Dieses Gebäude neben der katholischen Kita in Eddersheim ist für die Erweiterung der Einrichtung vorgesehen.  Foto: meh
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Dieses Gebäude neben der katholischen Kita in Eddersheim ist für die Erweiterung der Einrichtung vorgesehen. Foto: meh

Kinderbetreuung

Hattersheim: "Vogelnest"-Ausbau im Gespräch

Die Corona-Krise mache es schwer, den Stau bei Kita-Plätzen abzubauen, sagt der zuständige Dezernent.

Hattersheim -Der jüngst von den Stadtverordneten verabschiedete Kindertagesstättenentwicklungsplan gibt an, dass in diesem Jahr mit Blick auf das gesamte Stadtgebiet genügend Kindergartenplätze in Hattersheim vorhanden sind. Diese Prognose gilt jedoch nur eingeschränkt. Die freien Plätze sind nämlich nicht entsprechend des Bedarfs in den Stadtteilen verteilt. Eddersheim hat zum Beispiel weiterhin Nachholbedarf. Außerdem setzt das bedarfsgerechte Angebot zunächst den Abschluss einer baulichen Erweiterung in Okriftel voraus. "Das ist momentan so ein bisschen unser Anker", sagt Erster Stadtrat Karl Heinz Spengler (FWG) über den Anbau an die Okrifteler Kita "Kleine Feldstraße".

Um den stadtweiten Bedarf abzudecken, müsse Okriftel fertiggestellt sein, erläutert der zuständige Dezernent. Denn auch Kinder aus dem benachbarten Eddersheim sollen künftig in Okriftel Platz finden. Und da beginnt das Problem: Die Erweiterung der Kindertagesstätte um zwei Gruppen wird sich nämlich verzögern, wie Spengler und Vertreter der FWG bei einer Besichtigung vor wenigen Tagen erfuhren. Der Anker für die Hattersheimer Kita-Betreuung ist damit also unerwartet haltlos geworden.

Situation ist nicht zufriedenstellend

Insgesamt 55 weitere Plätze sollen durch die Errichtung eines Anbaus mit zwei Gruppenräumen in der "Kleinen Feldstraße" entstehen. Nun verschiebt sich der für die kommenden Wochen geplante Abschluss der Maßnahme wegen statischer Mängel am Bestandsgebäude bis in den Sommer. Sicherungsmaßnahmen und der notwendig gewordene zusätzliche Anbau für einen Personalraum kosten Zeit. Die Situation sei nicht unbedingt zufriedenstellend, lautet das Fazit von FWG-Vorsitzendem Oliver Wiendl und Fraktionschef Ralf Depke. Durch die Verzögerung ergebe sich nun rechnerisch ein Defizit, räumt Erster Stadtrat Spengler ein. Der hauptamtliche Stadtrat weist aber auch darauf hin, dass sich die Lage vor dem Hintergrund der Corona-Krise momentan noch ganz anders darstelle. Die Belegung der Kitas im Stadtgebiet liege zwischen 10 bis 60 Prozent.

Lässt man den ungewöhnlichen Betrieb während der Pandemie außen vor, stellt sich die Kita-Situation im Stadtgebiet folgendermaßen dar: Eltern in der Hattersheimer Kernstadt stehen 791 Plätze zur Verfügung, nachdem der Träger EVIM die "Kita am Schlockerhof" erweitert hat. Das Angebot übersteigt den derzeitigen errechneten Bedarf von 610 Kindern. In Okriftel sollte das Angebot von 160 Kita-Plätzen mit der Erweiterung in der "Kleinen Feldstraße" ab März auf 215 Plätze steigen. Der Bedarf steht derzeit bei 180 Plätzen im Plan und soll voraussichtlich bis zum Juli auf 214 wachsen. Es fehlen also momentan bereits 20 Plätze.

Für Eddersheim verweist der Kita-Bedarfsplan auf einen weiterhin erheblichen Platzbedarf. Dem Angebot von 130 Plätzen steht ein Bedarf von 147 gegenüber. Diese Nachfrage soll sich bis zum Juli auf 175 erhöhen. Somit fehlen dort im ersten Halbjahr zwischen 17 und 45 Kita-Plätzen. Die katholische Kita "Vogelnest" soll im Stadtteil Eddersheim bei der Schaffung der dringend benötigten Kindergartenplätze helfen. Die Gruppen der konfessionellen Kita konnten gerade erst wieder in ihr wegen eines Wasserschadens gesperrtes Gebäude zurückkehren. Den Überlegungen, einen Übergangsbetrieb mit zwei Gruppen im katholischen Gemeindehaus fortzuführen, erteilte der Träger eine Absage. Die Stadt sei jedoch in Gesprächen mit der Kirchengemeinde, um eine weitere Gruppe in der Kita "Vogelnest" zu ermöglichen, erläutert Erster Stadtrat Karl Heinz Spengler. Als Zukunftsperspektive habe die Stadt außerdem bereits das angrenzende denkmalgeschützte Gebäude erworben, um dort zwei weitere Gruppen einrichten zu können.

Erhöhter Platzbedarf ist "ein Nadelöhr"

Karl Heinz Spengler spricht von einem "großen Stau" bei der Kinderbetreuung, der derzeit auch wegen Corona nicht so einfach aufzulösen sei. Die Pandemie erschwere es, neue Kinder in den Einrichtungen einzugewöhnen. Der erhöhte Platzbedarf aufgrund von Hygieneauflagen sei "ein Nadelöhr".

Etwas entspannter sieht der Erste Stadtrat die Lage bei der Einstellung neuer Erzieherinnen. In den zehn Hattersheimer Kitas fehlten bei Normalbetrieb sechs Stellen, so Spengler. Aufgrund der Pandemie sei das Personal momentan aber ausreichend. sas

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