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Hattersheim: „Mit Gendersternchen ist es nicht getan“

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Immer engagiert: FU-Vorsitzende Ursula Worms (3. v. li.), hier neben der ehemaligen Ersten Stadträtin Karin Schnick bei einem Bürgerwerkstatt-Treffen, arbeitet seit Jahrzehnten auch für die Frauen-Union.
Immer engagiert: FU-Vorsitzende Ursula Worms (3. v. li.), hier neben der ehemaligen Ersten Stadträtin Karin Schnick bei einem Bürgerwerkstatt-Treffen, arbeitet seit Jahrzehnten auch für die Frauen-Union. ArchivFOTO: knapp © Knapp

Vorsitzende der Frauen Union (FU) sieht beim Thema Gleichberechtigung manches erreicht und manches noch erstrebenswert.

Hattersheim -Kaum eine gesellschaftliche Veränderung in den vergangenen Jahrzehnten hat so viel Wirkung gehabt wie die gesetzliche Gleichstellung von Frauen. Dies betrifft alle Lebensbereiche, angefangen von der Möglichkeit einer freien Berufswahl bis hin zur Quotenregelungen in Behörden, Unternehmen und Parteien. Die Schlagwörter „Kinder, Kirche, Küche“ mit denen die Situation der Frauen vor allem in den fünfziger und sechziger Jahren beschrieben wurden, sollte sarkastisch die einstige Sicht auf die Frauenrolle deutlich machen. In der Zwischenzeit ist dies Geschichte. Dazu beigetragen hat sicherlich mit großem Engagement ein klitzekleines Stück die Frauen Union (FU) in Hattersheim, die vor 40 Jahren gegründet wurde. Grund genug also, dass die FU-Vorsitzenden Ursula Worms ihre Ansichten zur Frauenpolitik erklärt.

Mit einer Frauenquote sei noch nicht alles gelöst, meint Worms. So beispielsweise, wenn es um den Alltag von Familien geht. Für Ursula Worms steht fest: „Trotz aller Fortschritte bleibt die Hauptlast bei den Frauen, die die Familienarbeit und die Hausarbeit leisten und ihren Beruf haben.“ Für umso wichtiger hält es die Frauen Union-Vorsitzende, dass das Tagesmütter-Modell mehr Beachtung und Unterstützung bekommt. Das Tagesmütter-Modell müsse noch mehr ausgebaut werden. Denn die Mobilität der Menschen die heutzutage normal sei, trenne oft gleichzeitig die Familienstrukturen. Wo es früher in großen Familien üblich war, dass Personen aus der Verwandtschaft bei der Abwesenheit der Mutter vorübergehend die Kinder hüteten, so sei es heute in vielen Fällen schwierig wegen der großen Entfernungen von Familienangehörigen, eine praktikable Lösung zur Kinderbetreuung zu finden. Die Probleme, die viele Frauen beim Spagat zwischen Familienleben und ihrem Beruf zu bewältigen haben, hat sie am eigenen Leib erlebt. Ihre Mutter, so erzählt Ursula Worms, sei eine alleinerziehende und berufstätige Frau gewesen. So sei sie in den ersten Lebensjahren von einer Tagesmutter betreut worden, später als Schülerin sei sie dann ein „Schlüsselkind“ gewesen. Aus diesem Grund könne sie gut nachempfinden, was es bedeutet, Kinder vernünftig betreuen zu lassen. Um das Thema Betreuung geht es auch, wenn von Erfolgen und beharrlichen Nachfragen zugunsten von Kindern aufs Tapet kommen. Die Frauen Union habe sich in Hattersheim besonders eingesetzt für die Betreuung in den Kindertagesstätten. Auch Spenden seien für die Ausstattung von Kitas gesammelt worden, bis das gesetzlich nicht mehr erlaubt war - eine bürokratische Regelung, die Ursula Worms gelinde formuliert für völlig blödsinnig hält.

Wie sieht sie ihre eigene Rolle als politisch engagierte Frau? „Ich habe gehofft, ich bin ein Vorbild“, sagt Ursula Worms wenn es darum geht, warum sich nicht gerade viele Frauen um ein kommunalpolitisches Amt reißen. Man müsse die Sitzungstermine viel familienfreundlicher legen, zum Beispiel auf die Nachmittage meint die FU-Chefin. Dies sei familienfreundlicher. Dass der Frauen Union die Themen ausgehen, glaubt sie nicht: Vor allem Dingen sieht sie in den kommenden Jahren noch eine weitere Problematik für Frauen, wenn es immer mehr fehlende Pflegekräfte für hilfsbedürftige ältere Menschen zu verzeichnen sind. Die Hattersheimer FU-Vorsitzende spricht sich für pragmatische Realisierungen und nicht für demonstrative Handlungen aus. „Es ist nicht getan mit Gender-Sternchen Frauenpolitik zu machen“, meint sie. Durchaus positiv sieht sie die nun gültige Frauenquote bei der Bundes-CDU, deren Einführung allerdings bei der eigenen Partei umstritten war. Umstritten deshalb weil die Quote nicht gleichzeitig die fähigsten Frauen in bestimmte Positionen und Ämter hieven wird, sagen die Kritikerinnen und Kritiker. Ursula Worms führt aber ein Beispiel an, das genau das Gegenteil bezeugt: Die Meinung einer Parteifreundin, die diese Quotenregelung immer abgelehnt habe, sei in der Zwischenzeit zu einer Zustimmung für die Quote geworden. Und zwar deshalb, weil ihre Parteifreunde wie selbst auch zu der Überzeugung gelangt ist, dass ohne eine Quote die Frauen nicht auf den quantitativen Stand kommen, „den wir Frauen haben müssten“. Deshalb bedürfe es schon einer Quote. In ihrer eigenen Berufskarriere hatte sie wegen einer Teilzeitarbeit als Lehrerin nicht die Aussicht auf Beförderungen. Eigentlich ist sie damit für ihre Familienarbeit als Mutter von zwei Töchtern benachteiligt worden. Von Vorgesetzten sei ihr damals gesagt worden, dass dies nicht bei einer teilzeitarbeitenden Lehrerin möglich sei. Ursula Worms hält dies nach wie vor für falsch.

Doch was erhofft sich die Pädagogin, die CDU-Stadtverordnete war sowie seit über 20 Jahren in der Kreispolitik eine Rolle spielt und sich weiterhin im Kreisausschuss für die CDU engagiert? „Ich arbeite daran, dass die Frauen Union sich verjüngt“, sagt die „Ü60-Frau“ , die seit 1986 der CDU angehört und einige Jahre vorher der Frauen Union beigetreten war. Dass die Frauen Union als Anhängsel der CDU bis heute nicht eigene Beiträge einziehen darf, ist wohl ziemlich anachronistisch. Dies werde von der FU auch künftig nicht ohne Widerspruch hingenommen. Denn während die Junge Union und andere Vereinigungen der CDU ihre eigenen Mitgliedsbeiträge erheben können, bleibe dies den Frauen verwehrt. meh

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