Immer wieder gibt es bei den Subunternehmen der Paketdienste schwarze Schafe, die entweder die Pakete nicht korrekt ausliefern oder die Inhalte unterschlagen. In einem Fall, der nun vor Gericht verhandelt wurde, war beides der Fall.
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Immer wieder gibt es bei den Subunternehmen der Paketdienste schwarze Schafe, die entweder die Pakete nicht korrekt ausliefern oder die Inhalte unterschlagen. In einem Fall, der nun vor Gericht verhandelt wurde, war beides der Fall.

Kriminalität

Deutsche Post: Sub-Subunternehmer behält Pakete für sich - "Mir war einfach alles zu viel"

Ein Sub-Subunternehmer lieferte Dutzende Pakete nicht aus. Ihm sei „alles zu viel“ gewesen. In der Gerichtsverhandlung äußert sich auch die Deutsche Post.

Hattersheim/Kriftel/Flörsheim – Die Anklage ist ungewöhnlich lang; insgesamt 31 Pakete nämlich soll der Paketzusteller zwischen dem 18. März und 2. Mai 2019 nicht zugestellt, sondern stattdessen bei sich zu Hause gehortet und teilweise ausgepackt haben.

Jedes einzelne Paket verliest die Amtsanwältin, mit Empfänger, Warenwert und Inhalt. Angefangen von einer Kiste Wein, Hosen, Sportschuhen, einem Gartenzwerg, T-Shirts und Mänteln, bis hin zur Matratzenauflage für eine Kindertagesstätte. Betroffen sind Adressaten in Hattersheim, Kriftel und Flörsheim. Wegen Unterschlagung und Urkundenfälschung musste sich der 37 Jahre alte Wiesbadener vor dem Höchster Amtsgericht verantworten.

Hattersheim (Main-Taunus-Kreis): Täter begründet nicht ausgelieferte Pakete mit privaten Problemen

"Was soll ich sagen?", äußert sich der gebürtige Rumäne, dessen Aussagen von einer Dolmetscherin übersetzt werden. "Es war damals wegen der Scheidung." Acht Jahre lang habe er ohne Probleme als selbstständiger Subunternehmer Pakete ausgeliefert. Aber an dem einen Tag sei alles aus dem Ruder gelaufen. Eheprobleme, die krebskranke Mutter in Rumänien, dazu war ihm kurz vorher der Führerschein entzogen worden.

Deutsche Post: Modell von Sub-Subunternehmern gebe es nicht mehr

Ab da versucht er seinen Job mit Hilfe von Freunden nachzukommen, die das Fahren übernehmen. An dem Tattag sei dann noch der Helfer abgesprungen. "Normalerweise sollen wir die Pakete, die wir nicht ausliefern, abends zur Station bringen", sagt er. Viele Kollegen lagerten die Pakete aber bis zur Auslieferung am nächsten Tag zu Hause. Auch er habe sie an jenem Tag ins Haus getragen. Der 37-Jährige gibt auch zu, dass er die Pakete einfach gescannt habe und dazu die Unterschrift einer Kundin gescannt hatte, die die Pakete angeblich angenommen hat. Die Dame ist als Zeugin geladen, muss aber nicht gehört werden, weil der Angeklagte die Urkundenfälschung gesteht.

Warum er die Pakete nicht noch abgegeben habe, fragt der Richter. "Mir war einfach alles zu viel." Zudem sei ihm ja gekündigt worden und habe Regress bezahlt, sagt der Angeklagte. Man habe ihm das Entgelt von zwei Monaten einbehalten. Er sei ja Subunternehmer eines Subunternehmers gewesen, erklärt sein Verteidiger. Ein Modell, dass es inzwischen nicht mehr gebe, sagt der Sicherheitsmitarbeiter der Deutschen Post, der den Fall in Zusammenarbeit mit der Polizei aufgedeckt hatte. Bei einer Durchsuchung hatten die Beamten den Inhalt der Pakete in der ganzen Wohnung aufgefunden. Damenmäntel hängen im Kleiderschrank, auch in Bad und Küche ist einiges in Gebrauch. Andere Pakete liegen dagegen noch verpackt im Keller.

Gehortete Pakete von DHL und Co: Täter bekommt Geldstrafe

Der Richter schlägt vor, die Anklage von 31 auf 25 Fälle zu reduzieren, da der Tatbestand nicht überall klar sei. Zugunsten des Angeklagten wertet die Amtsanwältin in ihrem Plädoyer, dass er geständig sei und - außer eines Fahrens ohne Fahrerlaubnis - keine Vorstrafen habe. Für die Pakete mit geringem oder mittlerem Wert fordert sie Geldstrafen, für die drei Pakete mit einem Warenwert über 1000 Euro je sechs Monaten Freiheitstrafe. Aus alledem errechnet sie eine 16-monatige Freiheitsstrafe, die zur Bewährung auszusetzen sei. Der Verteidiger plädiert dafür, die Freiheitsstrafe bei sechs Monaten zu belassen. Man müsse berücksichtigen, dass es sich um eine Kurzschlussreaktion gehandelt habe.

Der Richter belässt es sogar bei einer Geldstrafe. Er habe die Einzelstrafen anders angesetzt, erklärt er. Für die unterschlagenen Pakete mit einem Warenwert über 1000 Euro komme noch eine Geldstrafe von je 150 Tagessätzen infrage. So verurteilt er den Angeklagten wegen veruntreuender Unterschlagung in Tateinheit mit Urkundenfälschung zu einer Gesamtgeldstrafe von 350 Tagessätzen à 35 Euro. 4000 Euro werden zur Begleichung der Verbindlichkeiten einbehalten. Der 37-Jährige arbeitet inzwischen Vollzeit in einem Supermarkt. "Wenn ich die Zeit zurückstellen könnte, würde ich das nicht mehr machen", hatte er in seinem letzten Satz vor Gericht gesagt. (juwi)

Auch die Briefzustellung der Deutschen Post in Hattersheim (Main-Taunus-Kreis) sorgt für Ärger.

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