Sie kann sich über ein biblisches Alter freuen: Elisabeth Pfitzner feiert heute ihren 100. Geburtstag.
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Sie kann sich über ein biblisches Alter freuen: Elisabeth Pfitzner feiert heute ihren 100. Geburtstag.

Ehrentag

Hattersheim: "Es war wahrscheinlich das gute Leben"

Elisabeth Pfitzner hat als junge Frau unter anderem in Brasilien gelebt und erzählt, was sie fit hält.

Hattersheim -Auf die Frage nach der Vergangenheit gibt es eine klare Antwort. "Das Leben war schön", resümiert Elisabeth Pfitzner. Während die Seniorin in Erinnerungen schwelgt, macht sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht breit. Sie habe sehr viel von der Welt gesehen, erzählt die Bewohnerin einer Seniorenwohnanlage im Mühlenviertel. Für ein ereignisreiches Leben hatte sie viel Zeit, denn Elisabeth Pfitzner feiert heute ihren 100. Geburtstag.

Die Pferdewagen fuhren übers Pflaster

"Ich war überall", sagt die Jubilarin und blickt dabei gedankenverloren auf die Autos, die vor dem Seniorenheim über den Hessendamm rollen. Als sie am 30. März 1921 geboren wurde, spielten Kraftfahrzeuge noch kaum eine Rolle. Das Geburtstagskind kam als Elisabeth Piepenburg in Berlin-Zehlendorf zur Welt. In ihrer Kindheit seien Pferdewagen über das Pflaster gerollt und man habe sorglos draußen spielen können, erinnert sich die 100-Jährige. "Das war eine sehr schöne Zeit", findet die Seniorin. "Die kriegen wir nicht wieder."

Die Berlinerin erlernte das Dekorieren von Schaufenstern in einem Hutgeschäft. Mitten im Zweiten Weltkrieg heiratete sie Kurt Pfitzner, von dem sie sich schon kurz darauf vorübergehend trennen musste. Zwei Tage nach der Hochzeit sei ihr Mann als Soldat nach Russland geschickt worden, erzählt die Jubilarin. Dem Paar waren dennoch viele gemeinsame Jahre vergönnt. Kurt Pfitzner kehrte aus dem Krieg zurück und begann für eine Farbenfabrik zu arbeiten. Durch den Beruf ihres Mannes seien sie viel herumgekommen, erzählt Elisabeth Pfitzner. Sie erinnert sich an Aufenthalte in den USA, Kanada, Frankreich, Österreich und der Schweiz. Am besten gefiel es Elisabeth Pfitzner aber in Basilien. Im Jahr 1950 seien sie mit ihren beiden Töchtern für zwölf Jahre nach Rio de Janeiro gegangen. "Wir hatten nur Wasser und Himmel", schwärmt die Seniorin. Die Natur sei beeindruckend gewesen und die Menschen sehr freundlich. Am Zuckerhut sei ihre dritte Tochter geboren worden. Heute kann sich Elisabeth Pfitzner über drei Enkel und zwei Urenkel freuen. Im Jahr 1962 kehrte die Familie aus Brasilien zurück nach Berlin. Kurz darauf seien sie nach Frankfurt-Rödelheim gezogen, berichtet Elisabeth Pfitzner. Zeit für Hobbys sei in ihrem Leben nie geblieben. "Wir waren immer so viel unterwegs, dass ich zufrieden war, wenn wir zu Hause waren", sagt die Jubilarin.

Nach dem Tod ihres Mannes lebte sie bis zu ihrem 97. Lebensjahr alleine in Rödelheim. 2018 zog sie schließlich in der Wohnanlage der Doreafamilie ein. Der Familienanschluss ist nicht weit entfernt: Eine ihrer Töchter wohnt ebenfalls in Hattersheim. Ihren 100. Geburtstag will die Seniorin aufgrund der Corona-Welle ganz vorsichtig feiern. Dass sie so eine Pandemie noch miterlebe, hätte sie nicht gedacht, sagt Elisabeth Pfitzner, die bereits geimpft wurde. "Uns erschüttert so schnell nichts", betont die Jubilarin. Sie habe auch schon den Zweiten Weltkrieg überstanden. Nun hoffe sie, dass die jungen Menschen stark bleiben. "Ich wünsche der Jugend, dass sie genauso über diese Zeit kommt, wie wir über den Krieg gekommen sind."

Kein Patentrezept für hohes Alter

Doch was ist das Geheimnis ihres hohen Alters? In jungen Jahren habe sie Sport in der Schule getrieben, erzählt Elisabeth Pfitzner. Später sei sie bis zu ihrer Hochzeit im Schwimmverein gewesen. Besondere Aktivitäten oder Empfehlungen zur Ernährung, die zur langen körperlichen und geistigen Fitness führen würden, könne sie nicht nennen. Vielmehr sieht die 100-Jährige eine grundsätzliche Zufriedenheit als Antrieb und Motivation. "Es war wahrscheinlich das gute Leben", meint Elisabeth Pfitzner, die mit sich im Reinen ist. sas

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