Peter Pilz (re.) ist einer der Architekten des CDU/FWG/FDP-Mehrheitsbündnisses. So freute er sich im Jahr 2016 mit (v. li.) Michael Minnert (CDU), Karl Heinz Spengler (FWG), Dietrich Muth (FDP), Klaus Schindling (CDU) und Willi Torka (damals FWG) über die Bildung der Koalition.
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Peter Pilz (re.) ist einer der Architekten des CDU/FWG/FDP-Mehrheitsbündnisses. So freute er sich im Jahr 2016 mit (v. li.) Michael Minnert (CDU), Karl Heinz Spengler (FWG), Dietrich Muth (FDP), Klaus Schindling (CDU) und Willi Torka (damals FWG) über die Bildung der Koalition.

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Hattersheim: Peter Pilz zieht es auf die Insel

Warum der Ex-FDP-Stadtverordnete seinen Lebensmittelpunkt nach Edinburgh verlegt.

Hattersheim -Er ist Immobilienfachwirt, arbeitet für Unternehmen auf dem internationalen Kapitalmarkt, ist FDP-Mitglied und überzeugter Verfechter von Demokratie und Marktwirtschaft. Manche seiner politischen Gegner halten ihn für einen unnachgiebigen Hardliner, manche Weggefährten für einen harten Pragmatiker, der effizient arbeitet. Sein Name: Peter Pilz. Der Hattersheimer ist seit seinem Rückzug aus der Stadtverordnetenversammlung sowie aus dem Führungsgremium der Freidemokraten in der Öffentlichkeit fast schon in Vergessenheit geraten. Dabei gilt als einer der Architekten des Mehrheitsbündnisses von CDU FWG, und FDP, dass im Jahr 2016 nach der Kommunalwahl geschmiedet wurde und bisher reibungslos zusammenarbeitet.

Ein internes Zerwürfnis

Peter Pilz war ob seiner deutlichen Äußerungen und Formulierungen nicht bei allen Fraktionen beliebt. Im Gegenteil. Sogar einige Freidemokraten hatten intern ihre Probleme damit, sich mit den immer auf den Punkt gebrachten Diskussionsbeiträgen von Peter Pilz zu arrangieren. Vor allem, wenn sie scharf formuliert waren. Der Immobilien-Fachmann ist kein Kind von Traurigkeit, wenn es um politische Auseinandersetzungen geht. Dann sagt er frank und frei, was er denkt. Dabei war und ist ihm stets wichtig, dass die Sachargumente im Vordergrund stehen. Parteiintern kam es vor allem zum Zerwürfnis mit Karin Fredebold. Die frühere FDP-Bürgermeisterkandidatin und ein weiteres FDP-Vorstandsmitglied mochten sich mit Peter Pilz einfach nicht arrangieren und opponierten gegen ihn. Da prallten im FDP-Lager zwei Welten aufeinander: Auf der einen Seite die hochsensible Liberale, auf der anderen Seite der im ICE-Tempo kombinierende Freidemokrat, der schonungslos die Schwachstellen aufzeigt. Es kam zum Bruch. Fredebold zog den Kürzeren und sich aus der Kommunalpolitik zurück. Doch das ist alles fast schon längst vergessen. Nun verlässt der 56-Jährige in der kommenden Woche Hattersheim in Richtung Schottland. Und er hat die FDP verlassen und ist ausgetreten. Peter Pilz zieht auf die Insel zu Zeiten eines Boris Johnson, der als englischer Premier umstritten ist, und des genau so umstrittenen Brexit. Dies alles schreckt den ehemaligen FDP-Mandatsträger überhaupt nicht: "Wir haben entschieden, etwas Neues zu machen. Wir haben überlegt: Wann, wenn nicht jetzt?", stellt der Noch-Hattersheimer eine rhetorische Frage, die sich mit den gepackten Umzugskartons schon selbst beantwortet hat. Peter Pilz siedelt in das Vereinigte Königreich aber nicht deswegen über, weil er sich wie der deutsche Ruhrpott-Poet Herbert Grönemeyer zurückziehen möchte. Sondern, weil er dem Wunsch seiner Frau Cordelia (54) nachkommt, die es wieder in ihre Heimat nach Schottland zieht. In England leben außerdem die beiden Söhne des Ehepaars, 14 und 18 Jahre alt, die dort ein Internat besuchen. Der älteste Sohn wird nun ein Studium beginnen. Die Corona-Krise hatte die regelmäßigen Besuche der Söhne derart erschwert, dass es eine logische Entscheidung war, nach Schottland zu ziehen, um künftig unkompliziert mit der Familie zusammen sein zu können.

Angesprochen auf das keineswegs immer so tolle Wetter in England, meint der Immobilien-Experte: "Ich finde es angenehmer bei Plus 25 Grad Celsius in Schottland zu arbeiten als bei drückenden 40 Grad in Deutschland." Die Arbeit wird er nach Schottland mitnehmen: "Ich kann in meinem Beruf von überall aus arbeiten, meine Frau ebenfalls", erläutert Peter Pilz.

Wird er die Politik vermissen? Wahrscheinlich nicht, meint Peter Pilz. Aber er vermisse die klaren Konturen, die früher die FDP gehabt hat. Ganz klar ist aber seine Kritik an der deutschen Abgaben- und Steuerpolitik. Die treibe auf Dauer noch mehr die Gutverdiener ins Ausland. Als Beispiel führt Peter Pilz den Berliner Mietspiegel an, der dort bei den Kapitalanlegern für Verärgerung und für große Ablehnung gesorgt hätten. Der Immobilien-Fachmann ist sich sicher über die Folgen: "Es wird künftig noch mehr Geld in England angelegt werden."

Steuererklärung fast auf dem Bierdeckel

In England sei zudem das Abgeben einer Steuererklärung bedeutend einfacher als in der Bundesrepublik. "Da kann man fast auf einem größeren Bierdeckel die Steuerformalitäten erledigen", sagte Peter Pilz. So viel Effizienz gefällt natürlich dem ehemaligen FDP-Mann.

Ohne Wehmut verlässt Peter Pilz seine bisherige Heimat. In Schottland hat das Ehepaar Pilz ein Haus aus dem 19. Jahrhundert erworben. Da ist mit dem Einzug genug zu tun. Der 56-Jährige freut sich auf das neue Leben auf der Insel. Zumal die Schotten beim Essen seit einigen Jahren im Vergleich zu anderen Ländern aufgeholt hätten. Kulinarisch vermisse er in seiner neuen Heimat Edinburgh mit Sicherheit nichts, versichert Peter Pilz. Niklaus mehrfeld

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