Das Psychosoziale Zentrum Südwest des DRK befindet sich in der Straße "Im Boden".  Archiv-Foto: Nietner
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Das Psychosoziale Zentrum Südwest des DRK befindet sich in der Straße "Im Boden". Archiv-Foto: Nietner

Corona-Pandemie

Hattersheim: Große Einschränkungen für die Tagesstätte

Der Leiter des Psychosozialen Zentrums setzt sich für ein Umdenken bei der Impfstrategie ein.

Hattersheim -Die Corona-Pandemie verlangt den Menschen psychisch einiges ab. Zukunftsangst und fehlende Kontakte gehören zu den Belastungen während des Lockdowns. Besonders hart trifft die Krise diejenigen, die bereits zuvor mit psychischen Problemen zu kämpfen hatten. Betreuung und persönlicher Kontakt sind deshalb derzeit beim Psychosozialen Zentrum besonders gefragt. Gleichzeitig lässt sich die persönliche Nähe aber nur unter Einschränkungen umsetzen.

"Psychisch erkrankte Menschen gelangen momentan an ihre Grenzen", weiß Burkhard Platte, Leiter des Psychosozialen Zentrums MTK Südwest. Die Hilfseinrichtung des DRK hat ihren Sitz in Hattersheim. Die Mitarbeiter betreuen eine Tagesstätte und ein Wohnhaus mit neun Bewohnern. Außerdem sucht das Team rund 70 Klienten des ambulanten betreuten Wohnen zu Hause auf.

"Der dauerhafte Ausnahmezustand macht schon etwas aus", sagt Burkhard Platte. Der Diplom-Sozialpädagoge hat den Eindruck, dass die Depressionen während der Corona-Pandemie deutlich zugenommen haben. In der aufsuchenden Arbeit merke man, dass sich die Stimmung verändert habe. Mittlerweile habe sich bei vielen Betroffenen die Einsicht durchgesetzt, dass der Ausnahmezustand nicht so schnell enden werde.

Die praktische Fortsetzung der Angebote stellt das Team des Psychosozialen Zentrums vor Herausforderungen. Offene Treffen in der Tagesstätte wurden aufgrund der Infektionsgefahr ausgesetzt. Derzeit können dort nur angemeldete Nutzer aufgenommen werden. Jeweils die Hälfte der 21 Klienten darf an jedem zweiten Tag in der Anlaufstelle vorbeischauen. Mit denjenigen, die zu Hause bleiben, stehen die Mitarbeiter telefonisch in Kontakt. Besuche im ambulanten betreuten Wohnen würden mit Hygieneregeln wie Abstand und Alltagsmasken fortgesetzt, erläutert Burkhard Platte. Im stationären Wohnbereich gelten derweil Besuchseinschränkungen. Außerdem werden die Bewohner auf Covid-19 getestet.

"Wir können die Leute nicht alleine lassen", sagt der Leiter des Psychosozialen Zentrums. Bloß telefonischen Kontakt anzubieten, reiche nicht aus. Selbst ein Gespräch zwischen Tür und Angel sei wichtig, "um zu zeigen, dass wir noch da sind". Oftmals werde das Betreuungsangebot gar nicht von jedem in Anspruch genommen, sagt Platte. Für viele psychisch Kranke sei es aber wichtig, zu wissen, dass sie sich im Notfall an jemanden wenden könnten. Die Bewältigung der Krise bedeute eine ständige Anpassung an Regeln und Verordnungen. "Unser Optimismus ist jetzt ein bisschen dem Pragmatismus gewichen", erklärt Burkhard Platte. Die Einrichtung verfolge ein Test- und Schutzkonzept, das mittlerweile fast jede Woche geändert werden müsse. Der Diplom-Pädagoge verweist darauf, dass mittlerweile die 24. Verordnung des Landes Hessen gilt. Nach der Landesverordnung lege schließlich noch der Kreis mit Allgemeinverfügungen nach. "Ich schaue mir morgens erst mal die Internetseiten des Landes und des Main-Taunus-Kreises an", sagt der Leiter des Zentrums. "Dann weiß ich, wie der Tag verläuft."

Nachholbedarf sieht Burkhard Platte bei den momentanen Impfplänen. Mit Blick auf alle bevorzugten Maßnahmen sei immer nur die Rede von der Alten- und Behindertenhilfe. Menschen mit psychischen Erkrankungen und deren Betreuer seien dabei vollkommen ausgenommen. Obwohl sie nicht als Risikogruppe eingestuft werden, sieht Burkhard Platte die Bewohner des stationären Wohnbereichs durchaus bedroht. Die Menschen hätten komplexe Erkrankungen und würden auf engem Raum zusammenleben.

Manchen fehle außerdem die Einsicht, dass sie ihre sozialen Kontakte beim Verlassen des Gebäudes begrenzen müssen, erläutert der Chef des Psychosozialen Zentrums. Dadurch steige die Gefahr, dass das Virus ins Wohnhaus getragen werde. Alle neun Bewohner im Falle einer Infektion zu separieren, sei aber kaum leistbar. Ein Umdenken bei der derzeitigen Impfstrategie wäre deshalb aus Sicht des Pädagogen "superwichtig". sas

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