Stadtarchivarin Anja Pinkowsky sortierte im Stadtarchiv unter anderem Presseartikel, die vor Jahrzehnten zu Hattersheimer Themen geschrieben wurden.
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Stadtarchivarin Anja Pinkowsky sortierte im Stadtarchiv unter anderem Presseartikel, die vor Jahrzehnten zu Hattersheimer Themen geschrieben wurden.

Stadtgeschichte

Hattersheim: "One-Woman-Job" im Ausnahmezustand

Stadtarchivarin Anja Pinkowsky berichtet über die besonderen Anforderungen während der Corona-Krise.

Hattersheim -Wer über Bereiche nachdenkt, die von der Corona-Pandemie betroffen sind, der wird wahrscheinlich nicht zuerst das Stadtarchiv im Sinn haben. Verwaltung und Recherche von Akten klingen nicht nach Tätigkeiten, die Abstandsregeln oder Gesichtsmasken erfordern. Tatsächlich bezeichnet Stadtarchivarin Anja Pinkowsky ihre Tätigkeit als "One-Woman-Job". Trotzdem hat sich der Ausnahmezustand der vergangenen Monate vielfältig auf die Arbeit im Archiv ausgewirkt.

Zahl der Anfragen war rückläufig

Obwohl Anja Pinkowsky meist alleine arbeitet, bekommt die Stadtarchivarin immer wieder Besuch von interessierten Hattersheimern. "Leute, die Anfragen haben, kommen vorbei und suchen das Gespräch", erklärt die Verwaltungsmitarbeiterin. Das Stadtarchiv werde beispielsweise von Menschen aufgesucht, die ihre Familiengeschichte schreiben und längst vergessenen Verwandten nachspüren. Außerdem helfe sie manchmal Schülern, die Material für Prüfungen brauchen, sagt Pinkowsky. Seit Beginn der Pandemie habe die Zahl der Anfragen jedoch deutlich abgenommen. "Ich habe schon gemerkt, dass das zurückgeht", sagt die Historikerin. Zum Teil habe sie versucht, den verbliebenen Fragestellern telefonisch oder auf digitalem Weg zu helfen, etwa indem sie Fotos per E-Mail zur Verfügung stellte.

Die Zahl der Anfragen sei bis zum Herbst langsam wieder angestiegen und habe Ende Oktober bei 64 gelegen. Damit blieb das Interesse allerdings immer hinter dem Vorjahreswert von 81 Anfragen bis Ende Oktober zurück. Zurückgefahren wurde aufgrund der Pandemie auch die pädagogische Arbeit im Archiv. Noch Anfang März vermittelte Anja Pinkowsky 23 Grundschülern Einblicke in die Archivarbeit. Sie waren die vorerst letzte Gruppe, die in den historischen Akten stöbern durfte. Weitere Kooperationen mit den Bildungseinrichtungen mussten ausgesetzt werden.

Doch nicht alles fiel komplett ins Wasser. Manch anderes Projekt konnte zumindest in angepasster Form aufrechterhalten werden. So war das Stadtarchiv an der Erstellung einer Ausstellung beteiligt, mit der die Stadterhebung Hattersheims im Jahr 1970 gefeiert wurde. Die Präsentation in der Galerie des Nassauer Hofes fiel kleiner aus als ursprünglich geplant. Letztlich konnten sich Anja Pinkowsky und Erster Stadtrat Karl Heinz Spengler (FWG) jedoch freuen, dass 226 Besucher das Angebot nutzten. Nicht zählen ließen sich derweil die Betrachter einer Ausstellung, mit der Hattersheim der 30 Jahre zurückliegenden Deutschen Wiedervereinigung gedachte. Aufgrund der schwierigen Pandemie-Lage ließ die Stadt die bedruckten Plakate an einem Bauzaun am Bahnhof aufhängen. Anja Pinkowsky konnte die Lockdown-Zeit im Frühjahr zudem nutzen, um den Bestand des Archivs weiter zu erschließen. So ergab sich die Gelegenheit, eine Sammlung von Presseartikeln aus den Jahren 1950 bis 1987 zu verzeichnen und mit Schlagworten zu versehen. "Das ist eine mühselige Arbeit, die aber total wichtig ist", erklärt die Stadtarchivarin. Mittlerweile sind 153 Bestände und 1020 Bezeichnungen aus Hattersheim über das hessische Archivinformationssystem Arcinsys im Internet abrufbar.

Schließlich ist auch die historische Stellung der Corona-Pandemie selbst ein wichtiges Thema für die Stadtarchivarin. Pinkowsky hat eine eigene Sammlung erstellt, in der sie den Verlauf der Krise nachvollzieht. Neben den Fallzahlen dokumentiere sie unter anderem Ereignisse wie die Ausgangssperre oder die Einrichtung des Impfzentrums im Kastengrund. Vor allem im Dezember habe es aufgrund der Verordnungen durch den Main-Taunus-Kreis viel zu archivieren gegeben. "Das ist die Vorarbeit für Menschen, die in 20 Jahren einen Rückblick auf die Pandemie schreiben wollen", erläutert Anja Pinkowsky eine wichtige Perspektive für die "Nachwelt", wenn die Corona-Krise vorüber ist. sas

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