1. Startseite
  2. Region
  3. Main-Taunus
  4. Hattersheim

Hattersheim: Inflationsrate lässt Steuereinnahmen sprudeln

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Spätestens an der Supermarkt-Kasse merken Kunden: Vieles ist sehr viel teurer geworden als noch vor einigen Wochen.
Spätestens an der Supermarkt-Kasse merken Kunden: Vieles ist sehr viel teurer geworden als noch vor einigen Wochen. © picture alliance / Armin Weigel/

Kämmerer stellt sich trotz überproportional steigender Einkünfte auf unsichere Situation für 2022 ein.

Hattersheim -Alle sechs Monate muss der Kämmerer einer Stadt die Stadtverordneten über die aktuellen wichtigen Fakten der städtischen Finanzverwaltung informieren. Beim jüngsten Bericht zur Finanzlage der Kommune, der für die letzte Sitzung vor der Sommerpause erstellt wurde, gab es Positives und Negatives zu vermelden. Der Kämmerer der Stadt Hattersheim, Bürgermeister Klaus Schindling (CDU), konnte zwar über ein bisher besser verlaufendes erstes Quartal berichten, warnte aber gleichzeitig vor den Unwägbarkeiten, die durch die Corona-Pandemie, die Inflation, das Kriegsgeschehen in der Ukraine sowie durch die bekannten Probleme mit den Lieferketten entstanden sind und wohl noch weiter anhalten.

Einzigartig wird wohl auf Jahre hinaus eine Angabe im städtischen Finanzbericht bleiben, die die immer noch schwierigen Verhältnisse auf dem Finanzmarkt beleuchtet. So wurden von der Stadtkasse vor Wochen zwei Millionen Euro als Festgeld bei einem großen Versicherungsunternehmen angelegt. Und zwar zu einem Minuszins von 0,02 Prozent. Zu Zeiten der sogenannten Verwahrgelder war dies günstiger, als es bei einem Geldinstitut auf dem Konto zu lassen und dafür höhere Strafzinsen leisten zu müssen. Mit der Leitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) ist dies seit Ende Juli aufgehoben. Doch die Kommune hatte außerdem eine Million Euro angelegt, beim gleichen Versicherungsunternehmen, für diese Summe bekommt die Stadt Hattersheim 0,01 Prozent Zinsen gutgeschrieben. Immerhin bedeutet dieser Mini-Ertrag, dass es nicht mehr mit Minuszinsen bestraft wird, wenn Kommunen ihre Gelder auf Tages- oder Festgeldkonten "parken". Und dies sollte ja auch die Normalität sein, darüber sind sich alle Kämmerer einig. Denn bislang war es anders, erinnerte Kämmerer Klaus Schindling noch vor einigen Wochen (vor der EZB-Leitzinserhöhung) in seinem Bericht: "Aufgrund der vorhandenen Liquidität werden außerordentliche Erträge so spät als möglich realisiert, damit hierfür keine Strafzinsen gezahlt werden müssen." Beide Anlageverträge mit dem Versicherungsunternehmen sind übrigens kurzfristig kündbar, teilte der Kämmerer in dem Bericht zudem mit. Doch es gibt weitere erfreuliche Nachrichten, wenn es nur um die allgemeine Finanzlage der Stadt Hattersheim geht. Aufgrund der guten Ergebnisse der Stadtwerke in Vorjahren - mit den Betriebszweigen Wasserversorgung, Nahwärme- und Stromversorgung sowie Hafenanlage - müssen nun zwar entsprechend höhere Vorauszahlungen an Körperschafts- und Gewerbeertragssteuern entrichtet werden. Doch die Verbesserungen auf der Ausgabenseite ergeben sich durch später als geplante Kreditaufnahmen sowie ein geringeres Zinsniveau als kalkuliert. "Weiterhin verringern sich durch die Anpassung der Zinssätze für Gewerbesteuer-Erstattungszinsen die Auszahlungen an die Steuerpflichtigen für Rückzahlungen aus den Vorjahren", erläuterte der Kämmerer. Mit diesen Veränderungen verbessere sich das ordentliche Ergebnis um rund 2,56 Millionen Euro und weise damit einen Überschuss von rund 270 000 Euro aus.

"Ungeachtet der enormen Unsicherheiten" wegen des Ukraine-Krieges, der gefährdeten Rohstoffversorgung und der gestörten Lieferketten komme die aktuelle Steuerschätzung zu überraschend hohen Mehreinnahmen gegenüber der letzten Schätzung im November 2021. "Dies liegt einerseits daran, dass bei der letzten Steuerschätzung die Stärke der wirtschaftlichen Erholung im vierten Quartal 2021 deutlich unterschätzt wurde, wodurch das Ist-Ergebnis 2021 und damit die Schätzbasis der jetzigen Steuerschätzung über dem damaligen Schätzergebnis liegt. Andererseits führt die stark gestiegene Inflationsrate zu überproportional steigenden Steuereinnahmen, so lange keine schwerwiegenden realwirtschaftlichen Entwicklungen eintreten", erklärte Bürgermeister Schindling.

Damit könne die Steuerschätzung vom Mai 2022 auf den ersten Blick den falschen Eindruck vermitteln, dass sich die Haushaltssituation der Städte und Gemeinden gegenüber bisherigen Erwartungen verbessert habe. "Jedoch sind die Prognosen für die nahe und mittlere Entwicklung der kommunalen Finanzen in Hessen aufgrund verschiedener Sachverhalte unsicher wie kaum zuvor", warnt der Kämmerer vor zu viel Optimismus. meh

Auch interessant

Kommentare