Ein Zeitzeuge, wenn es um die Entwicklung von Hattersheim geht, ist Dietrich Muth.
+
Ein Zeitzeuge, wenn es um die Entwicklung von Hattersheim geht, ist Dietrich Muth.

Jubiläum

Hattersheim: "Man wollte nicht nach Frankfurt"

Der Kommunalpolitiker Dietrich Muth blickt auf Jahrzehnte der Stadtentwicklung zurück.

Hattersheim -Dietrich Muth kam im Jahr 1951 nach Hattersheim. Der heutige Vorsitzende der FDP-Fraktion zog mit seiner Familie von Frankfurt-Höchst in die einstige Rosenstadt. Die Jahre, die zur Stadterhebung im September 1970 führten, hat der Liberale genauso miterlebt wie das rauschende Fest nach der Verleihung der Urkunde.

"1951 war Hattersheim noch ein verträumtes Örtchen", erzählt Muth. Dem Neubürger aus dem Frankfurter Vorort ist der dörfliche Charakter in Erinnerung geblieben. Hattersheim habe aber schon ab 1949 langsam seinen Aufschwung genommen. Die Veränderung vom "Örtchen" zur künftigen Stadt sei unter anderem in der Baupolitik zur Entwicklung der Siedlung südlich der Bahnlinie deutlich geworden. Auch der Ausbau als Gewerbestandort habe zum Wachstum der Gemeinde beigetragen, betont der 82-Jährige: "Die Menschen mussten nicht nur wohnen, sondern auch arbeiten."

Auf dem Weg zur Stadterhebung habe das Gewerbe eine wichtige Rolle gespielt, erklärt Muth, der ein Jahr nach der Stadterhebung mit zehn Mitstreitern den Ortsverband der FDP gründete. Damals habe es drei große Unternehmen in der Region gegeben: die Hoechst AG, Opel in Rüsselsheim und Sarotti in Hattersheim. "Hattersheim hat stark von der Sarotti gelebt", so Dietrich Muth. Er selbst kennt den Schokoladenhersteller aus persönlichen beruflichen Beziehungen. Der Liberale arbeitete als kaufmännischer Angestellter im Sarotti-Vertrieb. Vor ihm war bereits sein Vater bei Sarotti beschäftigt. Muth erinnert daran, dass das Unternehmen auf anderen Ebenen zur Entwicklung der Infrastruktur beitrug: So habe Sarotti beispielsweise die Entwicklung des Freibads finanziell unterstützt und den Bau des ersten Fußball-Rasenplatzes des Main-Taunus-Kreises in Hattersheim gefördert. Weitere wichtige Arbeitgeber seien die Glasfabrik sowie die Rhein-Main-Wellpappe gewesen.

Dietrich Muth erinnert sich, dass es in Politik und Bevölkerung eine Abneigung gegen eine mögliche Eingemeindung nach Frankfurt oder Wiesbaden gegeben habe. "Man wollte nicht unbedingt nach Frankfurt", erzählt der Hattersheimer. Andere Stadtteile und Vororte, die damals vernachlässigt wurden, hätten als abschreckende Beispiele gedient. So sei Höchst etwa schon 1926 nach Frankfurt eingemeindet worden, die versprochene Straßenbahnanbindung sei jedoch erst Jahrzehnte später gebaut worden. Dass die Bedürfnisse der Hattersheimer als Teil einer Großstadt ebenfalls zu kurz kommen, war eine Sorge. "Man hatte Angst, hinten runter zu fallen", sagt der FDP-Mann.

Im Jahr 1970 war es dann schließlich so weit: Auf dem Platz, an dem die Stadthalle steht, erhob sich ein großes Festzelt, in dem vier Tage lang gefeiert wurde. Dietrich Muth war jeden Tag dabei. "Ich war noch jung", lacht der 82-Jährige, der sich an die akademische Feier, Frühschoppen und einen Unterhaltungsabend mit Künstlern erinnert. Nachdem das Zelt wieder abgebaut war, nahm die neue Stadt den Bau ihrer Stadthalle am Festplatz im Karl-Eckel-Weg in Angriff. Der Bau einer Stadthalle sei eng mit der Stadterhebung verbunden gewesen, weiß Muth.

Hat Hattersheim von der Stadterhebung profitiert? Dietrich Muth beantwortet diese Frage eindeutig mit "Ja". Eine selbstständige Stadt zu sein, anstelle eines Stadtteils in einer Großstadt, habe große Vorteile, meint der Liberale. Die Politik orientiere sich an dem, was vor Ort notwendig ist. Ohne die Stadterhebung hätte Hattersheim sich nicht in der Form entwickelt, wie dies bis heute geschehen ist, glaubt der Hattersheimer. sas

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare