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Hattersheim: Manche müssen ihr Haus vermessen

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Von jedem Immobilienbesitzer wird bis Oktober eine Grundsteuererklärung verlangt. FOTO : dpa
Von jedem Immobilienbesitzer wird bis Oktober eine Grundsteuererklärung verlangt. FOTO : dpa © picture alliance/dpa/dpa-Zentral

Ein Steuerberater erklärt, welche Probleme die Grundsteuerreform mit sich bringt

Hattersheim -Für Städte ist die Grundsteuer eine der wichtigsten Einnahmequellen. Ihre Einwohner interessieren sich für die Steuer vor allem dann, wenn die Kommune den Hebesatz verändert und dadurch höhere oder niedrigere Zahlungen festlegt. In den kommenden vier Monaten steht die Abgabe jedoch für Haus- und Wohnungseigentümer im ganzen Bundesgebiet im Mittelpunkt. Die für 2025 geplante Steuerreform fordert von jedem Immobilien- und Landbesitzer eine Grundsteuererklärung. Das Hattersheimer Steuerbüro "Ludger Hilgefort und Kollegen" hat sich auf den Ansturm vorbereitet. "Es wird ein Kraftakt", erwartet Waldemar Wackergut, der das Büro als einer von drei Geschäftsführern leitet.

Aufträge werden nun abgearbeitet

Anfang dieses Monats hat der Zeitraum zur Abgabe der Grundsteuererklärung begonnen - am 31. Oktober endet die Frist. Auf Grundlage der eingegangenen Daten errechnen die Finanzämter dann neue Grundsteuermesszahlen, die sie an die Kommunen weiterleiten. Welcher Arbeitsaufwand schon im ersten Schritt auf die Steuerberater zukommt, kann Waldemar Wackergut nur erahnen. Der Fachmann rechnet mit über 36 Millionen betroffenen Grundstücken in ganz Deutschland. Allerdings biete nicht jeder seiner Kollegen Unterstützung bei der Grundsteuererklärung an. Der Experte glaubt, dass viele Grundstückseigentümer die Reform und die damit verbundene Steuererklärung noch nicht auf dem Schirm haben. Diesen Eindruck habe er im privaten Umfeld gewonnen, sagt Waldemar Wackergut. Das Steuerbüro Hilgefort habe alle seine Mandanten bereits vor einiger Zeit angeschrieben und beginne nun damit, die Aufträge abzuarbeiten. Der Geschäftsführer geht davon aus, dass mehr als 80 Prozent der Kunden von der Neuregelung betroffen sind. Wer einen Steuerberater habe, der habe im Normalfall auch eine Immobilie, so Wackergut. Die Mitarbeiter hätten im Vorfeld Fachseminare besucht, um sich auf die Abwicklung der neuen Steuererklärung vorzubereiten. Technisch habe sich der Betrieb mit einer neuen Software auf die Herausforderung eingestellt. "Außerdem haben wir uns Verstärkung geholt", berichtet Waldemar Wackergut. Nach dem Ruhestand des Kollegen Horst Lutter habe "Ludger Hilgefort und Kollegen" dessen Kanzlei im selben Gebäude samt Mitarbeitern übernommen. Mit Blick auf die Grundsteuerreform sei die breitere Aufstellung eine willkommene Verstärkung. Zurück zur Grundsteuer: Grundstückeigentümer könnten durch die benötigten Informationen vor Probleme gestellt werden - schon allein deswegen, weil die Grundlagen der Steuerreform in einzelnen Bundesländern abweichen. So greife etwa in Hessen das Flächen-Faktor-Modell, erklärt Geschäftsführer Wackergut. Für die Steuererklärung werde bei diesem Ansatz eine genaue Angabe der Grund- und Nutzfläche benötigt. Vor allem auf Menschen mit älteren Häusern sieht der Hattersheimer Steuerberater hier Schwierigkeiten zukommen. Wenn Aufzeichnungen verloren sind oder nie existierten, weil die Vorbesitzer ihr Haus selbst gebaut haben, bedeute dies, dass die Eigentümer ihr gesamtes Gebäude vermessen müssen. Dabei hilft leider auch kein Steuerberater. "Wir können ja nicht bei jedem mit dem Zollstock rumlaufen", sagt Wackergut, der noch eine weitere Hürde sieht. Der Steuerberater befürchte, dass nicht alle Grundstückseigentümer ihre Flächen im Blick haben. Wer irgendwann mal eine kleine Ackerfläche geerbt habe, könnte diese bei der Steuererklärung vergessen und müsste dann nach Ablauf der Frist eine Verspätungszulage zahlen.

Er sei gespannt, ob die Abgabe bis zum 31. Oktober bestehen bleibt oder ob die Frist verlängert wird, sagt der Experte. Dadurch, dass sein Büro die Auftragserteilung früh eingeholt habe, sehe er bisher keinen Zeitdruck. "Das wird für uns kein Problem sein", blickt Waldemar Wackergut optimistisch auf die kommenden Wochen. Ein Kraftakt bleibe die Aufgabe dennoch. sas

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