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Hattersheim: Mit Zylinder zur Grundsteinlegung

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Dr. Siegfried Bloch, Philipp Offenheimer und Okriftels Bürgermeister Peter Milch (v. l.) feierten die Grundsteinlegung für das Spritzenhaus im Jahr 1928. FOTOs: Kröner/Archiv Geschichtsfreunde Okriftel
Dr. Siegfried Bloch, Philipp Offenheimer und Okriftels Bürgermeister Peter Milch (v. l.) feierten die Grundsteinlegung für das Spritzenhaus im Jahr 1928. FOTOs: Kröner/Archiv Geschichtsfreunde Okriftel © Kröner/G O

Viele Geschichten über die einstige Zellulose-Fabrik werden für die Nachwelt erhalten.

Okriftel -Das Phrix-Gelände im Stadtteil Okriftel ist eine Dauerbaustelle. Mal wieder, könnte man sagen. Denn das momentane Vorhaben der Prinz von Preußen AG, die ehemalige Zellulose-Fabrik in ein Wohnquartier umzuwandeln, ist nicht das erste große Bauprojekt auf der früheren Industriefläche. Dies belegte eine Ausstellung der Geschichtsfreunde Okriftel, die während der Kerb in der Neugasse 22 zu sehen war. Bilder und Berichte zeigten, wie die Fabrik seit ihrer Gründung am Ende des 19. Jahrhunderts immer wieder baulich erweitert wurde. Nach der Genehmigung des Bauantrags im Jahr 1885 begann das Unternehmen mit zwei Kochern und einer Zellulosemaschine. In den Kochern erhitzten die Arbeiter zerkleinertes Holz zusammen mit Wasser und schwefeliger Lauge. Dieser zwölfstündige Prozess ermöglichte es, das Holz von unerwünschten Stoffen wie beispielsweise Teer zu befreien. Der so entstandene Holzbrei kam zur Weiterverarbeitung in die Zellulose-Maschine. In der Ausstellung war aber auch zu lesen, dass die unerwünschte Ablauge anfangs in den Main geleitet worden sei, wo sie ein Fischsterben auslöste.

Nach dem Einstieg des Industriellen Philipp Offenheimer wurden die Produktionsanlagen stetig ausgebaut. Ein Schreiben vom 5. August 1886 dokumentiert den Wechsel an der Unternehmensspitze. Im Briefkopf ist der Name der ursprünglichen Besitzer „Gumperts & Krebs“ auffällig mit „Offenheimer & Krebs“ überklebt. Offenheimer wurde in den Folgejahren zum alleinigen Eigentümer. 1887 produzierte die Okrifteler Fabrik bereits 600 Tonnen Zellulose im Jahr. Die Spuren, die der Zellstoff auf dem Material hinterließ, war in der Ausstellung eindrucksvoll auf einem alten Werkstelefon zu erkennen. Eine graue Schicht bedeckt den schwarzen Hörer.

1888 ließ Philipp Offenheimer die Kocherkapazitäten vergrößern. Es war nicht das letzte Mal, dass die Ausstattung der Phrix wuchs. Ein Bericht der „Geschichtsfreunde“ fasste die Ankunft eines neuen Kochers im Jahr 1910 zusammen. Fotos zeigten, wie der riesige Ofen von Arbeitern durch die Straßen transportiert wurde. Bei seiner Ankunft sei der Kocher an einem Schiff auf dem Main festgemacht gewesen.

Einige Jahre später investierte Offenheimer in die Werksfeuerwehr. Eine Aufnahme aus dem Jahr 1928 belegt die Grundsteinlegung für das Spritzenhaus in der Langgasse. Erneut wuchs die Fabrik. Um die Erlöse zu steigern, setzte der Eigentümer der Zellulosefabrik im 20. Jahrhundert außerdem auf die direkte Verarbeitung des Zellstoffs auf dem Werksgelände. Die Produktion wurde um eine ständig wachsende Papierfabrik erweitert. Aus ganz Deutschland seien in den Jahren 1951 und 1952 Experten angeworben worden, um neue Gebäudeteile wie den Säure-Turm, die Kocherei und eine weitere Zellstoffmaschine zu errichten. Um dem erhöhten Energiebedarf gerecht zu werden, folgte von 1963 bis 1965 der Bau eines neuen Kraftwerks. Zu dieser Zeit verfügte die Phrix über drei Papiermaschinen, die es ermöglichten 6000 bis 7000 Tonnen Papier im Jahr zu produzieren. Nur kurze Zeit später kam jedoch das Ende des Okrifteler Industriestandortes. Nachdem der Vorstand die „geplante, geordnete Stilllegung“ beschlossen hatte, wurde der Betrieb am Montag, 1. November 1970, weitgehend eingestellt. Über den Fabrikgebäuden wehte eine schwarze Fahne.

Neben historischen Bildern und Berichte zeigten die „Geschichtsfreunde“ viele Ausstellungsobjekte wie alte Werksausweise und Postkarten. Das größte Fundstück, dass der Verein vor der momentanen Neuordnung des Geländes gerettet hat, ist eine Tragkraftspritze TS8/8 der Werksfeuerwehr. Der Okrifteler Bernd Caspari hat das Feuerwehr-Gerät aus dem Jahr 1961 restauriert. „Wir wollen das alles für die Nachwelt sichern“, erklärte Vereinsmitglied und Erster Stadtrat Karl Heinz Spengler. Die Geschichte der Phrix wird Teil der Ausstellungen im künftigen Stadtmuseum auf dem Sarotti-Gelände sein. sas

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