Er war viele Jahre SPD-Vorsitzender in Hattersheim: Richard Schmutzler. archivFOTO: nietner
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Er war viele Jahre SPD-Vorsitzender in Hattersheim: Richard Schmutzler. archivFOTO: nietner

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Hattersheim: Richard Schmutzler gibt Ehrenvorsitz zurück

Der ehemalige SPD-Ortsvereinsvorsitzende ist aus der Partei ausgetreten und kritisiert den neuen Vorstand.

Hattersheim -Die Sozialdemokraten kommen nicht zur Ruhe. Nachdem über die Austritte von einigen Mitgliedern in den vergangenen Monaten langsam Gras darüber gewachsen schien, gibt es nun erneut den Austritt eines prominenten Sozialdemokraten - verbunden mit der Rückgabe einer Auszeichnung. Richard Schmutzler (88) hat nämlich in einem Schreiben an den Vorstand der Hattersheimer SPD sowie an einige Genossen erklärt, dass er die Auszeichnung zum Ehrenvorsitzenden "an die Mitglieder" zurückgibt. "Gleichzeitig trete ich aus dem Hattersheimer SPD-Ortsverein aus. Meine soziale und demokratische Einstellung ist davon nicht betroffen", bekräftigt Richard Schmutzler in dem Schreiben.

Für den erst seit einigen Wochen amtierenden neuen SPD-Vorstand ist das ein Schlag ins Kontor. Galt doch Richard Schmutzler über Jahrzehnte hinweg als so etwas wie die graue Eminenz der Genossen. Im positiven Sinne wohlgemerkt. Keine wichtige Entscheidung wurde damals ohne ihn getroffen, weder thematisch noch personell. Schließlich war der 88-Jährige über viele Jahre die treibende und prägende Kraft für die Sozialdemokraten in der einstigen Rosenstadt.

Um zu verstehen, welchen Einfluss der Diplom-Ingenieur auf die Entwicklung von Hattersheim hatte, ist ein Blick zurück notwendig. Richard Schmutzler hat nie nach hauptamtlichen politischen Ämtern gestrebt. Er engagierte sich aber als Stadtverordneter, Vorsitzender des Haupt- und Finanzausschusses und war ab dem Jahr 1989 ehrenamtlicher Stadtrat im Hattersheimer Magistrat. Richard Schmutzler gilt seit vielen Jahren unangefochten als Urgestein der Hattersheimer SPD, in die er "ganz bewusst am 1. Mai 1962" eingetreten ist, wie er erklärt. Ein Jahr nach dem Eintritt in die Partei wurde er gleich zum Juso-Vorsitzenden für die Bereiche Main-Taunus, Obertaunus sowie Usingen gewählt. Sein hauptsächliches Interesse galt aber seiner Heimatstadt Hattersheim. So wurde er im Jahr 1969 zum SPD-Ortsvereinsvorsitzenden gewählt, als Nachfolger von Horst Winterstein, dem späteren hessischen Innenminister. Diese Funktion hatte Richard Schmutzler bis zum Jahr 1984 inne. Viele Projekte und Ideen stammen entweder von Richard Schmutzler oder wurden von ihm unterstützt und sind noch heute im Stadtbild sichtbar.

Auf Nachfrage dieser Zeitung gab Richard Schmutzler einige Gründe an, die zu seiner Entscheidung führten. Zum einen könne er nicht verstehen, wie eine kleine Gruppe innerhalb der SPD beschlossen habe, Hans Franssen zum Ehrenvorsitzenden zu ernennen. Diese Gruppe, der neue Vorstand der Sozialdemokraten, sei dazu noch mit acht neuen Leuten besetzt. Franssen sei zwar Erster Stadtrat und Bürgermeister gewesen, doch für die Partei stünde da eigentlich nicht so viel zu Buche. Franssen habe nur drei Jahre das Amt des Vorsitzenden bekleidet. Dass der einstige SPD-Fraktionschef Franssen ein - seiner Ansicht nach - übersteigertes Maß an Geltungssucht mit sich herumtrage, lässt Richard Schmutzler deutlich durchblicken.

Zum anderen zeigte sich der 88-Jährige über die Wahl des Veranstaltungsortes für eine Zusammenkunft der Mitglieder vor einigen Wochen erbost. Statt eine öffentlich zugängliche Lokalität zu wählen, habe sich der SPD-Ortsverein in den Geschäftsräumen des neuen Vorsitzenden getroffen. "Das hat es seit 1952 nicht mehr gegeben", meint Richard Schmutzler. Für ihn ist es gar keine Frage, dass eine andere Örtlichkeit mit Sicherheit gefunden worden wäre, wenn man dies gewollt hätte.

Er hält es in diesem Zusammenhang außerdem für unsäglich, dass die Adresse des SPD-Ortsvereins nun die gleiche ist wie die Firmenadresse des neuen SPD-Vorsitzenden Selim Balcioglu, der dort eine Versicherungsagentur betreibt. "Es ist unfassbar, was sich hier im Ortsverein abspielt", empört sich Richard Schmutzler. Der ehemalige Sozialdemokrat hält auch nicht vorm Berg, wenn es um die Kritik an Organisationsfragen geht. So habe er in der Vergangenheit dafür gesorgt, dass die SPD über ein großes Zelt sowie über ein Auto verfügen konnte. Das Zelt kam vor allem bei den Mai-Feiern zum Einsatz. Beide, Zelt und Auto, seien in der Zwischenzeit abgeschafft worden, bedauert Richard Schmutzler: "Wahrscheinlich verkauft oder es lagert irgendwo." Für klug hält er diese Entscheidungen auf keinen Fall.

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