Seit vielen Jahren engagiert sich Dietrich Muth ehrenamtlich für die evangelische Kirchengemeinde sowie als Stadtverordneter.
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Seit vielen Jahren engagiert sich Dietrich Muth ehrenamtlich für die evangelische Kirchengemeinde sowie als Stadtverordneter.

Politik

Hattersheim: Muth zum Zapfenstreich

Ehrenamtler äußert sich zur Theologen-Kritik an einem Bundeswehr-Ritual.

Hattersheim -Mit Musik und lodernden Fackeln fand der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr am Mittwoch sein feierliches Ende vor dem Berliner Reichstag. Neben Dank und Anerkennung schlugen die Vertreter der Politik auch nachdenkliche Töne an. Die Machtergreifung der radikalislamischen Taliban und die chaotische Evakuierung afghanischer Ortskräfte gaben Anlass zur Selbstkritik. Noch deutlichere Kritik äußerten bereits im Vorfeld Vertreter der evangelischen Kirche, die dazu aufriefen, nicht am Zapfenstreich teilzunehmen. Ein prominenter Hattersheimer Protestant erklärt, was er davon hält.

Doch zunächst zum Hintergrund: Wie in den vergangenen Tagen bekanntwurde, hatten sich neun Theologen mit einem Brief an die Evangelische Kirche Deutschlands (EKD) gewandt. Sie riefen dazu auf, sich nicht an der Zeremonie vor dem Reichstag in der Bundeshauptstadt Berlin zu beteiligen. Statt beim Zapfenstreich mitzuwirken, solle die Kirche die Afghanistan-Rückkehrer mit seelsorglichen und gottesdienstlichen Angeboten begleiten. Die Geistlichen kritisierten, dass der Zapfenstreich mit dem dazugehörigen Gebet eine religiöse Überhöhung von Krieg darstelle. Angesichts der zurückgelassenen Ortskräfte sei die Veranstaltung zynisch.

Dietrich Muth, Vorsitzender der Stiftung "hattersheim evangelisch", teilt diese Kritik nicht. Das ehemalige Mitglied des Kirchenvorstandes sieht keinen Widerspruch darin, dass Vertreter der Kirche den Zapfenstreich vor dem Reichstagsgebäude unterstützten. Mit der Zeremonie solle den Angehörigen der Bundeswehr Dankbarkeit für 20 Jahre Afghanistan-Einsatz ausgedrückt werden, sagt Muth, der einen vielschichtigen Blick auf das Thema hat. Der Protestant ist nicht nur für die Kirche aktiv, sondern engagiert sich auch politisch als FDP-Vertreter in der Hattersheimer Stadtverordnetenversammlung sowie im Kreisausschuss.

Wenn die Theologen keinen Zapfenstreich wollen, dann müssten sie dafür sorgen, "dass wir in einer friedlicheren Welt leben", meint Muth. Die Kirche sollte zur Kenntnis nehmen, wie die Welt tatsächlich ist - und dazu gehöre manchmal auch die Notwendigkeit von Auslandseinsätzen. Auch wenn der Afghanistan-Einsatz letztlich schiefgegangen sei, müsse man doch den Willen der Beteiligten anerkennen, den Menschen dort zu helfen, betont der Vorsitzende der evangelischen Stiftung. Die Frage, warum der Einsatz gescheitert ist, sei nun das Thema der Politik, nicht der Bundeswehr. "Die haben nur einen Auftrag ausgeführt", so Dietrich Muth.

"Kirche kann sich zu den Themen äußern"

Obwohl er den Boykottaufruf nicht nachvollziehen kann, räumt der Hattersheimer den neun Theologen das Recht ein, ihre Bedenken auszudrücken. Kirche dürfe sich natürlich zu solchen Themen äußern, meint Muth. Er gehe allerdings davon aus, dass es sich bei den im Brief vertretenen Stimmen um eine Minderheit handele. Aber: "Auch Minderheiten muss man akzeptieren", betonte der Protestant.

Die von Dietrich Muth geleitete Stiftung "hattersheim evangelisch" unterstützt die Gemeindearbeit der evangelischen Christen in Hattersheim. Das Stiftungskapital, das auf zahlreiche Spenden zurückgeht, machte in der Vergangenheit bereits verschiedene Projekte und Angebote möglich - darunter ein Geburtstagscafé für Senioren ab 70 Jahren. Die Stiftung griff der Gemeinde auch bei Reparaturen an der evangelischen Kindertagesstätte Sonnenschein finanziell unter die Arme.

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