Im Alltag kann vieles per Mobiltelefon geregelt werden. Ältere Menschen tun sich damit aber oft schwer. Für sie ist die Nutzung nicht selbstverständlich.
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Im Alltag kann vieles per Mobiltelefon geregelt werden. Ältere Menschen tun sich damit aber oft schwer. Für sie ist die Nutzung nicht selbstverständlich.

Pandemie

Hattersheim: Ohne Mobiltelefon geht (fast) nichts

Die durch Corona-Tests möglichen Erleichterungen im Alltag sind für manche Senioren nur schwer zu realisieren. Dazu kämpfen manche Ältere gegen das Alleinsein.

Hattersheim -Die Corona-Krise hat nicht nur die Zusammenkünfte von Familien und Freundeskreisen, von Glaubensgemeinschaften, Vereinen und Institutionen erschwert oder zeitweilig sehr eingeschränkt. Die Einschränkungen wegen der Pandemie hat vor allem sehr viele ältere Menschen getroffen. Besonders schwierig ist diese zeit für alleinstehende Seniorinnen und Senioren, die nicht auf die Hilfe ihrer Kinder oder Enkel rechnen können. Dies wirkt sich dann besonders beim Filtrieren derjenigen Informationen aus, die für ältere Menschen wichtig sind. Bekanntlich gibt es ständig neue Nachrichten, wenn es um die Corona-Pandemie geht. Täglich wird über Lockerungen, über Tests, über Apps und über vorerst bleibende Beschränkungen und Erleichterungen, über Impftermine und Impfstoffe berichtet. Dies überfordert schon manche Jüngere. Doch wie soll diese Informationsflut von Senioren kanalisiert werden? Für einige ältere Menschen ist das ein nicht so großes Problem. Sie lassen sich beraten von Bekannten oder Freunden. Für andere, die diese sozialen Kontakte bereits vor der Krise nur sehr eingeschränkt hatten, aber schon. Beispiel dafür sind die Frage nach dem richtigen Mobiltelefon oder nach der Verfahrensweise bei Testungen, die zum Besuch von Gastronomie-Betrieben vorgeschrieben sind. Es geht also um Situationen im Alltag, die durch die Corona-Krise ausgelöst wurden.

Senioren haben oft Uralt-Geräte

Zum allmählich wiederkehrenden Alltag gehört der Besuch einer Straußwirtschaft oder eines Gutsausschanks. Für einen älteren Kreisblatt-Leser ist dies aber eine schwierige Option. Denn ohne ein modernes Smartphone ist es umständlich, die "Zulassung" für den Besuch einer Straußwirtschaft zum bekommen. Bekanntlich wird ab Freitag eine Test-Walk-Station des Unternehmens Preventim mitten im Weindorf Wicker aufgebaut sein. Ein internetfähiges Mobiltelefon ist Voraussetzung für den Erhalt des Testergebnisses. Oder die Erfassung der Daten erfolgt manuell, das Ergebnis wird aber online an die entsprechende Adresse des Probanden an dessen heimischen Computer oder Laptop gesendet. Einfacher geht es mit einem modernen Smartphone. Mittels einer App wird das Testergebnis innerhalb einer kurzen Zeitspanne dahin sichtbar übermittelt. Ist diese Prozedur für manche Senioren schon kompliziert genug, lässt sich das alles mit Hilfe von Mitarbeitern oder hilfreichen bekannten oder Nachbarn bewältigen.

Doch bräuchten viele Senioren für eine entsprechende Einweisung den Kontakt zu einer Person, die zum Beispiel geduldig die auftauchende Fragen zur Nutzung eines Mobiltelefons beantworten kann. "Denn nichts ist peinlicher, als sich in einem Mehrfamilienhaus für und bei solchen an- und durchzufragen", meinte dazu ein Rentner (76), der seit dem Tod seiner Lebensgefährtin zurückgezogen lebt und der den Bericht über den Test-Walk-In in Wicker gelesen hat. Im Hattersheimer Impfzentrum bekam er die erste Impfung mit Astrazeneca, die zweite soll aber erst im Juli folgen. Solange wollte er mit dem Besuch einer Straußwirtschaft eigentlich nicht warten, schließlich ist Zeit kostbar. Vor allem auch deshalb, weil für den 76-Jährigen die Straußwirtschaften in Wicker "auch eine soziale Aufgabe" erfüllen. Denn dort würden sich zunehmend auch ältere Gäste treffen. So könne man dann unter Gleichaltrigen nette Gespräche führen.

Einsamkeit wird "überbrückt"

Wenn der Besuch von gastronomischen Betrieben auch davon ablenke, dass man einsam sei, so könnten Alleinstehende in diesen Zeiten der Pandemie wenigstens ein Stück Lebensqualität wieder genießen. Die Einsamkeit könne dann etwas "überbrückt" werden, meint der 76-Jährige.

Doch vorher gelte es noch offene Fragen zu klären. Zum Beispiel, ob die Testungen kostenlos sind. Und wie das bewerkstelligt werden soll, wenn man das Testergebnis nur zu Hause ausdrucken lassen kann. Zwar gebe es viele einsame Momente, gesteht der 76-Jährige. Doch er wolle nicht wegen dieser Fragen die Nachbarn in Beschlag nehmen. Deshalb sehnt der Senior den zweiten Impftermin herbei. meh

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