Noch mehr und zudem sichere Fahrrad-Abstellplätze möchten die Grünen im Umfeld des Hattersheimer Bahnhofs realisiert sehen.
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Noch mehr und zudem sichere Fahrrad-Abstellplätze möchten die Grünen im Umfeld des Hattersheimer Bahnhofs realisiert sehen.

Politik

Hattersheim: Grüne möchten Fahrrad-Boxen und E-Ladestation

Nach der Entscheidung für einen Grundstücksverkauf am Bahnhof stößt ein Bauvorhaben zudem auf Kritik bei Anwohnern.

Hattersheim -Mehr als eine halbe Stunde lang mussten die Zuschauer der jüngsten Stadtverordnetenversammlung den Saal verlassen, weil die Fraktionen unter Ausschluss der Öffentlichkeit über Grundstücksgeschäfte diskutierten. Eine der betroffenen Flächen war das Gebiet des Park & Ride-Platzes nördlich des Bahnhofes. Eine Projektgesellschaft möchte das dort geplante Quartier unter anderem mit Wohnungen bebauen.

Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen gab sich in der politischen Auseinandersetzung zögerlich: Die Fraktion beantragte, den Verkauf des Park & Ride-Grundstücks von den restlichen Objekten getrennt zu behandeln und enthielt sich in der Abstimmung. Die Grünen stellen sich auf die Seite kritischer Anwohner. In einer Mitteilung erinnern sie daran, dass bereits in der letzten Stadtverordnetenversammlung der vergangenen Legislaturperiode Zuhörer aus der Rathausstraße und der Lindenstraße anwesend waren, um Nachteile des Bauprojektes zu hinterfragen.

Nachteile befürchten auch die Grünen: Sie vermissen die von Bürgermeister Klaus Schindling (CDU) im Ausschuss angekündigte Entwicklung unter ökologischen und nachhaltigen Aspekten und beklagen fehlende Transparenz. Die Fraktion habe sich einen Modellentwurf angeschaut, berichtet Sprecherin Nathalie Ferko. Dort habe sich eine sehr verdichtete, vier- bis sechsgeschossige Bebauung gezeigt, die Anwohner zu Recht "verstöre". Die Fraktion frage sich, warum diese Fläche derart dicht bebaut werden soll. In der Abstimmung über den Verkauf habe man sich enthalten, weil mehrere ökologische und bauliche Aspekte noch nicht in einem städtebaulichen Vertrag festgeschrieben sind. Zum Thema Mobilität vermissen die Grünen eine Festlegung der künftigen Parkplatzsituation. Nicht geregelt sei außerdem die Frage, ob sichere Fahrradabstellplätze geschaffen werden. Die Grünen würden Fahrradboxen bevorzugen. Weiterhin vermissen sie Aussagen zur Anbindung an Fahrradwege, zu Auflademöglichkeiten für E-Bikes und zu Car-Sharing-Angeboten.

Neben der Förderung von Mobilität fehlen der Umweltpartei Regelungen zur künftigen Gebäudegestaltung. Aspekte wie die Dach- und Fassadenbegrünung oder eine Planung nach der Passivhausbauweise seien bisher nicht geregelt. Die Fraktion gibt zu bedenken, dass es deutlich teurer wäre, eine Dämmung nach Passivstandard nachzurüsten. In der bisherigen Planung fehlt den Grünen eine CO2-neutrale Energieversorgung samt Photovoltaik-Anlage. Darüber hinaus seien keine Zusagen zu weitreichenden Baumpflanzungen gemacht worden. Schließlich merken die Grünen bei ihrer Kritik an dem Projekt an, dass außerdem noch keine Übernahme eines Kostenanteils für Kita-Plätze mit dem Bauträger geregelt sei. Bürgermeister Klaus Schindling (CDU) zeigt sich von der Argumentation der Oppositionspartei überrascht. Es sei ganz normal, dass die geforderten Inhalte in dieser Phase eines Bauprojektes nicht festgeschrieben sind, betont der Verwaltungschef. Dafür sei es einfach noch zu früh. Inhaltlich hat Schindling nichts an den Wünschen der Grünen auszusetzen. Auch er trete weiterhin für die Berücksichtigung ökologischer Aspekte ein. "Es wird dort später sicher nicht weniger Bäume geben als jetzt", meint Schindling. Den genauen Standort dieser könne man allerdings noch nicht versprechen. Die Städteplaner würden das Quartier in seiner Gesamtheit betrachten und Anforderungen wie Mikroklima und das Versickern von Regenwasser aufeinander abstimmen. "Wir sind noch nicht mal beim Bebauungsplan-Entwurf", betont der CDU-Mann. Die einzigen Pläne, auf die sich die Grünen bisher beziehen könnten, seien Wunschpläne der Investoren. Was später tatsächlich passiere, ergebe sich aber erst aus dem Bebauungsplanverfahren und dem städtebaulichen Vertrag. Es sei üblich, ein Grundstückgeschäft zu beschließen und Inhalte und Auflagen für den Investor anschließend im städtebaulichen Vertrag abzustimmen, so der Bürgermeister. sas

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