Das Archiv-Bild zeigt (von links) Bezirksdekan Heinz-Walter Barthenheier, Domkapitular Wolfgang Rösch und Pfarrer Michael Scheungraber vor einigen Jahren beim Gründungsgottesdienst der Pfarrei Sankt Laurentius in Nentershausen.
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Das Archiv-Bild zeigt (von links) Bezirksdekan Heinz-Walter Barthenheier, Domkapitular Wolfgang Rösch und Pfarrer Michael Scheungraber vor einigen Jahren beim Gründungsgottesdienst der Pfarrei Sankt Laurentius in Nentershausen.

Porträt

Hattersheim: Von der Hoechst AG zum Kirchenamt

Die kleine Pfarrgemeinde in Eddersheim beeinflusste den Lebensweg von Dekan Heinz-Walter Barthenheier

Eddersheim -Pfarrer Heinz-Walter Barthenheier hat in vielen Gemeinden im Bistum Limburg Spuren hinterlassen. Ende der Neunziger Jahre begleitete er das Amt des stellvertretenden Dekans für das Dekanat Königstein, von 2003 bis 2018 war er als Bezirksdekan im Westerwald für 100 000 Katholiken zuständig. Mittlerweile leitet Barthenheier den Pastoralen Raum Montabaur mit rund 12 000 Gläubigen in 17 Pfarreien. Die Wurzeln des Gottesmannes liegen jedoch in Eddersheim. In dem Hattersheimer Stadtteil wuchs er nicht nur auf, sondern fand dort auch seine geistliche Berufung. Am vergangenen Mittwoch feierte Barthenheier seinen 70. Geburtstag.

Ohne die frühen Erfahrungen in Eddersheim hätte Barthenheier heute vielleicht einen anderen Lebensweg eingeschlagen. Seine berufliche Laufbahn begann nämlich - ganz weltlich - als Industriekaufmann. Nach sieben Jahren bei der damaligen Hoechst AG entschloss er sich im Jahr 1976, seinem inneren Ruf zu folgen und ein Studium der Theologie zu beginnen. "Meine Heimatgemeinde in Eddersheim hat mich sehr geprägt", berichtet der Jubilar. Die Pfarrei habe ihm viel Halt gegeben.

Besonders beeindruckt habe ihn die Arbeit der Schwestern vom Orden der Pallottiner, erzählt Heinz-Walter Barthenheier. Die Eddersheimer Ordensschwestern leiteten den konfessionellen Kindergarten und kümmerten sich um ältere sowie kranke Menschen. Er habe immer eine gute Beziehung zu den Pallottinern gehabt, sagt der 70-Jährige, der seine kaufmännische Ausbildung im Limburger Verlag der Gemeinschaft absolvierte. Die Idee, einen geistlichen Weg einzuschlagen, habe es schon in jungen Jahren gegeben, berichtet Barthenheier. Wirklich realisieren konnte er diesen Traum schließlich nach seinem Studium. Nach einer Zeit als Gemeindereferent in Frankfurt-Nied wurde er am 4. Dezember 1982 zum Priester geweiht.

Freundschaften und familiäre Beziehungen verbinden Heinz-Walter Barthenheier weiterhin mit Eddersheim. Unter anderem lebt sein Bruder in dem Hattersheimer Stadtteil. Im vergangenen Jahr habe er außerdem ein Klassentreffen in seinem Geburtsort besucht, erzählt der Seelsorger, der bis zu seinem 25. Lebensjahr am Main lebte. Bis heute ist Heinz-Walter Barthenheier Mitglied im Eddersheimer Kirchenchor - gesungen hat er dort aber schon lange nicht mehr.

Es gibt ein Projekt, das der 70-Jährige als Jugendlicher in Eddersheim gestartet hat und das bis heute zu seinen großen Erfolgen zählt: Der Hilfsverein "Gerechtigkeit den Menschen". Im Jahr 1965 rief Barthenheier den ehrenamtlichen Zusammenschluss ins Leben. Er habe einen Vortrag in der Schule gehört und daraufhin beschlossen, Kinder in benachteiligten Regionen zu unterstützen, erzählt der Pfarrer. Zusammen mit einigen Gleichgesinnten schickte er Spielsachen nach Afrika. Mittlerweile hat das Projekt rund tausend Mitglieder. Jährlich fließen etwa 150 000 Euro in den Bau von Schulen und die Hilfe für Straßenkinder. Der Verein "Gerechtigkeit den Menschen" ist noch immer mit Sitz in Hattersheim gemeldet. Heinz-Walter Barthenheier lenkt die Hilfsleistungen aus seiner Geschäftsstelle in Montabaur.

Die Gemeindearbeit in den Großpfarreien ist eine andere als sie der gebürtige Eddersheimer in seinem Geburtsort kennenlernte. Früher sei alles überschaubarer gewesen, sagt Barthenheier. Heute habe er ein Pastoralteam von neun Personen und beschäftige rund 400 Hauptamtliche, vor allem Erzieherinnen und Erzieher. "Das ist schon ein mittelständischer Betrieb", sagt der Theologe. Die Großpfarrei sei weniger persönlich. Trotzdem gebe es auch in diesen Gebilden kleine Gruppen, in denen die Gemeinschaft gepflegt werde.

Seinen "runden" Geburtstag konnte der vielerorts bekannte und stets bescheiden auftretende Pfarrer aufgrund der Corona-Krise nicht groß feiern. Er habe nur vereinzelte Besucher empfangen, sagt Heinz-Walter Barthenheier. Dafür habe er umso mehr Nachrichten bekommen - darunter auch viele Glückwünsche aus Eddersheim. sas

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