Während der Corona-Pandemie haben Betrugsversuche am Telefon Hochkonjunktur. Polizei sowie Präventionsräte versuchen, vor allem ältere Menschen über diese Maschen aufzuklären.
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Während der Corona-Pandemie haben Betrugsversuche am Telefon Hochkonjunktur. Polizei sowie Präventionsräte versuchen, vor allem ältere Menschen über diese Maschen aufzuklären.

Kriminalität

Hattersheim: "Gewinn-Anruf" ist fast immer ein Betrug

Präventionsrat und Polizei informierten über richtiges Verhalten und Abwehrmaßnahmen.

Hattersheim -"Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen." Wer mit dieser Nachricht am Telefon überrascht wird, der sollte misstrauisch reagieren - erst recht, wenn ihn der Anrufer auffordert, Geld zu bezahlen, um den vermeintlichen Gewinn anzutreten. Denn: So verlockend geschenktes Geld auch klingen mag - Betroffene haben mit Sicherheit einen Betrüger am Apparat.

Ähnliche Erfahrungen hatten einige der Hattersheimer gemacht, die sich Anfang des Monats über Einbrüche und Trickbetrüger informierten. Die Gelegenheit dazu bot ein Stand auf dem Marktplatz: Zusammen mit der Polizei gaben die Präventionsräte des Main-Taunus-Kreises sowie der Stadt Sicherheitshinweise. Dabei berichteten der polizeiliche Berater Jürgen Seewald sowie der "Schutzmann vor Ort", Christian Schneider, von ihren Erfahrungen. Der Besuch in Hattersheim bildete den Abschluss der diesjährigen Kampagne, mit der die Berater am Beginn der dunklen Jahreszeit im Kreis unterwegs waren.

Kriminelle ruhen auch während der Pandemie nicht. Einbrüche seien in den Corona-Monaten zwar zurückgegangen, dafür hätten betrügerische Anrufe und Nachrichten zugenommen, erläutert Peter Nicolay, Mitgeschäftsführer des Präventionsrates Main-Taunus. Eine neue Masche der Ganoven seien Nachrichten mit dem Hinweis, dass eine Paketlieferung nicht zugestellt werden könne. "Wenn jemand auf den Link klickt, ist er dran", so der Sicherheitsberater. Ebenfalls in acht nehmen solle man sich vor falschen Mitarbeitern des Gesundheitsamts, die wegen eines Corona-Tests in die Wohnung gelassen werden wollen. Doch auch "Klassiker" der Betrugsversuche finden weiterhin Anwendung. "Der Enkeltrick ist immer wieder dabei", erklärt Peter Nicolay. Gemeint sind Anrufe, bei denen die Betrüger gezielt Senioren ins Visier nehmen und vorgeben, ein in Not geratenes Enkelkind zu sein.

Nicolai rät Betroffenen ganz allgemein, niemanden in die Wohnung zu lassen. Bei Anrufen solle man sich auch nicht beirren lassen, wenn die Polizeirufnummer 110 auf dem Display erscheint. Im Gegenteil: Die Polizei rufe nie unter der Notrufnummer an, betont der Geschäftsführer des Präventionsrats. Er sei froh, wenn er höre, dass immer mehr Leute auflegen. "Ich habe das Gefühl unsere Beratungen greifen", sagt Nicolay.

Am Infostand auf dem Hattersheimer Markt hätten sich überwiegend ältere Leute informiert. Manche seien schon von Einbrüchen betroffen gewesen und hätten nachgefragt, wie sie sich in Zukunft besser schützen können. Ihm sei aufgefallen, dass viele Anfragen von alleinstehenden Senioren kamen, die sich in ihrem Haus unsicher fühlen, erzählt Peter Nicolay. Wer alleine lebe und nicht ausgehe, sei ein potenzielles Opfer von Betrügern. Unter den interessierten Hattersheimern seien aber auch junge Paare gewesen, die neu bauen und sich für die Absicherung ihres Hauses interessierten.

Im Rahmen der kreisweiten Kampagne hätten die Präventionsräte auch in kleineren Städten ihren Stand aufgeschlagen, berichtet der Geschäftsführer. "Selbst wenn man nur zwei Fälle verhindern kann, ist das schon gut", findet Nicolay. Mit dem Zuspruch im Großteil der Kommunen sei er sehr zufrieden. In Hattersheim verzeichne die Kampagne immer eine ausgesprochen gute Nachfrage. Diesmal habe ein verbesserter Standort für den Stand sogar noch zu gesteigerter Aufmerksamkeit beigetragen. Der Infostand war vom Parkplatz an den Eingang des Marktplatzes verlegt worden. Dass Bürgermeister Klaus Schindling (CDU) für zwei Stunden an Ort und Stelle war, habe ebenfalls geholfen, dass Interesse der Hattersheimer zu wecken, lobt Nicolay. Die Polizei habe während der vierstündigen Aktion acht Termine für die Nachrüstung von Fenstern vereinbart. Für die Zukunft sei geplant, die Präventionsgespräche mit dem Angebot einer Fahrradcodierung zu kombinieren. Nicolay sieht eine Überschneidung der beiden Zielgruppen. 70 bis 80 Prozent der Menschen, die ihr Fahrrad codieren lassen, seien Senioren, die ein teures E-Bikes vor Diebstahl schützen möchten. sas

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