Sie halten das Bad zwischen den getrennten Öffnungszeiten blitzeblank sauber:
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Sie halten das Bad zwischen den getrennten Öffnungszeiten blitzeblank sauber:

Freibad

Hattersheim: Manchmal ist wegen Corona noch etwas Ebbe

Die ersten Öffnungstage waren dennoch ein voller Erfolg, wie die Schwimmmeisterin erklärt.

Hattersheim -Moritz Göbel kennt das Freibad am Schwarzbach seit seiner Kindheit. Im Alter von sechs Jahren habe er dort Schwimmen gelernt, erzählt der Hattersheimer, dessen gesamte Familie sich für die Freizeitanlage begeistert. Bei Arbeitseinsätzen des Fördervereins halfen die Göbels gerne mit. Die Liebe zum kühlen Nass ging so weit, dass der 18-Jährige beschloss, das Hobby zum Beruf zu machen. Im August startete er seine Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe. Dass sich die vertrauten Abläufe wenige Monate später durch eine weltweite Pandemie verändern würden, ahnte er damals nicht.

Moritz Göbel ist der vierte Auszubildende, der im Hattersheimer Freibad Fachwissen sammelt. Seine Ausbildungszeit unterscheidet sich dennoch von allen anderen, die vor ihm kamen. "Es ist nicht ganz einfach", erklärt der 18-Jährige. Normalerweise gehöre es zur Ausbildung, Schwimmkurse zu geben. Dies sei bisher wegen Corona aber nicht möglich gewesen. Aufgrund der Abstands- und Hygieneregeln fanden in der vergangenen Saison keine Schwimmkurse mehr statt. "Wir haben es zum Teil theoretisch durchgenommen", berichtet der "Azubi" im zweiten Lehrjahr. Auch der Kundenkontakt und die Interaktion mit Badegästen fehle momentan. Dafür kommen die Themen Reinigung und Desinfektion zwangsläufig nicht zu kurz. Zwischen den drei Zeitfenstern, in denen das Freibad öffnet, kümmerte sich der 18-Jährige gestern unter anderem um die Reinigung der Durchgangsbecken rund um den Schwimm-Bereich. Das Freibad startete an Fronleichnam in die diesjährige Saison - rund einen Monat später als in früheren Jahren. Die Folgen der Pandemie hätten aber auch ihr Gutes, sagt Moritz Göbel. Beispielsweise sei der technische Hintergrund des Badebetriebes ein wichtiger Themenschwerpunkt der Ausbildung. "Dafür bleibt jetzt mehr Zeit."

Die Wiedereröffnung des Freibads war aus Sicht von Schwimmmeisterin Silke Schwenn ein voller Erfolg. Die Ausbilderin von Moritz Göbel zählte an Fronleichnam 847 Badegäste. Teilweise seien hundert Personen im Becken gewesen. "Von null auf hundert - das ist schon viel", meint Schwenn. Am folgenden Freitag nutzten 581 Personen das Angebot des Freibads. Neben dem schönen Wetter führt die Schwimmmeisterin den guten Zuspruch auch darauf zurück, dass Schwimmbäder in Frankfurter und Wiesbaden in der vergangenen Woche noch geschlossen waren. "Wir hatten viele Gäste, die zum ersten Mal da waren", erklärt Silke Schwenn. "Die Leute freuen sich sehr und schwimmen mit einem Lächeln."

Gestern Mittag herrschte hingegen Ebbe an der Schwimmbadkasse. Als das Schwimmbad nach einer Reinigungspause um 14.30 Uhr wieder öffnete, blieb das Becken für einige Zeit leer. "Dass zehn Minuten nach der Öffnung keine Schwimmer da sind, ist ungewöhnlich", stellte Azubi Moritz Göbel fest. Die dunklen Wolken gestern Vormittag und das schlechte Wetter der vergangenen Tage dürften dazu beigetragen haben. Silke Schwenn hat erfahren, dass mancher Badegast immer noch Sorge wegen der Pandemie hat. "Ich kenne Leute, die noch bis nach der zweiten Impfung abwarten wollen", erzählt die Schwimmmeisterin. Aus ihrer Sicht seien diese Bedenken jedoch unbegründet. "Wir haben hier viel Platz", sagt Silke Schwenn. Um direkte Begegnungen im Wasser zu vermeiden, gelte wieder die im Vorjahr bewährte Richtungsvorgabe. Badegäste schwimmen im Kreisverkehr. Außerdem sollen große Menschenmengen durch die drei getrennten Öffnungszeiten mit festen Besuchergrenzen vermieden werden. In den beiden Zeitfenstern am Vormittag sind jeweils 300 Personen erlaubt, am Nachmittag 800 Personen.

Schwimmkurse für Kinder sollen in dieser Saison stattfinden. Interessierte können sich unter der Rufnummer (0 61 90) 89 15 30 direkt im Freibad anmelden. Das dürfte auch Moritz Göbel freuen, der sich weiter auf seine Ausbildung konzentrieren will. "Die drei Jahre Ausbildungszeit werden nicht verlängert", weiß der 18-Jährige. Er bereue es aber überhaupt nicht, dass sein beruflicher Start in die Zeit der Corona-Pandemie gefallen ist. "Es macht trotzdem Riesenspaß."

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