Wer steckt da seine Finger in den Käfig? Das "Deutsche Reichshuhn" reagiert neugierig auf die Hand des Vereinsvorsitzenden Lothar Hofmann.
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Wer steckt da seine Finger in den Käfig? Das "Deutsche Reichshuhn" reagiert neugierig auf die Hand des Vereinsvorsitzenden Lothar Hofmann.

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Hattersheim: Gefiederte Schönheiten in Käfigen

Was den Geflügelzüchtern außer der Corona-Pandemie derzeit noch weitere Sorgen macht.

Hattersheim -Die Liebhaber von Federvieh waren am Wochenende im Glockwiesenweg in ihrem Element. Im Vereinsheim des Hattersheimer Kleintierzuchtvereins lag ein beständiges Gurren und Gackern in der Luft. Hin und wieder krähte ein Hahn. Die vertrauten Geräusche kamen von Vögeln, deren Anblick für Laien eher ungewohnt war. Rassen wie die schwarz-weiß gefleckten Zwerg-Wyandotten oder das mit schwarzen Backenfedern geschmückte Lachshuhn entsprechen nicht den typischen Vorstellungen von einem Hühnerstall. Doch gerade diese optischen Besonderheiten machen für Züchter den Reiz ihres Hobbys aus.

Viele Laien fanden am Samstag und Sonntag ohnehin nicht den Weg zu den Ausstellungskäfigen. Der Kleintierzuchtverein richtete die Kreis- und Jugendschau der Rassegeflügelzüchter aus und hatte vorher weitgehend auf Werbung verzichtet. Wegen der Corona-Pandemie habe der Verein den Zugang für die Öffentlichkeit bewusst auf ein Minimum reduziert, erklärte Vorsitzender Lothar Hofmann. "Wir wollen ja keine Negativschlagzeile", so der Vereinschef. Der Besucherkreis sei deshalb auf die Züchter beschränkt - Zutritt erhielten nur Geimpfte und Genesene.

Darüber hinaus hatten die Organisatoren ein Einbahnstraßen-System eingeführt, das die Laufrichtung zwischen den Käfigen vorgab. "Es ist nicht einfach", gestand Lothar Hofmann. Corona sei nämlich nicht das einzige Virus, das Geflügelzüchtern derzeit Sorge bereite. Neben der Pandemie beschäftige die Vereinsmitglieder zudem die Ausbreitung der Vogelgrippe. Der Erreger H 5N 1, der vor allem für Hühner, Puten und Enten tödlich ist, wurde in den vergangenen Wochen in verschiedenen Ecken Deutschlands bei Wildvögeln nachgewiesen. "Wir beobachten das mit Sorge", erklärte Hofmann. Ein Ausbruch in der Region könnte dem Verein viele Maßnahmen abverlangen, um die Tiere in ihren Parzellen zu schützen, erläuterte der Züchter.

Aufgrund der geringen Öffentlichkeitswirkung werde die Geflügelschau in diesem Jahr wohl keine große Werbemöglichkeit sein, meint der Vereinschef. Trotzdem war es den Züchtern wichtig, ihre schönsten Tiere zu präsentieren und dem Preisrichter vorzuführen. Insgesamt 217 Vögel - vom Zwerghuhn bis zur Taube - waren im Glockwiesenweg ausgestellt. 22 Züchter aus dem gesamten Kreis nahmen teil - darunter sechs Aktive des Hattersheimer Kleintierzuchtvereins. Mit dem Abschneiden der Hattersheimer sei er zufrieden, erklärte Lothar Hofmann.

Selbst Kampfhühner fanden sich unter den zahlreichen exotischen Rassen hinter den Gitterstäben. Bei der Geflügelschau wurde jedoch nur um die kräftigste Statur und das schönste Federkleid gekämpft. Hahnenkämpfe gibt es bei den Kleintierzüchtern natürlich nicht. "Das ist bei uns total verpönt und wird abgelehnt", betonte Lothar Hofmann. "Wir züchten rein auf Schönheit hin." Bewertungskriterien waren, neben dem Gesamteindruck eines Tieres, unter anderem die Farbe des Gefieders und die Form des Kehllappens.

In diesem Jahr lag das Fehlen von Publikum an den Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie. Doch ist das Interesse an Zucht-Schauen heutzutage noch vorhanden? Lothar Hofmann bejaht diese Frage. Vor Corona seien immer noch viele Hattersheimer zur Vereinsschau gekommen, berichtet der Vorsitzende. Der Verein habe unter anderem Werbung bei Kindergärten gemacht. "Für Kinder ist das sehr interessant", meint Hofmann. Junge Leute für die aktive Teilhabe im Verein zu gewinnen, sei hingegen eine andere Sache. Unter den 15 Aktiven des Hattersheimer Kleintierzuchtvereins sei nur ein Jugendlicher. Kinder und Jugendliche hätten es aber auch schwer, das Hobby alleine zu stemmen, erläutert der Vorsitzende. Futter und Impfungen für die Tiere würden viel Geld verschlingen. "Das geht nur, wenn die Eltern unterstützen." sas

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