständigkeit bereite die Schüler besonders gut auf ein künftiges Studium vor.

Dietrich Heither sprach bei der Zeugnisübergabe an der Heinrich-Böll-Schule von "einer der ungewöhnlichsten Feiern in einer der ungewöhnlichsten Zeiten der Bundesrepublik". Seit dem 13. März 2020 habe das Abitur auf der Kippe gestanden. Die gewohnten Strukturen seien für mehr als ein Jahr aufgelöst gewesen. "Es ist schon etwas Besonderes, wenn man ein Jahr vorher nicht weiß, ob man sein Abitur machen kann", erklärt der Pädagoge dem Kreisblatt. Beim vorigen Abiturjahrgang 2020 habe nicht viel an Unterricht gefehlt. Die jüngsten Abschlussklassen seien jedoch einer monatelangen Unsicherheit ausgesetzt gewesen. Die Form des Lernens wechselte mehrfach zwischen Präsenzunterricht und Online-Angeboten. Selbst wenn die Schüler in der Schule waren, galt es besondere Vorgaben zu beachten: So habe der Unterricht oft mit geteilten Klassen stattgefunden, schildert Dr. Heither die besonderen Umstände. "Der Lehrer stand im Idealfall in der Verbindungstür zwischen zwei Räumen."

Nie war genau klar, wie es weitergehen würde. Eine Maskenpflicht, die die Heinrich-Böll-Schule nach den Sommerferien einführte, wurde zwei Wochen später vom Verwaltungsgericht Frankfurt gekippt. 95 Prozent der Schülerinnen und Schüler hätten den Schutz jedoch freiwillig weiter getragen, sagt der Schulleiter. "Sie haben eine besondere Verantwortung übernommen und ihre Freiheitsansprüche hintenangestellt", betont Dr. Heither.

Immer wenn die Schule geöffnet war, habe der Unterricht für die Abschlussklassen - sowohl in der Oberstufe wie im Haupt- und Realschulzweig - im Vordergrund gestanden. Während des Lockdowns sei Online-Unterricht nach Stundenplan abgehalten worden. Schüler mussten sich zum Unterrichtsbeginn im Video-Chat melden. Dadurch habe man auch im Fernunterricht eine klare Tagesstruktur aufrechterhalten, erläutert Heither. Abgesehen von einigen technischen Problem durch Serverabstürze habe diese Alternative gut funktioniert.

Nicht alle Einschränkungen, die Abiturienten auf dem Weg zur Prüfung erlebten, hingen unmittelbar mit dem Schulbetrieb zusammen. Hindernisse seien auch aufgetreten, weil Bibliotheken geschlossen waren, erklärt der Schulleiter. Am Anspruch der Prüfungen habe sich vor diesem Hintergrund nichts geändert. Der besonderen Unterrichtssituation sei allerdings Rechnung getragen worden: Oberstufenleiterin Franziska Schmidt erläutert, dass die Fachlehrer einen der Prüfungsvorschläge im Vorfeld abwählen konnten. So sei sichergestellt worden, dass den Abiturienten nur Aufgaben vorgelegt werden, die sie im Präsenzunterricht behandelt haben. Zur Durchführung der schriftlichen Prüfungen setzte die Schule auf Masken und eine Testpflicht. In großen Räumen, die zum Flur hin geöffnet wurden, konnten die Abstandsgebote eingehalten werden.

"Schüler haben sich da durchgebissen"

Insgesamt 69 Schülerinnern und Schüler konnten ihre Abi-Zeugnisse nach diesem ungewöhnlichen Corona-Jahr in Empfang nehmen. Die Zahl derjenigen, die es nicht schafften, sei nicht höher als in vergangenen Jahren, erklärt die Oberstufenleiterin. Auch der diesjährige Notendurchschnitt von 2,4 sei vergleichbar mit früheren Abi-Jahrgängen. "Die Schüler haben sich da durchgebissen", betont Franziska Schmidt. Sie räumt ein, dass es auch für die Lehrer und die Oberstufenleitung anspruchsvoll gewesen sei, immer auf die veränderten Verordnungen zu reagieren. "Es war schon stressiger als sonst", so Schmidt. Dietrich Heither zieht insgesamt ein positives Fazit: "Ich glaube, wir sind da gut durchgekommen", so der Schulleiter.

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