Gretel Stein ist genervt. Sowohl neben der Garage wie auch am Hausdach wachsen die Bäume vom Nachbargrundstück bis in die Regenrinne hinein.
+
Gretel Stein ist genervt. Sowohl neben der Garage wie auch am Hausdach wachsen die Bäume vom Nachbargrundstück bis in die Regenrinne hinein.

Nachbarschaftsrecht

Nachbarn streiten seit zehn Jahren – Grund ist ein Holunderbusch

  • VonSascha Kröner
    schließen

Andauernder Streit zwischen Nachbarn wegen Bäumen in Hattersheim: Schon vor zehn Jahren hatte eine Okriftelerin wegen einer fast gleichen Angelegenheit das Kreisblatt informiert.

Hattersheim – Wenn Grundstücksgrenzen zur Frontlinie von Nachbarschaftsstreitigkeiten werden, sind oft jahrelange Auseinandersetzungen programmiert. Das Einzige, was hilft, ist die Einsicht, da sich die Widersacher aufgrund der räumlichen Nähe anders kaum aus dem Weg gehen können.

Im Okrifteler Amselweg ist das Pflanzenwachstum entlang einer Grenzmauer Anlass für anhaltenden Ärger. Genau zehn Jahre sind vergangen, seit sich Gretel Stein wegen des Konflikts an das Kreisblatt wandte. In Gerichtsverhandlungen und Berufungsverfahren haben ihre Nachbarn seither recht bekommen. Mit der Situation am Übergang zum Nachbargrundstück ist die 82-Jährige aber bis heute unzufrieden. Nachdem ihre Regenrinne vor einigen Tagen überlief, machte sie sich erneut Luft.

Grund für Streit zwischen Nachbarn in Hattersheim ist Holunderbusch

Der Stein - oder vielmehr - Baum des Anstoßes ist ein Holunderbusch. Die Äste ragten vom Nachbargrundstück über einen Weg und den Wäschetrockenplatz neben dem Haus von Gretel Stein. Die Seniorin ärgerte sich vor allem darüber, dass die blauen Beeren im Spätsommer auf die Freifläche fielen und ihren Außenbereich verschmutzten. Die Nachbarn hätten die Verantwortung von sich gewiesen und erklärt, dass sie den Baum nicht gepflanzt haben, berichtet die Okriftelerin.

Im Jahr 2003 kam es zu einer ersten Eskalation, als Gretel Stein den Holunderbusch stutzte. Die Nachbarn warfen ihr vor, sie habe den Busch eigenmächtig zurückgeschnitten und beschädigt. Etwa sieben Jahre später erreichte die Auseinandersetzung eine neue Stufe: Gretel Stein zog vor Gericht. Auf Nachfrage des Kreisblatts erklärte die Nachbarin damals, sie hätte Gretel Stein erlaubt, die Zweige abzuschneiden. Als diese vor Gericht zog, verhärteten sich jedoch die Positionen: Die Nachbarn zogen die Schnitterlaubnis zurück und wiesen darauf hin, dass die Fundamente von Gretel Steins Garage sieben Zentimeter in ihr Grundstück hineinreichen. Der Putz und die Alu-Abdeckung der Garage würden auf dem Nachbargrundstück liegen.

Streit zwischen Nachbarn in Hattersheim: Vergleichsvorschlag wurde abgelehnt

Im Jahr 2011 ließ Gretel Stein ihren Wäschetrockenplatz überdachen. Einem Vergleichsvorschlag des Gerichts, der die Kürzung des Garagenfundamentes und die Kostenaufteilung für das Schneiden des Baumes beinhaltete, stimmte sie nicht zu. Die Urteilsverkündung im Jahr 2012 verlief nicht zu ihren Gunsten: Da im Verhältnis zum Gesamtgrundstück nur eine geringe Fläche betroffen sei, sah die zuständige Richterin keine unzumutbare Beeinträchtigung. "Da kommt mir die Galle hoch, wenn ich höre, wie das verniedlicht wird", ärgert sich Gretel Stein noch heute. Das Fehlen einer Einigung hat dazu geführt, dass Bäume an der Grundstücksgrenze mittlerweile bis an das Haus heranwachsen.

Jetzt sorgt sich Gretel Stein nicht um die Holunderbeeren, sondern um einen Ahorn. Aufgrund der Blätter des Baumes, der in ihr Grundstück hineinragt, seien die Regenrinnen an ihrer Überdachung und an der Garage mit Unkraut verstopft, klagt die Rentnerin. Bei den jüngsten starken Regenfällen sei ihr ein Wasserfall entgegengekommen, weil die Ablaufrinne dicht war.

Streit zwischen Nachbarn in Hattersheim: Riss in Fassade

Zusätzlichen Unmut bereitet Gretel Stein ein Riss, den sie in der Fassade ihrer Garage entdeckt hat. "Jetzt noch ein Bauschaden - das wäre das Schlimmste", sagt die Okriftelerin, die befürchtet, dass das Mauerwerk aufgrund der unmittelbaren Nähe des Ahornbaums Schaden nimmt. Trotz ihres Alters halte sie immer noch den Garten sauber und reinige auch alle drei bis vier Wochen die Regenrinnen, betont die 82-Jährige. Sie wisse, wo ihre Grenze ist, und bis auf den vom Streit betroffenen Grenzabschnitt würden sich auch alle anderen Nachbarn an die Grundstücksgrenzen halten und ihre Bäume zurückschneiden. "Das gehört sich auch so", betont Gretel Stein. (sas)

Das Verhältnis zwischen Nachbarn ist nicht selten angespannt, was schlimme Folgen haben kann: Ein Streit zwischen zwei Nachbarn endete für einen der beiden im Krankenhaus.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare