Die Booster-Impfung ist dringend angesagt, die Terminvergabe gestaltet sich aber nicht so einfach wie gewünscht. FOTO: dpa
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Die Booster-Impfung ist dringend angesagt, die Terminvergabe gestaltet sich aber nicht so einfach wie gewünscht.

Pandemie

Hattersheim: In der Warteschleife für den Piks

Beate Ulrich-Graf berichtet über Probleme, einen Termin für die dritte Impfung zu bekommen.

Hattersheim -Was heute zum Thema Corona-Pandemie gesagt wird, muss morgen nicht mehr unbedingt gültig sein. Manchmal liegen außerdem die Ankündigungen der Politiker sowie die Realität für die Betroffenen weit auseinander - so zum Beispiel, wenn es um Impftermine geht oder um Impfsorten. Letztere hat der noch amtierende Gesundheitsminister für die Biontech-Impfstoffe ja anscheinend eigenmächtig rationiert. Manch einer ist da allmählich so genervt, dass er seine Erfahrungen mit den fast kafkaesk erscheinenden bürokratischen Hemmnissen mitteilen möchte. Beate Ulrich-Graf ist nach eigenen Angaben genau in diese Lage gekommen, als sie versuchte, sich einen Termin für die Booster-Impfung zu beschaffen.

Die Okriftelerin beschreibt chronologisch die Hürden, die sie dafür bewältigen musste. Am 19. November sei der Brief des Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) und des Sozialministers Kai Klose (Grüne) bei ihr eingetroffen. Deren dringende Bitte an alle Menschen über 70 Jahre lautete: Wir "bitten Sie, Ihren Impfschutz zeitnah auffrischen zu lassen. Wie Sie bestimmt schon gehört haben, nimmt der Schutz, den eine Impfung bietet, mit der Zeit ab." So stand es in dem Schreiben, dass fast alle Haushalte mit Personen über 70 Jahre bekommen haben. Beate Ulrich-Graf meinte dazu lakonisch: "Ja, Herr Ministerpräsident, auf Ihr Schreiben habe ich schon gewartet. Meine zweite Impfung mit Astrazeneca war am 22. Juni, ich habe über die jüngste Studie zur Untersuchung der Wirksamkeit der Impfstoffe gelesen, nach der die Wirksamkeit von Astrazeneca nach vier bis sechs Monaten gegen Null gehe." Die "Ü-70-Frau" erklärt weiter: "Anfang November habe ich mich auf der Warteliste meiner Hausärztin für die Booster-Impfung eintragen lassen und als der Main-Taunus-Kreis letztes Wochenende ein Impfangebot in Hofheim, einmal wöchentlich ab dem 19. November, bekannt gegeben hatte, habe ich mich bereits am Sonntag, 14. November, per E-Mail mit Angabe aller nötigen Daten für den Freitag angemeldet. Doch was folgte dann? Am 17. November habe sie eine Standardnachricht per E-Mail bekommen in der es hießt: "Um Ihnen einen Termin reservieren zu können, benötigen wir folgende Informationen . . .". Die angeforderten Informationen seien vor ihr bereits alle bei der Anmeldung angegeben worden, erläutert Ulrich-Graf. "Ich verschickte eine weitere E-Mail, alle geforderten Angaben übersichtlich aufgereiht", erzählt die politisch bei den Linken engagierte Frau weiter. "Danach habe ich nichts mehr gehört." Um sicher zu gehen, dass sie nichts verpasse, habe sie am 19. November im Hofheimer Impfzentrum vorgesprochen. Dort sei sie abgewiesen worden, da sie ja keinen Termin habe. "Nach Beharren auf ein Arztgespräch, in dem ich auch meine familiären Gründe für die Notwendigkeit der Impfung, nämlich eine mögliche kurzfristig notwendige Betreuung meiner Enkelkinder darlegte, wurde mir mitgeteilt, dass ich hier, entsprechend den Vorgaben der ständigen Impfkommission, erst nach 180 Tagen, also am 19. Dezember geimpft werden könne", erzählt Beate Ulrich-Graf. Vorher habe sie ja den umfassenden Impfschutz, man habe nicht die Kapazitäten für weitere Impfungen und die Weisungen kämen vom Gesundheitsamt, sei ihr gesagt worden. Ich solle auf eine Terminvergabe warten.

Das Bundesgesundheitsministerium habe die Vertragsärzte bekanntlich gebeten, bei den Auffrischungsimpfungen "flexibel vorzugehen". Der Abstand zur letzten Impfung von sechs Monaten sei nur eine "zeitliche Richtschnur, die nicht tagesgenau einzuhalten ist". Und weiter habe es geheißen: "Eine Verkürzung des Impfabstandes auf fünf Monate kann im Einzelfall oder wenn genügend Kapazitäten vorhanden sind, erwogen werden."

Im Gegensatz zu anderen Kreisen und Städten habe der Main-Taunus-Kreis "in seiner Trägheit erst mit viel Verspätung ein öffentliches Impfangebot auf den Weg gebracht", kritisiert die streitbare Dame. Nun vermelde die Internetseite des Main-Taunus Kreises, dass das Angebot in Hofheim ab Montag massiv ausgeweitet werde - auch auf "mobile Termine" in den Kommunen.

Zum Schluss stellt Beate Ulrich-Graf eine rhetorische Frage: "Was kommt die Gesellschaft teurer zu stehen? Impfen - auch vorgezogene Booster-Impfungen, oder Erkrankungen und Impfdurchbrüche mit möglicher Krankenhauseinweisung?" Sie kann es sich nicht verkneifen, zum Schluss ironisch zu werden: "Dank an die Verantwortlichen wenn wir dieses Jahr die Weihnachtszeit auf Ostern - ohne Einschränkungen? - verschieben dürfen." meh

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