Diese Aufnahme ist schon historisch: Sie zeigt das Schülerparlament vor über zehn Jahren bei einer Sitzung.
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Diese Aufnahme ist schon historisch: Sie zeigt das Schülerparlament vor über zehn Jahren bei einer Sitzung.

Politik

Hattersheim: Plötzlich sind Nachwuchspolitiker gefragt

Alle Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung plädieren für Neustart der Jugendvertretungen.

Hattersheim -Eigentlich sollen die gewählten Vertreter in den städtischen Gremien nicht nur möglichst viele Berufsbilder abbilden, sondern zugleich Alt und Jung repräsentieren. Doch bei manchen Kommunalvertretungen liegt der Altersdurchschnitt bei satten über 50 Plus. So gibt es nicht wenige Stadtverordnetenversammlungen, die von bereits beruflich und altersmäßig arrivierten Mitgliedern dominiert werden. Doch die Zeiten sind schnelllebig geworden, Trends und digitale Technik ändern sich derart schnell, dass ältere Menschen oft Mühe haben nachzuvollziehen, was sich da gerade so fulminant ändert.

Seit zwei Jahren nicht mehr aktiv

Keine Ausnahme machte da bis vor einiger Zeit die einstige Rosenstadt. Doch mit der jüngsten Kommunalwahl im März änderte sich die Altersstruktur bei einigen Fraktionen drastisch, die nun junge Leute in ihren Reihen haben, die wohl die Welt einfach mit völlig anderen Augen betrachten als manche langjährigen Kommunalpolitiker, die jenseits ihrer 65 Lebensjahre sich schon seit langer Zeit für ihre Stadt einsetzen. Das liegt einfach in der Natur der Sache. Damit ist aber nicht gemeint, dass Jugend über alles erhaben ist. Es soll miteinander gehen, Alt und Jung sollen im besten Fall voneinander lernen.

In Hattersheim gab und gibt es seit Jahrzehnten die Schüler- und Jugendparlamente, die versuchten, ihre Interessen zu artikulieren. Die ehemalige Stadtverordnetenvorsteherin Silvia Maeder (SPD) hatte die Jugendvertretungen über Jahre begleitet und gefördert. Trotz mancher Tiefs, die es wegen nachlassendem Interessen bei den Schülern auch mal gab, waren die Hochs umso erfreulicher. Dazu zählte, dass einige der ehemaligen Jugendparlamentarier sich späte als Erwachsener weiterhin in und für eine Partei ihrer Wahl engagierten. Alleine dies ist ein Erfolg gewesen.

In den vergangenen zwei Jahren waren das Schüler- und das Jugendparlament nicht mehr so richtig aktiv, sie dümpelten so vor sich hin. Deswegen gab es gleich zwei Anträge, die Jugendvertretungen zu reaktivieren. Und siehe da: Wo in früheren ideologische Diskussionen über Sinn oder Unsinn der Jugendvertretungen geführt wurden, waren sich bei der jüngsten Stadtverordnetenversammlung alle Fraktionen einig. Sie sprachen sich dafür aus, das Schüler sowie das Jugendparlament soll wieder einzuführen. Auslöser für diesen Beschluss war ein Antrag der CDU/ FDP/FWG-Koalition der einen fast ebenso lautenden Antrag der SPD-Fraktion zum Pendant hatte.

Doch was steckt dahinter das sich plötzlich alle Fraktionen für die Nachwuchs Vertretungen engagiert? Anscheinend ist unter anderem die Friday of Future-Bewegung mithin ein Auslöser für das Umdenken der Kommunalpolitiker hin zu mehr jugendlichen Meinungsäußerungen. Bei dieser Bewegung war zu erkennen, dass sich Jugendliche schon engagieren, wenn man sie ernst nimmt - unabhängig von der politischen Gesinnung. FDP-Stadtverordnete Kerstin Fredebold von der FDP hat zudem größere Ziele ausgemacht. In Zusammenarbeit mit der Heinrich-Böll-Gesamtschule Hattersheim (HBS) soll wieder ein Schülerparlament ab den fünften Klasse sowie ein Jugendparlament ab der achten Klasse eingerichtet werden. "Diese Parlamente ermöglichen Kindern und Jugendlichen die Erfahrung zu machen, selbst eigene Interessen zu artikulieren und wahrnehmen zu können. Und zeigen ihnen, dass sie Rechte besitzen und an Entscheidungen, die sie selbst und andere betreffen, teilhaben können", hatte die Liberale ihre Meinung in der Begründung für den Antrag geäußert. Dies sei gerade in der gegenwärtigen Zeit mit demokratiezersetzenden Tendenzen in der deutschen Gesellschaft wichtiger denn je.

Da konnte Thomas Abicht (SPD) fast gar nicht mehr anders, als der Koalition zuzustimmen: "Grundsätzlich ist dies ein guter Antrag quer durch alle Fraktionen." Zudem solle versucht werden, entsprechende Ausbildungsangebote zu vermitteln. Insgesamt sei er gespannt auf die Ideen und Wünsche de Nachwuchspolitiker. "Wir können alle nur davon profitieren", meint der Sozialdemokrat. Schließlich wurde der CDU/FD/FWG-Antrag einstimmig von den Stadtverordneten beschlossen. Und somit sowohl von den älteren, wie auch von den jüngeren Stadtverordneten. meh

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