Vor der Corona-Krise präsentierten Oliver Schürmann sowie Fabienne Schmidt eine Ausstellung in der AWO-Geschäftsstelle.
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Vor der Corona-Krise präsentierten Oliver Schürmann sowie Fabienne Schmidt eine Ausstellung in der AWO-Geschäftsstelle.

Soziales

Hattersheim: "Wir merken es in der Kasse"

Warum die ambulante Pflege derzeit weniger gefragt ist und bei den Mitarbeitern die Impfungen ein Thema sind.

Okriftel -Jeden Dienstag bittet die Arbeiterwohlfahrt (AWO) Main-Taunus ihre Mitarbeiter zum Corona-Schnelltest. Der Kreisverband möchte sicherstellen, dass keine Infektionsgefahr für das Team und die Kunden des Pflegedienstes besteht. Regelmäßige Tests sind der einzige Weg, da eine bevorzugte Impfung in der ambulanten Pflege nicht vorgesehen ist. "Schön wäre es, wenn auch unsere Mitarbeiter geimpft werden", erklärt Geschäftsführer Oliver Schürmann.

Momentan werde die stationäre Pflege in der Impfstrategie bevorzugt, betont der AWO-Chef. "Ambulante Dienste stehen hinten an", sagt Schürmann, der die Entwicklung schade findet. "Wir versorgen wahnsinnig viele Leute, die zur Hochsicherheitsgruppe gehören", erläutert der Geschäftsführer des Kreisverbands mit Sitz in Okriftel.

Erstmals gibt es Lücken im Terminplan

Es wird viel darüber diskutiert, ob Mitarbeiter in Pflegeheimen das Angebot zum Impfen annehmen sollten. Bei der AWO stellt sich diese Frage derzeit nicht. Oliver Schürmann geht allerdings von einer großen Impfbereitschaft aus. "Mich fragen ganz viele Mitarbeiter", erklärt der Geschäftsführer. Er glaube, dass viele die Beruhigung haben möchten, dass sie niemanden anstecken können - auch wenn eine Nichtansteckung durch eine Impfung nicht zu 100 Prozent erwiesen sei. Derzeit müsse er das Personal vertrösten. Er sei jedoch optimistisch, dass ab Februar auch die ambulante Pflege bei der Impfung berücksichtigt wird.

Der AWO-Kreisverband bekommt die Sorgen und Ängste während der Corona-Krise zu spüren. Die Nachfrage in der ambulanten Pflege sei stark zurückgegangen, berichtet Oliver Schürmann, der im Vorjahr den Posten des Geschäftsführers übernahm. In den acht Jahren, die er für die AWO arbeite, habe es nie Lücken in den Terminplänen des Pflegedienstes gegeben. Momentan sei genau dies der Fall. "Ich melde mich wieder, wenn ich geimpft bin", sei ein Kommentar, den man öfters von Kunden höre.

"So wenige Kunden wie aktuell hatten wir lange nicht mehr", kommentiert Pflegedienstleiterin Christiane Wilke die Lage. Nachdem einige ältere Menschen im vergangenen Jahr verstorben oder in stationäre Einrichtungen gewechselt seien, bleibe der Zulauf von Neukunden aus. Christiane Wilke erachtet die Bedenken als unbegründet. Pflegekräfte seien im Umgang mit ansteckenden Krankheiten geschult und hätten die Einhaltung der Hygieneregeln schon vor Corona sehr ernst genommen.

AWO-intern gibt es "strikte Sparauflagen"

Durch die verringerten Fahrten des Pflegedienstes gehen Einnahmen verloren. "Wir merken es in der Kasse", sagt Oliver Schürmann. Die Mindereinnahmen auf den Seiten der privaten Kunden würden zum Teil durch die Pflegekasse ausgeglichen. Die AWO arbeite jedoch auch mit den Einrichtungen der Evangelischen Inneren Mission (EVIM) zusammen, indem sie ältere Menschen zur Tagespflege in Seniorenheime transportiert. Die Ausfälle in diesem Bereich zahle niemand, sagt der Geschäftsführer. Trotz der Einbußen sei derzeit keine Kurzarbeit für die 80 Mitarbeiter des Kreisverbands angeordnet. Es werde allerdings niemand neu eingestellt. Zwei Stellen seien derzeit unbesetzt, erläutert Schürmann: "Wir haben strikte Sparauflagen."

Auch die Gruppenbetreuung für Demenzkranke musste aufgrund der Pandemie zurückgefahren werden. "Für viele Angehörige bricht da eine wichtige Stütze weg", sagt Beatrix Jäger, Leiterin der Betreuung. Die Familien müssten sich nun 24 Stunden um ihre erkrankten Angehörigen kümmern. Bis zum ersten Lockdown wurden zweimal pro Woche zehn Personen in der AWO-Geschäftsstelle betreut. Wegen des hohen Risikos habe der Kreisverband im Sommer auf die Fortsetzung des Angebots verzichtet, erklärt Oliver Schürmann. Stattdessen biete man den Betroffenen Hausbesuche an, die allerdings nur zögerlich angenommen werden. "Viele haben Bedenken, überhaupt jemanden reinzulassen", erklärt der AWO-Chef. Lediglich für die Hauswirtschaft sei die Nachfrage überraschenderweise weiterhin gut. Dies liege vielleicht daran, dass die Kunden in diesem Bereich noch nicht ganz so alt seien, meint der AWO-Geschäftsführer. sas

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