Sichtlich Spuren hinterlassen haben die Baufahrzeuge auf dem Betriebsweg im westlichen Teil des Wasserwerk-Areals.
+
Sichtlich Spuren hinterlassen haben die Baufahrzeuge auf dem Betriebsweg im westlichen Teil des Wasserwerk-Areals.

Wirtschaft

Hattersheim: Platz gemacht für den Tiefbau

Das Unternehmen Hessenwasser saniert eine Rohwasserleitung und lässt sie außerdem teilweise neu verlegen.

Hattersheim -Schon beim Anblick des denkmalgeschützten Hattersheimer Wasserwerks wird deutlich, dass dieses Gebäude aus einer anderem Zeit stammt. Die eindrucksvolle Fassade mit dem von Efeu überwucherten Vorbau entstand in den Jahren zwischen 1905 und 1909. Im Inneren geht es mittlerweile wesentlich moderner zu. Die historische Dampfmaschine wurde im Jahr 1995 von mehreren Elektromotoren abgelöst. Trotzdem arbeitet im Wasserwerkswäldchen noch eine Anlage aus der Anfangszeit. Eine hydraulische Vakuum-Pumpe aus dem Jahr 1909 soll nun ausgetauscht werden.

Der Wasserlieferant Hessenwasser lässt die Sauganlage im Rahmen seiner mittelfristigen Versorgungsstrategie erneuern. Der Betreiber des Hattersheimer Wasserwerks will den Standort auch in Zukunft nutzen. Anstelle der bisherigen Pumpe wird allerdings nicht etwa ein modernes Modell mit Elektromotor installiert. Die hydraulische Vakuum-Technik bleibe erhalten, berichtet Pressesprecher Hubert Schreiber. Das in die Jahre gekommene Gerät wird lediglich durch ein neues Modell ersetzt. Dies sei möglich, weil der Grundwasserspiegel rund um das Wasserwerk nicht tiefer als zehn Meter stehe. "Die Maßnahme ist ein schönes Beispiel dafür, wie scheinbar historische Technik unter dem Aspekt der Energieeffizienz heute noch gefragt ist", erklärt der Hessenwasser-Sprecher.

Funktioniert wie ein riesiger Strohhalm

Die Sauganlage erzeugt einen Unterdruck und zieht so das Grundwasser durch die umliegenden Leitungen ins Wasserwerk, von wo es in das Versorgungsnetz eingespeist wird. "Das funktioniert im Prinzip wie ein riesiger Strohhalm", erläutert Hubert Schreiber. Neben der neuen Pumpe lässt Hessenwasser auch eine große luftdichte Rohwasserleitung sanieren und teilweise neu verlegen. Sie stellt die unterirdische Verbindung dar, über die das Wasser künftig angesaugt wird. Bevor die Baumaschinen für die Tiefbauarbeiten anrücken, mussten einige Bäume entlang der Leitungstrasse weichen. Pressesprecher Schreiber erläutert, dass im hinteren Bereich des Wasserwerksgeländes 35 Bäume - überwiegend Eiben mit geringem Durchmesser - gefällt wurden. Der Fachbereich Forsten der Unteren Jagd- und Fischereibehörde des Main-Taunus-Kreises habe die Baumfällungen nach einer fachlichen Begutachtung genehmigt.

Für die eigentliche Baumaßnahme laufen derzeit noch letzte Abstimmungen. Das Projekt befinde sich in der Vorbereitung für die Ausschreibung, sagt Hubert Schreiber. Hessenwasser schätzt die Kosten für die Erneuerung der Wassergewinnungsanlage auf rund 1,8 Millionen Euro.

Der Wasserversorger lässt die derzeitigen Arbeiten als Teil einer grundhaften Ertüchtigung des Hattersheimer Wasserwerks durchführen. Die Anlage sei einmal das leistungsfähigste Wasserwerk für den Frankfurter Raum gewesen, erinnert Schreiber. Dann befand sich der denkmalgeschützte Standort jahrelang im sogenannten Stand-By-Betrieb und wurde nur bei besonderem Bedarf aktiviert. Seit drei Jahren sei der historische Bau jedoch wieder fester Teil der Versorgungsstrategie, erläutert der Pressesprecher. Die Neubewertung begann schon im heißen Sommer 2018, als das Hattersheimer Wasserwerk während der vorübergehenden Abschaltung der Riedleitung südlich des Mains aktiviert wurde. Mittlerweile sei Hattersheim Teil einer großen Hessenwasser-Bedarfsanalyse bis zum Jahr 2030. Das Wasserwerk Hattersheim sei vor dem Hintergrund eines steigenden Trinkwasserbedarf wegen des Bevölkerungswachstums und wegen der heißen, trockenen Sommer seit 2019 wieder regelmäßig in größerem Umfang in Betrieb. Im vergangenen Jahr speiste die Anlage 2,3 Millionen Kubikmeter Trinkwasser ins Netz des regionalen Leitungsverbundes ein.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare