Schwimmmeisterin Silke Schwenn entfernt das Laub auf dem Boden des großen Beckens.
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Schwimmmeisterin Silke Schwenn entfernt das Laub auf dem Boden des großen Beckens.

Freizeiteinrichtung

Hattersheim: Im leeren Becken knirscht es

Im Schwimmbad wird schon fleißig gearbeitet und versucht, sich auf die neue Corona-Saison einzustellen.

Hattersheim -"Schwimmer" steht auf dem Schild, das hoch über dem Becken gespannt ist und Badegäste vor tiefem Wasser warnen soll. Momentan wird es jedoch selbst dem besten Schwimmer schwerfallen, im Hattersheimer Freibad seine Bahnen zu ziehen. Der Grund ist nicht die kühle Witterung. Es fehlt ganz schlicht und einfach das plätschernde Nass.

Vom Beckenrand bietet sich gerade ein ungewohnter Anblick: Statt einer spiegelnden Wasseroberfläche erstreckt sich eine riesige Ebene aus glänzendem Edelstahl. Ohne Inhalt wirkt die metallisch eingefasste Vertiefung viel größer als gewohnt. Das Becken sei rund 1200 Quadratmeter groß und fasse bis zu 2 Millionen Liter Wasser, erklärt Schwimmmeisterin Silke Schwenn. Die Verantwortliche für den Badebetrieb steht am Boden des Beckens - dort, wo ihr das Wasser normalerweise bis über den Kopf stehen würde - und kehrt Laub zusammen.

Der Boden, den man normalerweise nur als Taucher in Augenschein nehmen kann, schwingt und knirscht, während die Schwimmmeisterin darüber läuft. Ursache sei eine Sandschicht unter dem Becken. Der Sand solle einen Puffer zwischen dem Edelstahl und der darunter liegenden Erde bilden, erläutert Silke Schwenn. So werde sichergestellt, dass das Becken keinen Schaden nimmt, wenn sich die Erde ausdehnt. Deshalb bleibt auch außerhalb der Saison Wasser im Becken, um einen Gegendruck zur gefrorenen Erde rundherum zu bilden. Erst vor anderthalb Wochen sei das Becken schrittweise geleert worden, sagt Silke Schwenn. Wände und Boden seien mit einem Hochdruckreiniger abgespritzt worden. Besondere Fundstücke habe sie beim Ablassen des Wassers bisher noch nicht entdeckt. "Wir haben mal einen Frosch gefunden", erinnert sich Schwenn. Sie ist Anfang des Monats ins Freibad zurückgekehrt, um die Vorbereitungen für die kommende Badesaison zu beginnen. Wann das Hattersheimer Freibad wieder öffnet, ist aufgrund der Corona-Krise aber noch ungewiss. Silke Schwenn und ihr Team setzen alles daran, die Freizeiteinrichtung bis zur gewohnten Startzeit Anfang Mai betriebsbereit zu machen. Die Schwimmmeisterin wird von ihrem Kollegen Manouchehr Dehnady und dem Auszubildenden Moritz Göbel unterstützt.

Vandalismus-Schäden werden beseitigt

In den vergangenen Tagen hat das Trio unter anderem die Wasserrutschen gesäubert und Fußwege gereinigt. Ihre momentane Arbeit unterscheidet sich nicht von den Tätigkeiten, die jedes Jahr im Frühjahr anfallen - mit der Eröffnung muss sich das Freibad-Team jedoch auf die zweite ungewöhnliche Saison in Folge einstellen. Aufgrund der anhaltenden Pandemie ist dann vieles anders als in vergangenen Sommern. Die Hygienemaßnahmen aus dem Vorjahr hätten sich bewährt, erklärt Silke Schwenn. Das Freibad soll auch diesmal wieder zu drei getrennten Schwimmzeiten am Tag öffnen. Dazwischen wird gereinigt und desinfiziert. Im Becken darf außerdem nur in vorgeschriebene Richtungen geschwommen werden. "Viele Besucher haben gesagt, dass sie sich das wieder so wünschen", erläutert Silke Schwenn.

Das Freibad war bis ins vergangene Jahr Teil des Eigenbetriebs Stadtwerke und wurde nach dessen Auflösung in den städtischen Haushalt zurückgeführt. Als Verbesserung für die kommende Saison hat die Stadt neue Fahrradständer angeschafft. Außerdem wurde Ersatz für die im Dezember von Vandalen beschädigte Glasscheibe im Eingangsbereich bestellt.

Das Wasser soll im Laufe des Aprils ins Schwimmbecken zurückkehren. Es dauere drei bis vier Tage, das Becken startklar zu machen, erklärt Silke Schwenn. "Wir könnte es auch schneller füllen - aber dann haben die Anwohner keinen Druck mehr auf der Leitung", lacht die Schwimmmeisterin. Das soll den Hattersheimern erspart bleiben. sas

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