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Hattersheim: Hartz IV-Verein fordert Mietpreis-Stopp

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Den Mietern von Wohnungen der Hattersheimer Wohnungsbau Gesellschaft (Hawobau) stehen Mieterhöhungen ins Haus.
Den Mietern von Wohnungen der Hattersheimer Wohnungsbau Gesellschaft (Hawobau) stehen Mieterhöhungen ins Haus. archiv © Knapp

Die Lage der Mieter habe sich durch die Inflation bei den Energiekosten verschlechtert, argumentiert der Vorstand.

Hattersheim -Es gibt für Menschen, die kein geregeltes und ausreichend gutes Einkommen haben, ein immer größer werdendes Problem: Die Teuerung in allen Bereichen des täglichen Lebens, beziehungsweise des täglichen Bedarfs. Ist es fast schon ein Privileg, im Main-Taunus-Kreis zu günstigen Bedingungen wohnen zu können, so sehen die nächsten Monate düster aus. Die Preiserhöhungen der Energieversorger sind zwar nachvollziehbar, aber diese Erkenntnis nutzt den betroffenen Kunden nichts, wenn die Rechnungen in die Briefkästen flattern. Genau so verhält es sich mit den Fahrtkosten im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Noch gilt das 9-Euro-Ticket für Regionalbusse und Regionalzüge. Doch wenn die Zeit vorbei ist, in denen die oft überwiegend mit jungen Leuten völlig überfüllten Regionalzüge nicht mehr für 9 Euro im Monat genutzt werden können, dann warten ab September die bisher fast unbemerkt gebliebenen Preiserhöhungen für Bus und Bahn auf die Kunden. Diejenigen, die beispielsweise keine üppigen Renten haben, unternehmen dann lieber keine Ausflugsfahrten mehr, weil sie nicht nur die Preisinflation abfedern, sondern außerdem schon Geld für die Energierechnungen im nächsten Jahr zurücklegen müssen.

In Hattersheim gibt es nun eine weitere problematische Situation, die vor allem Geringverdiener, Rentner sowie Bezieher von staatlichen Leistungen wie beispielsweise Hartz IV betrifft. Carlo Graf informiert im Auftrag des Vorstandes des Hartz IV Café, einem gemeinnützigen Verein für Selbsthilfe und Solidarität, über die geplanten Mieterhöhungen bei der Hattersheimer Wohnbau Gesellschaft mbH (Hawobau). Carlo Graf geht in einer Mitteilung des Vereins zuerst auf die derzeit inflationären Preiserhöhungen ein.

"Schlangen an den Tafeln werden länger"

"Täglich wird in den Medien darüber berichtet. Alle wissen es. Und besonders die Bürger mit wenig Einkommen oder Hilfeempfänger haben deshalb besondere Probleme. Die Verbraucherzentrale ermittelt den Preisanstieg für Lebensmittel von Mai 2021 bis Mai 2022 mit 11,1 Prozent, Molkereiprodukte und Eier, plus 13,1 Prozent, sowie Brot und Getreideerzeugnisse, plus 10,8 Prozent. Aber die Mittel zum Leben für Hartz IV Empfänger enden bei 5,20 Euro pro Mensch und Tag. Und die Schlangen an den Tafeln werden immer länger. Nichts aber bremst den Preisanstieg. Auch nicht die Einmalzahlungen an Bedürftige", moniert der streitbare Okrifteler.

Dabei, so Carlo Graf, gäbe es Möglichkeiten auch für die Kommunen. "Eine davon wäre das Einfrieren der Mietkosten. Das könnte die Probleme der Bürger abmildern. Aber auch das Leben der Hartz IV-Empfänger." Denn auch diese seien betroffen, da ein erheblicher Anteil bereits jetzt einen Teil ihrer Mittel zum Leben auf die Miete zuzahlen würden - mangels bezahlbarer Wohnungen.

Carlo Graf erläutert weiter: "Doch warum sprechen wir vom Einfrieren der Mieten? Weil aktuell den Mietern in Wohnungen der stadteigenen Hawobau eine Mieterhöhung ins Haus steht." Graf stellt die rhetorische Frage "warum jetzt und mit welcher Begründung?". Und gibt die Antwort selbst: Die Hawobau habe nach eigenen Angaben "seit Beginn der Corona-Pandemie" auf eine Erhöhung verzichtet. Das sieht der Okrifteler aber als "schwachen Grund" für die Mieterhöhungen an. Carlo Graf meint nämlich in seiner bekannt ironisch-ernsten Art: "Und jetzt? Ist die Lage der Mieterinnen jetzt besser? Haben sich deren Lebensumstände verbessert? Doch wohl nicht. Doch wohl eher das Gegenteil, die Inflation hält an und die Lebensmittelpreise überholen die Inflationsrate. Die Abschläge für Strom machen einen gewaltigen Sprung."

Deshalb, so meint der sozialpolitisch engagierte Mann, sei es an der Zeit, "daraus die richtige Schlussfolgerung zu ziehen: Mietkosten einfrieren - jetzt!".

Von der Hawobau war gestern Nachmittag bis zum Redaktionsschluss keine Stellungnahme erhältlich. meh

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