Vor einigen Jahren wurden auch im Stadtteil Okriftel so genannte Stolpersteine zur Erinnerung an ermordete und vertriebene jüdische Mitbürger verlegt.
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Vor einigen Jahren wurden auch im Stadtteil Okriftel so genannte Stolpersteine zur Erinnerung an ermordete und vertriebene jüdische Mitbürger verlegt.

Historie

Hattersheim: Gegen das Vergessen

Zum Gedenken an "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" werden mehrere Veranstaltungen angeboten - vom Koch-Nachmittag bis zur Lesung.

Hattersheim -Die Geschichte der ehemaligen jüdischen Bevölkerung ist im gesamten Stadtgebiet an vielen Stellen sichtbar. Oder besser: Sichtbar gemacht worden. So mit den so genannten Stolpersteinen, die verlegt wurden um die diejenigen Menschen mit jüdischen Wurzeln zu erinnern, die während der Nazi-Diktatur verhaftet, ermordet oder vertrieben wurden. Über die Schicksale der einstigen jüdischen Bürger von Hattersheim wurden Bücher verfasst. Seit einigen Jahren steht der Erhalt des einstigen jüdischen Schulhauses an der ehemaligen Phrix-Fabrik regelmäßig auf der Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung. Gefordert wird, dass das Gebäude als Erinnerungsstätte erhalten bleibt und entsprechend hergerichtet wird. Das Bauwerk gehört der Prinz von Preußen AG, die auf dem Ex-Phrix-Areal ehemaligen Fabrikräume in Wohnungen umwandelt. Da die einstige jüdische Schule unter Denkmalschutz steht, wird das Bauwerk auf jeden Fall erhalten bleiben, lautete die jüngste Auskunft des Investors.

Die Stadt Hattersheim engagiert sich aber noch in anderer Art und Weise dafür, das Gedenken an jüdische Kultur und jüdisches Leben zu bewahren. Bekanntlich wird in diesem Jahr bundesweit ein besonderes Jubiläum begangen: "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" - so lautete das Motto. Die genannten 1700 Jahre gehen dabei auf das Jahr 321 zurück. Auf dieses Jahr ist ein Edikt des römischen Kaisers Konstantin datiert, in dem die jüdische Gemeinde Kölns erwähnt wird. "Es gilt als erster Beleg für die Existenz von jüdischen Gemeinden auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands. Ein ganzes Jahr lang wird daher die Vielfalt jüdischen Lebens bundesweit gefeiert", erklärt der Magistrat in einer Mitteilung zum Veranstaltungsprogramm in Hattersheim. Gemeinsam mit dem Kulturforum hat der Magistrat zum Festjahr verschiedene Veranstaltungstermine zusammengestellt.

Auf einige besondere Termine weisen Magistrat und Kulturforum bereits jetzt hin: Am Nachmittag des 13. Oktobers laden das Stadtteilbüro sowie die Stadt Hattersheim zu einem kulinarischen Erlebnis ein. Im Rahmen des "Bistros" im Südringtreff werden Speisen aus der "jüdischen Küche" angeboten. Darüber hinaus organisiert die Stadt im Oktober eine Online-Veranstaltung im Rahmen des Begegnungs-Projektes "Meet a Jew" des Zentralrates der Juden in Deutschland. In Kooperation mit dem Main-Taunus-Kreis präsentiert der Magistrat am Abend des 9. Novembers das Theaterstück "remembeRING" (Theater La Senty Menti). Anhand der Geschichte eines Ringes, über dessen Weg vom KZ Auschwitz nach Tel Aviv, berichtet die Theatermacherin und Schauspielerin Liora Hilb über die Historie ihrer eigenen Familie. Den Abschluss des Veranstaltungsangebotes bildet am 17. November eine Fahrt für Kinder und Jugendliche ab 8 Jahren in das Jüdische Museum Frankfurt/ Museum Judengasse.

Im Rahmen der Kulturwerkstatt organisiert das Kultuforum Hattersheim den Besuch des Workshops "Alles koscher - oder was?". Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen hier viele unterschiedliche religiöse Vorschriften und Bräuche zum Thema "Essen" kennen.

Informationen zu den Anmeldungen werden wegen der Corona-Krise kurzfristig im Internet https://www.hattersheim.de/JLID bekanntgegeben. Ansprechpartnerin ist außerdem Anja Pinkowsky vom Hattersheimer Stadtarchiv, Telefonnummer (0 61 90) 9 26 62 69 oder per E-Mail an stadtarchiv@hattersheim.de. red/meh

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