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Klaus Störch leitet die Caritas-Einrichtung Sankt Martin am Autoberg.

Corona-Pandemie

Hattersheim: "Keiner weiß, wann und wie es einen trifft"

Klaus Störch war infiziert und in Quarantäne - er rät dazu, Maßnahmen mitzutragen, um andere zu schützen.

Hattersheim -Befreit und erleichtert streifte Klaus Störch am Samstag durch die Felder an seinem Wohnort Wicker. Der Leiter der Hattersheimer Wohnungsloseneinrichtung Haus Sankt Martin durfte zum ersten Mal seit eineinhalb Wochen das Haus verlassen. "Ich genieße das gerade", erzählte der sonst vielbeschäftigte Diplom-Pädagoge, der mehrere Tage von der Außenwelt abgeschottet war. Vor rund zwei Wochen hatte Störch leichte Erkältungssymptome bei sich festgestellt. Dann kam die besorgniserregende Diagnose, die seinen Alltag auf den Kopf stellte: Der 60-Jährige hatte sich mit Corona infiziert.

16 bis 18 Stunden am Tag geschlafen

Zunächst habe er dem Schwächegefühl, das er als kleine Erkältung empfand, keine große Bedeutung beigemessen. Er sei montags und dienstags noch auf der Arbeit gewesen, berichtet Störch. Dann hätten sich die Krankheitszeichen jedoch verschärft. Besonders zwei Symptome seien ungewöhnlich für ihn gewesen: Fieber und Kopfschmerzen. Normalerweise bekomme er so gut wie nie Kopfschmerzen, erzählt der Leiter der Caritas-Wohnungsloseneinrichtung, der sich ab Mittwoch in freiwillige Quarantäne begab. Am selben Tag ließ er auch einen Abstrich bei seinem Hausarzt machen. Zwei Tage später meldete sich das Gesundheitsamt mit der Bestätigung, dass er positiv auf Covid-19 getestet wurde. Zur Liste der Symptome kamen zu diesem Zeitpunkt auch noch starke Halsschmerzen und Husten hinzu, erinnert sich der Chef des Hauses Sankt Martin. Außerdem sei er extrem müde gewesen. 16 bis 18 Stunden habe er an manchen Tagen geschlafen, erzählt Störch, der von sich sagt, dass er normalerweise ein Frühaufsteher sei.

Mit 60 Jahren gehört Störch zur Risikogruppe, bei der die Wahrscheinlichkeit eines schweren Krankheitsverlaufs höher ist. Der Flörsheimer fühlt sich nach dem Abklingen der Krankheitssymptome aber schon wieder gut. Der Sauerstoffgehalt seines Blutes sei während der Erkrankung immer im grünen Bereich gewesen, erklärt Klaus Störch, der vermutet, dass ihm seine allgemeine Fitness half, die Infektion ohne Komplikationen zu überstehen. Er fahre viel Rad, habe kein Übergewicht und keine Vorerkrankungen. Trotzdem habe ihn die Krankheit zum Nachdenken über die eigene Vergänglichkeit gebracht. "Es hätte ja auch alles ganz anders kommen können", weiß der Genesene. Störch kritisiert die Darstellung, dass einem nichts passiere, wenn man sich an die Vorgaben hält. Er habe immer eine Maske getragen, und auch in seinem Bekanntenkreis sei die Gefahr durch das Virus sehr ernst genommen worden.

"Trotzdem hat es mich erwischt", mahnt der Leiter des Hauses Sankt Martin. Wo er sich angesteckt hat, weiß Störch nicht. Vor seiner Infektion arbeitete er nicht nur in der Wohnungsloseneinrichtung, sondern nahm auch als Magistratsmitglied an Sitzungen der Flörsheimer Gremien teil. Außerdem habe er am Wochenende vor der Erkrankung eine Beerdigung besucht, schildert der Ortspolitiker.

"Keiner weiß, wann und wie es einen trifft", betont er. Mit seiner Familie habe er nach der Diagnose diskutiert, ob es nicht vielleicht sogar besser sei, die Infektion jetzt hinter sich zu haben. Klaus Störch hielt sich in den vergangenen anderthalb Wochen vor allem im Schlafzimmer auf. Weil die Wohnung zwei Bäder hat, sei es möglich gewesen, den anderen Familienmitgliedern aus dem Weg zu gehen. Allerdings mussten sich auch seine Frau und sein Sohn vorsichtshalber in Quarantäne begeben. Die Schwiegereltern und Freunde unterstützten die Familie mit Einkäufen.

Wenn er nicht schlief, hielt Klaus Störch über digitale Medien den Kontakt zur Außenwelt oder nutzte die freie Zeit zum Lesen. So habe er während der Quarantäne den Roman "Metropol" von Eugen Ruge abgeschlossen, erzählt Störch.

Er ertappte sich allerdings auch dabei, wie er am Fenster stand und das Postauto beobachtete. "Um weiter am Leben teilzuhaben, geht man ans Fenster", berichtet der 60-Jährige. Durch die Abschottung sei ihm nun klar geworden, "wie sehr man von der Außenwelt abhängig ist".

Zur Sorge um die eigene Gesundheit kam nach der Diagnose auch die Angst, andere infiziert zu haben. Glücklicherweise wisse er von niemandem, den er angesteckt haben könnte. Dank eines guten Pandemieplans sei der Betrieb des Hauses Sankt Martin nicht betroffen gewesen. In dieser Woche wird der Einrichtungsleiter seine Arbeit dort wieder aufnehmen. Vorsichtig wolle er aber trotz der überstandenen Infektion bleiben. "Wir werden mit diesem Virus noch länger leben müssen", befürchtet Klaus Störch. Maßnahmen mitzutragen, die andere schützen, sei eine Frage von Verantwortung. sascha kröner

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