In der Frankfurter Straße ist es selten so ruhig wie auf dem Foto. Die Straße soll künftig aufgewertet werden. Archiv-FOTO: Nietner
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In der Frankfurter Straße ist es selten so ruhig wie auf dem Foto. Die Straße soll künftig aufgewertet werden. Archiv-FOTO: Nietner

Wirtschaft

Hattersheim: Neustart zur Belebung der Innenstadt

Mit Hilfe eines Förderprogramms des Landes Hessen sollen vier "Konzept-Säulen" realisiert werden.

Hattersheim -Bürgermeister Klaus Schindling (CDU) warb im Haupt- und Finanzausschuss (HFA) für einen "neuen Anlauf". Die Rede war von einer Belebung der Hattersheimer Innenstadt, die in der Vergangenheit oft geplant, jedoch nie weit voran getrieben wurde. Jetzt bietet das Landesprogramm "Zukunft Innenstadt" eine erneute Chance. Hattersheim hat sich erfolgreich für das Projekt des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen beworben. Der HFA stellte sich einstimmig hinter die Maßnahmen, die das Förderprogramm ermöglichen soll.

Erster Versuch vor einigen Jahren wurde abgebrochen

Bereits vor rund zehn Jahren standen die Zeichen auf Hoffnung. Die Frankfurter Straße - die früher die angesagte Einkaufstraße war - sollte wieder aufblühen. Mit diesem Ziel öffnete 2010 das Quartiersbüro "Akzente" als Anlaufstelle für Geschäftsleute und Anwohner. Auch damals standen Fördermittel bereit: Das Programm "Aktive Kernbereiche" bildete den Hintergrunde für die vielfältigen Ideen zur Stadtentwicklung. Erste Ergebnisse zeigte die Aktion "Grau raus - bunt rein" im Frühjahr 2011, bei der Teilnehmer Blumenkübel entlang der Frankfurter Straße bepflanzten. Weitere Ideen wie die Einführung einer Einbahnstraßenregelung oder die Umwandlung zu einer Fußgängerzone mit Außengastronomie wurden diskutiert. So weit kam es jedoch nie. Schon im Jahr 2012 stand die weitere Teilnahme an dem Förderprogramm in Frage, da die Stadt strenge Auflagen zur Haushaltskonsolidierung erfüllen musste. Zum 31. März 2013 kündigte die damalige Schutzschirm-Kommune den Mietvertrag für das Quartiersbüro. Die Innenstadt-Belebung musste warten.

"Digitaler Zwilling" simuliert Planungen

Nun steht Hattersheim finanziell deutlich besser da und wagt den erneuten Anlauf. Am 25. Juni hat die Stadt ihre Interessenbekundung für "Zukunft Innenstadt" eingereicht. Am 15. September wurde die Förderung bestätigt. Damit kann die Kommune künftig auf 250 000 Euro an Fördermitteln zugreifen. Der verbleibende städtische Eigenanteil beläuft sich auf 45 000 Euro. Bedingung für den Zugriff auf die Fördergelder ist ein Beschluss der Stadtverordneten, der festlegt, dass eine Strategie zur Belebung der Hattersheimer Innenstadt erarbeitet wird und die dazu geeigneten Projekte voran getrieben werden.

Welche Projekte vorgesehen sind, hat die Stadt bereits in ihrer Interessenbekundung geschildert. Dabei gehen die Wirtschaftsförderer von vier Säulen aus: Für Aufmerksamkeit in der Bevölkerung soll ein Festival mit dem Titel "Hattersheim geht (R)aus" sorgen. Die Planer stellen sich Zauberei, Comedy und Musik an verschiedenen Punkten in der Innenstadt vor. Die Wünsche der Hattersheimer sollen darüber hinaus in Form einer digitalen Bürgerbeteiligung erhoben werden. Außerdem hat sich die Verwaltung auf die Fahnen geschrieben, Leerstände in der Innenstadt aufzuheben. Die Einrichtung eines Co-Working Space sowie ein digitales Jugendhaus als Online-Treffpunkt werden als Schlagworte genannt. Schließlich soll ein Konzept für die mittel- bis langfristige Zukunft der Innenstadt entstehen. Die Stadt zielt auf einen dauerhaften Beteiligungsprozess ab, in dessen Verlauf ein virtuelles Abbild der Innenstadt erstellt werden soll - ein sogenannter "digitaler Zwilling". Die digitale Ebene soll es ermöglichen, Planungen und Entscheidungen zu simulieren.

"Die Frankfurter Straße wird vermutlich keine Einkaufsmeile mehr werden", räumte Bürgermeister Schindling im Ausschuss ein. Er sehe den Schwerpunkt eher bei der Gastronomie. Ziel des kommenden Prozesses sei es, das zu stärken, was die Geschäftsleute anbieten. SPD-Fraktionschef Marek Meyer sprach sich dafür aus, den Wandel aktiv zu begleiten. Seine Fraktion begrüße das Programm. Für die Koalition aus CDU, FWG und FDP lobte der FDP-Fraktionsvorsitzende Dietrich Muth die Pläne als "vernünftiges Konzept". Die Maßnahmen seien realisierbar. Alle Ausschuss-Mitglieder stimmten zu. sas

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