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Streit um Feuchtigkeit in Mietwohnung: Geschäftsführer weist „Flickschusterei“ zurück

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Nicht alle Gebäude im Wohngebiet am Südring sind bereits komplett fertig saniert. Deshalb gibt es im Altbestand Probleme mit einigen Wohnungen, die derzeit renoviert werden.
Nicht alle Gebäude im Wohngebiet am Südring sind bereits komplett fertig saniert. Deshalb gibt es im Altbestand Probleme mit einigen Wohnungen, die derzeit renoviert werden. © Maik Reuß

Im Streit Feuchtigkeit in einer Mietwohnung der Hattersheimer Wohnungsbau Gesellschaft sind die Fronten weiter verhärtet.

Hattersheim - Die Hattersheimer Wohnungsbaugesellschaft (Hawobau) vermietet zahlreiche Wohnungen - vor allem im Bereich der Siedlung zwischen Südring und Bahnlinie. Dass es in den teilweise älteren Mietshäusern des städtischen Unternehmens zu Schäden kommt und in der Folge mit unzufriedenen Mietern, bleibt deshalb nicht aus. Nun gibt es Beschwerden aus der Königsberger Straße. Diese Redaktion berichtete in der Samstagsausgabe vom Fall der Familie Bulut, die über anhaltende Feuchtigkeit und Schimmel klagt. Hawobau-Geschäftsführer Holger Kazzer bestätigt den Schaden auf Nachfrage, kommt jedoch zu einer anderen Einschätzung der Lage.

Familienvater Emre Bulut sich über jahrelange Probleme mit Feuchtigkeit und Schimmel im Badezimmer beschwert, einen Anwalt eingeschaltet und fordert eine dauerhafte Lösung. Derzeit sei bei ihm die Wand aufgerissen und die feuchten Flecken würden vom Bad bis in die Küche durchdringen. Der Hawobau wirft er "Flickschusterei" vor. Bulut vertritt die Ansicht, dass eine Grundsanierung erforderlich wäre. In dieser Zeit müsse seiner Familie eine andere Wohnung zur Verfügung gestellt bekommen.

Hattersheim (Main-Taunus-Kreis): Wohnungsbau-Gesellschaft erklärt feuchte Mietwohnung

Holger Kazzer räumt ein, dass bereits im Jahr 2018 ein langwieriger Schaden auftrat, der jedoch durch die Hawobau behoben worden sei. Beim derzeitigen Problem handele es sich um einen davon unabhängigen neuen Fall, der die Hauptwasserleitung betreffe. Im Leitungsschacht sei in diesem Zusammenhang tatsächlich Schimmel aufgetreten. An der Oberfläche habe sich aber nur an wenigen Stellen ein dünner Schimmelfilm gezeigt.

Nur aufgrund eines Wasserschadens biete die Hawobau keine provisorische Wohnung an, sagt der Geschäftsführer. Dass sich die Feuchtigkeit auch in der Küche zeige, sei nachvollziehbar, da die beschädigte Leitung in der Wand zwischen Bad und Küche verlaufe. Trotzdem handele es sich um ein lokal begrenztes Problem, dass keinen Auszug erforderlich mache.

Hattersheim (Main-Taunus-Kreis): Schaden in Mietwohnung wird derzeit beseitigt

Die feuchten Stellen würden derzeit getrocknet und der Schaden beseitigt. Es habe in der Vergangenheit auch schon Fälle gegeben, in denen die Hawobau für ein paar Wochen eine Ersatzwohnung bereitstellte, erklärt Kazzer. Dies sei bei größeren Schäden erforderlich - beispielsweise wenn das Wasser unter den Fußbodenbelag laufe. So etwas komme aber nur selten vor.

Emre Bulut vertritt die Ansicht, dass die Toilette entfernt werden muss, um den Schaden umfassend zu beheben. Der Mieter vermutet, dass die Hawobau dies nicht mache, weil sie der Familie ohne Toilette eine neue Wohnung anbieten müsste.

Diese Darstellung weist der Hawobau-Chef zurück. Immer wenn es notwendig sei, bekomme ein Mieter während der Arbeiten ein Übergangs-WC gestellt, erklärt Holger Kazzer. Dabei handele es sich entweder um ein eigenständiges mobiles WC oder um eine Toilette die provisorisch an einen Schacht angeschlossen wird. "Das mache wir bei anderen Wohnungssanierungen auch so", betont der Hawobau-Geschäftsführer.

Feuchtigkeit in Mietwohnung in Hattersheim (Main-Taunus-Kreis): Kritik von Familienvater

Emre Bulut kritisiert, dass sich die Feuchtigkeit mittlerweile im Keller unter seiner Erdgeschoss-Wohnung zeige. Da dort Stromleitungen verlaufen, sitze die Familie "auf einem Pulverfass". Holger Kazzer macht deutlich, dass der Schaden im Keller die Familie nicht betreffe, weil es der Keller eines anderen Mieters sei, mit dem die Hawobau das Problem bereits geklärt habe. Eine Gefahr gehe davon definitiv nicht aus. "Sonst hätten wir das schon längst entschärft", sagt Holger Kazzer.

Emre Bulut hatte erklärt, dass auch Nachbarn Probleme mit Feuchtigkeit in ihrer Wohnung haben. Der Hawobau-Chef erwidert, dass von dem derzeitigen Schaden kein weiterer Nachbar betroffen sei. Darüber hinaus sei ihm nichts bekannt.

Aus Kulanz habe die Hawobau den Buluts angeboten, ohne Garantieanspruch im Rahmen der bestehenden Kündigungsfrist und zu normalen Umzugskonditionen eine neue Wohnung zu beziehen, wenn eine geeignete Fläche frei ist, berichtet der Geschäftsführer. Das sei schon ein großes Entgegenkommen, findet Holger Kazzer. "Zu mehr sind wir nicht verpflichtet." Emre Bulut war nach eigener Aussage mit dieser Option nicht zufrieden. Er müsse seine jetzige Wohnung nämlich erst mit dreimonatiger Frist kündigen und würde dann wie ein Neumieter behandelt, moniert der Hattersheimer. (sas)

Im Oktober 2020 waren In einem neuen Baugebiet in Hattersheim (Main-Taunus-Kreis) noch Wohnungen frei.

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