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Stefan Pölt fühlt sich sicher auf Hattersheims Straßen ? meistens zumindest.

Verkehr

Mit dem Frühling kommt die Drahtesel-Saison - Doch wie sicher dafür ist Hattersheim?

Gegenseitige Rücksichtnahme und eine sinnvolle Verkehrsführung sind das Wichtigste im Straßenverkehr. Doch bei Letzterem hapert es an manchen Stellen. Und die Sicherheit auf der Straße ist nicht das einzige Problem.

Für Radfahrer endet an der Kreuzung Hessendamm und Frankfurter Straße ein Traum mit einem bösen Erwachen. Der Radweg zwischen Okriftel und Hattersheim ist gut ausgebaut, doch vor der Frankfurter Straße führt er die Radfahrer wieder auf die Straße, direkt an der Ampel. Das heißt, eben da, wo Autofahrer ihren Blick eher auf die Lichtsignale richten, als auf den Radverkehr, und gern noch einmal auf das Gas-Pedal treten, um vor der nächsten Rot-Phase noch über die Kreuzung zu kommen.

Wo die Verkehrsführung für Radfahrer brenzlig ist, bemerkt man häufig nur, wenn man selbst mit dem Rad unterwegs ist. Wie sicher fühlen sich also Radfahrer in Hattersheim? „Eher unsicher“, antwortet Lia Zimmermann. Auch wegen der Kreuzung Hessendamm und Frankfurter Straße. Auf dem Weg zur Schule komme die 16 Jahre alte Okriftelerin jeden Tag an der Kreuzung vorbei. An solchen Stellen weiche sie lieber auf den Fußweg aus. Die Jugendliche zieht verschämt die Schultern hoch. Sie weiß, dass sie das nicht auf dem Gehweg fahren sollte, oft schimpften Fußgänger auch. „Aber lieber das, als dass ich mich vom Auto überfahren lasse“, erklärt sie.

Lieber „offensiv fahren“ 

Auch Christian Slenczka hat für die Verkehrsführung hier kein Verständnis. „Da ist ja genug Platz, damit Straßenmarkierungen einen eigenen Bereich für Radfahrer ausweisen könnten“, sagt der 50 Jahre alte FDP-Mann. Er fühle sich allerdings nicht unsicher, aber nur weil er „offensiv fährt“, wie er es nennt. Das heißt: „Ich fahre in der Mitte der Spur.“ So überholten ihn Autofahrer bei Gegenverkehr nicht und hielten eher den vorgeschriebenen Abstand von 1,5 Metern ein.

Wie viele Radfahrer auf Hattersheimer Straßen, fährt Slenczka jeden Tag mit dem Rad. An der Radlerhose und den vielen Taschen an seinem Gefährt, kann man ihm das irgendwie auch ansehen. Er ärgert sich auch, dass es auf der Schulstraße keinen Radweg gibt. „Immerhin ist das die Verbindung zwischen Robinson-Schule und Heinrich-Böll-Schule“, sagt Slenczka. Da sind viele Kinder unterwegs.

Ob die man Schulstraße zu einer Fahrradstraße machen könnte, in der grundsätzlich Autos nicht schneller als 30 Kilometer pro Stunde fahren dürfen, hatte der Magistrat im vergangenen Jahr geprüft. Mit negativem Ergebnis. Für eine Fahrradstraße sei auf der Schulstraße zu viel Verkehr. Eher sollte der Radverkehr auf die Weinbergstraße geführt werden.

Hattersheim: Es müssen alle aufeinander Rücksicht nehmen

Stefan Pölt fährt die Schulstraße jeden Tag mit dem Rad ab. „Gefährlich“ würde er die Straße nicht nennen, sagt er. „Es müssen nur alle Rücksicht aufeinander nehmen, und das klappt hier ganz gut.“ Er hält kurz inne: „Aber Idioten gibt es natürlich immer.“ Wie dort, auf der Straße „Auf der Roos“, dem Feldweg in Richtung Sindlingen. Zur Arbeit fahre er da entlang. „Dort dürfen eigentlich nur Anwohner mit dem Auto lang fahren.“ Doch dafür kämen ihm zu viele Wagen entgegen. Jeder Zehnte davon rase, dann sei es wirklich gefährlich, sagt Pölt. „Dort müsste die Polizei häufiger kontrollieren.“

Die Frage der Sicherheit stellt sich für Radfahrer aber nicht nur, wenn mit dem Drahtesel unterwegs sind, sondern auch, wenn sie gerade nicht auf zwei Rädern rollen. Am Hattersheimer Bahnhof zeigt eine junge Frau, die ihren Namen nicht nennen möchte, auf ihr Vorderlicht. Die Lampe hängt auf halb acht, das Rücklicht fehlt ganz. „Das Rad stand nur zwei Tage hier“, sagt die junge Frau. „In der Zeit haben die mir das ganze Rad demoliert.“ Mit zwei Schlössern habe sie ihr Gefährt gesichert. Das billige sei zerschnitten gewesen, „bei dem teueren Schloss hatten die dann wohl keine Lust mehr.“

Umfrage des ADFC zeigt Sorge der Fahrradfahrer in Hattersheim

Laut einer Umfrage des ADFC Main-Taunus sei die größte Sorge der Hattersheimer Fahrradfahrer, dass eskeine sicheren Abstellmöglichkeiten am Bahnhof gibt. Rund 40 Personen habe der Club befragt, sagt Birgit Oertel, Sprecherin des Vereins. Lieber würden viele ihr Rad mit in den Zug nehmen, als es in Hattersheim stehen zu lassen. „Und das, obwohl es in Hattersheim keinen Aufzug gibt und man sein Fahrrad daher tragen muss“, sagt Oertel. Sichere Abstellboxen, wie sie der ADFC fordert, fände auch die junge Frau gut. Sie muss aber weiter. Der Frühling hat begonnen, und da gehöre sie eben auf das Rad.

Einen kleinen Test für Radfahrer über den Straßenverkehr gibt es hier.

von FRIEDRICH REINHARDT

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