CCM-Vorsitzender Frank Enders (re.) freute sich über die Auszeichnung der Gründungsmitglieder (v. l.) Inge Baumann, Anita Tannenberger und Günter Tannenberger. Steffen Schmidt von der Interessengemeinschaft Mittelrheinischer Karneval (2. v. l.) nahm die Ehrungen vor.
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CCM-Vorsitzender Frank Enders (re.) freute sich über die Auszeichnung der Gründungsmitglieder (v. l.) Inge Baumann, Anita Tannenberger und Günter Tannenberger. Steffen Schmidt von der Interessengemeinschaft Mittelrheinischer Karneval (2. v. l.) nahm die Ehrungen vor.

Vereinshistorie

Hattersheim: "Ohne euch würden wir heute nicht hier stehen"

Carneval Club Mainperle zeichnet bei einer Freiluft-Veranstaltung seine Gründungsmitglieder aus.

Okriftel -"Ich glaube, das war überfällig", betonte Frank Enders. Der Vorsitzende des Carneval Clubs Mainperle (CCM) konnte erstmals seit langer Zeit wieder in die Gesichter vieler Okrifteler Fassenachter blicken. Büttenredner, Tänzerinnen und Elferratsmitglieder trafen sich am Samstag am gleichen Ort. Denn der CCM hatte unter - darauf legte der Club vor allem Wert - Hygieneauflagen zum Aktiven-Treffen auf sein Vereinsgelände eingeladen. Es war die erste große Versammlung seit über einem Jahr.

Ein Orden wurde posthum verliehen

Trotz niedriger Inzidenzen überließen die Fassenachter beim Thema Corona nichts dem Zufall. Der Vorstand hatte das Zusammentreffen auf der CCM-Ranch unter freiem Himmel organisiert. Wer durch das Holzgatter am Eingang schritt, musste zunächst an einer Kontrollstation nachweisen, dass er genesen, vollständig geimpft oder negativ getestet war. Für die anschließende Unterschrift lagen zahlreiche Kugelschreiber bereit, die direkt nach einmaliger Nutzung zur Reinigung entsorgt wurden.

Viel Aufwand für einen gemeinsamen Samstagabend - ein Aufwand, der es den Verantwortlichen jedoch wert war. Schließlich ging es um die Zukunft der Okrifteler Fastnacht. Enders bezeichnete die Veranstaltung als "ein Treffen derjenigen, die den Verein am Leben halten". Wenn niemand gekommen wäre, hätte er gewusst, dass der Verein tot ist, sagte der Vorsitzende dem Kreisblatt. Dies war aber nicht der Fall.

Neben Gegenwart und Zukunft stand die Vergangenheit im Zentrum der lange ersehnten Zusammenkunft. Bevor die heutigen Aktiven die närrische Arbeit weiterführten, bedurfte es derjenigen, die dem CCM Leben einhauchten - den Gründern. "Ohne euch würden wir heute nicht hier stehen", rief Frank Enders den drei verbliebenen Gründungsmitgliedern zu. Inge Baumann sowie die Eheleute Günter und Anita Tannenberger konnten am Samstag eine hohe Auszeichnung entgegennehmen: Steffen Schmidt, Bezirksvorsitzender der Interessengemeinschaft Mittelrheinischer Karneval, war eigens angereist, um den Okriftelern den Goldenen Verdienstorden des Bundes Deutscher Karneval zu überreichen. Die Ehrungen sollten ursprünglich schon im vergangenen Jahr abgehalten werden, als der CCM sein 60-jähriges Bestehen feierte. Trotz aller Freude über die Auszeichnung der Gründungsmitglieder schwang am Wochenende ein trauriger Unterton mit. Auf der Liste der zu ehrenden Person standen nämlich vier Namen. Siegfried Walter, Ehrensenator, langjähriger Schatzmeister und Mitbegründer des Männer-Balletts, war zu Beginn dieses Jahres verstorben. Der Orden wurde ihm nun posthum verliehen und seiner Schwester Inge Baumann überreicht.

Der CCM entwickelte sich 1960 aus der Fastnachtsbegeisterung der katholischen Jugend. Als Pfarrjugendführer hatte Günter Tannenberger die Zügel in der Hand und lud 1961 zur ersten Sitzung im Saal des Gasthauses "Zur Krone" ein. Damals waren die närrischen Ideen nicht unumstritten: Der Pfarrer habe von der Kanzel gegen die jungen Fassenachter gewettert, berichtete Günter Tannenberger, der 40 Jahre lang als Sitzungspräsident durchs Programm führte. Die Fassenachter überstanden die anfängliche Kritik und organisierten sich ab 1976 als eingetragener Verein.

Damen-Ballett tanzte ab 1962

Anita Tannenberger erinnert sich an die vielen Veranstaltungsorte, die der CCM nutzte, bevor er im Haus der Vereine seine heutige Heimat fand. Sitzungen gingen im katholischen Jugendheim, der Radfahrerhalle und einmal sogar in der Stadthalle über die Bühne. Anita Tannenberger tanzte übrigens damals im ersten Damen-Ballett, das 1962 von Inge Baumann ins Leben gerufen wurde. "Später hätten wir eine ganze Sitzung nur mit Balletts machen können", lacht Inge Baumann, die das Ballett 30 Jahre lang trainierte. 1965 gründete sie auch das Männer-Ballett.

Frank Enders hofft, dass die heutigen Aktiven so enthusiastisch bleiben wie die Gründer. Der Vorsitzende wertete das Treffen am Wochenende als Startschuss nach langer Pause. "Das ist für uns die Möglichkeit zu sagen: Es geht wieder los", so Enders. Er wisse nicht, ob es 2022 eine Kampagne gibt. Die Begegnungen könnten aber ein Anstoß sein, mit dem Training zu beginnen. "Was früher für jeden normal war, muss erst langsam wieder aufgebaut werden", meinte er. sas

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