Dr. Gerd Zimmermann hält die Kommunikation zwischen Hausärzten und Impfzentrum für verbesserungswürdig. Archiv-Foto: nietner
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Dr. Gerd Zimmermann hält die Kommunikation zwischen Hausärzten und Impfzentrum für verbesserungswürdig. Archiv-Foto: nietner

Pandemie

Hattersheim: Lob und Tadel

Ein Hausarzt erklärt, woran die Zusammenarbeit mit dem Impfzentrum oft hakt.

Hattersheim -Eigentlich hat sich in der Zwischenzeit alles eingespielt: Das Impfzentrum auf dem Kastengrund-Areal fertigt täglich mehr als tausend Personen ab, die ihre Impfungen erhalten. Die Hausärzte im Main-Taunus-Kreis können seit einigen Wochen ebenfalls Impfungen vornehmen, allerdings mit nur einer weitaus geringeren Anzahl an Impfdosen. Die Impfkampagne ist also in Schwung gekommen. Bis Ende Mai könnten 100 000 Menschen aus dem Main-Taunus-Kreis geimpft sein, teilte das Landratsamt zum Wochenende mit.

Es gibt allerdings zwei Themenbereiche, die von den Impfwilligen durch die in den vergangenen Wochen schnell veränderten Meldungen eher als Verunsicherung empfunden wurden. Zum einen geht es um die Nachteile des Impfstoffes Astrazeneca, zum anderen um die künftigen Erleichterungen für geimpfte Personen. Das Gesundheitsamt des Main-Taunus-Kreises wird nun Nachweise ausstellen. Die vom Bund beschlossene Verordnung sieht nun unter anderem vor, dass Genesene in bestimmten Bereichen in den Genuss von Erleichterungen kommen. So müssen sie beispielsweise beim Friseur keinen negativen Schnelltest mehr vorzeigen. Dazu brauchen sie einen Genesenennachweis (siehe dazu Bericht auf Seite 7).

Aber es ist nicht alles Gold, was glänzt. So sind einige Hausärzte nicht zufrieden mit der Kommunikation zwischen Impfzentrum und ihren Praxen. Einer von ihnen ist Dr. Gerd Zimmermann aus Hofheim. Der seit über 40 Jahren praktizierende Mediziner wurde selbst im Zentrum am Kastengrund geimpft und attestiert dem dortigen Betrieb, dass er sehr gut organisiert ist: "Das läuft da hervorragend ab." Dies würde schon deutlich auf dem Parkplatz, an dem Mitarbeiter auf ihren Listen nach den Namen der Autofahrer suchten. Das gleiche Spiel wiederhole sich dann am Eingang zum Impfzentrum. Gehbehinderte sowie ältere Menschen würden bei ihren Wegen im Impfzentrum sehr aufmerksam unterstützt.

Dies alles funktioniere eben mit Hilfe einer akribischen Bürokratie. Weniger einverstanden ist Dr. Gerd Zimmermann allerdings mit Situationen, bei denen Patienten im Impfzentrum um Informationen bitten und mit dem dortigen Personal über Impfstoffe diskutieren. Dann werde schnell auf die Hausärzte verwiesen.

Die direkte Folge davon: Die Impfwilligen nehmen telefonisch Kontakt zur Arztpraxis auf und binden so erhebliche Zeiteinheiten. Und dies, obwohl in der Praxis des Hofheimer Arztes zum Beispiel nur donnerstags "Impftag" ist. Denn die Zahl der Impfdosen pendelt wöchentlich zwischen rund zwei Dutzend - also jeweils zwölf - und rund 36 Dosen. Dies sind derzeit viel zu wenig, um die Warteliste schnell abzuarbeiten. Derzeit stünden noch über 160 Namen auf der Liste für die Impfungen, erläutert Dr. Zimmermann. So gering die Zahl an Impfdosen derzeit für Hausärzte auch ist: Der bürokratische Aufwand für die Impfungen ist laut Dr. Gerd Zimmermann sehr groß.

Zurück zu den Anrufern wegen der Impfungen und den Folgen: Der erhöhte Informationsaufwand für ihn und seine Arzthelferinnen wäre in vielen Fällen nicht notwendig, wenn Impfwillige schon im Impfzentrum am Kastengrund ausführlich auch über die Erleichterungen für Geimpfte informiert würden, meint Gerd Zimmermann. Am besten sei es aber, wenn den Hausärzten mehr Impfstoffe zur Verfügung stünden. "Die Hausärzte kennen ihre Patienten genau und können deshalb sehr gut einschätzen, welcher Impfstoff für sie am besten ist", sagt der erfahrene Mediziner, der selbst viele Jahre Spitzenfunktionär bei der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) war. Bisher sei an die Arztpraxen überwiegend Astrazeneca ausgeliefert worden. In einem Fall in Hofheim sei es nach dem überraschenden Tod eines Kollegen dazu gekommen, dass die in dessen Praxis deponierten Impfdosen an alle örtlichen Ärzte aufgeteilt worden seien.

Von Dr. Gerd Zimmermann gibt es aber beileibe nicht nur Tadel, sondern auch Lob. "Die Verteilung des Impfstoffs über die Apotheken funktioniert sehr gut." Er arbeite mit einer Apotheke zusammen, die das alles perfekt im Griff habe. Die Hausärzte müssen ihren Bedarf an Impfstoffen bei den Apotheken zu einem bestimmten Stichtag jeweils einige Tage im Voraus anmelden. meh

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