Der Sinn und Zweck dieser Konstruktion war zeitweise unklar, bis ein Jagdpächter für Aufklärung sorgte.
+
Der Sinn und Zweck dieser Konstruktion war zeitweise unklar, bis ein Jagdpächter für Aufklärung sorgte.

Naturschutz

Hattersheim: Röhren-Rätsel ist gelöst

Besondere Anflughilfe sorgt für Furore und wird bald vom jetzigen Standort wieder verschwinden.

Eddersheim -Bernd Zürn hält sich viel in der Natur auf. Bei seinem Einsatz für Tiere und die Umwelt ist das Mitglied des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) an vorderster Front aktiv. Es kommt deshalb selten vor, dass Zürn auf Entdeckungen in der Landschaft angesprochen wird, die ihm zuvor unbekannt waren. Doch genau mit solch einem Fall meldete sich die Hattersheimer Verwaltung Anfang des Monats bei dem bekannten Weilbacher BUND-Mann.

"Wir haben in Eddersheim einen ungewöhnlichen Fund gemacht. Können Sie sich den mal anschauen?" - mit diesen Worten habe ihn ein Mitarbeiter des Grünflächenamtes angerufen, berichtet der Umweltschützer. Es klingt wie der Beginn eines Tatorts, und "Ermittler" Zürn ließ sich nicht lange bitten. Der Verwaltungsmitarbeiter habe ihm die Entdeckung als waagerecht liegende Röhre beschrieben, die auf Eddersheimer Gemarkung am Weilbach gefunden wurde. Zürn machte sich auf den Weg, das unbekannte Objekt zu untersuchen.

Der Umweltschützer kennt viele Formen von Nisthilfen, so beispielsweise Steinkauzröhren und Storchennester - der Naturfreund hat die meisten selbst installiert, um Vögeln eine Brutstätte zu bieten. Was im Weilbach auf ihn wartete, hatte der Naturschützer allerdings noch nie gesehen. Nach der telefonischen Beschreibung sei er davon ausgegangen, es handele sich um eine der mehr als hundert Steinkauzröhren, die er in den vergangenen Jahren gebaut hatte. Diese Theorie konnte Zürn jedoch direkt begraben, nachdem er das Gebilde im Wasser mit eigenen Augen gesehen hatte. "Das war keine Steinkauzbehausung", schildert der Weilbacher seine Reaktion. Was er auf dem Bachabschnitt zwischen S-Bahnlinie und ICE-Trasse antraf, war eine 40 Zentimeter breite Röhre aus Stroh und Draht. Das etwa einen Meter lange Gebilde ruhte rund 80 Zentimeter über der Wasseroberfläche auf einem Eisenrohr. Ein kleines Brett vor der Öffnung der Röhre schien als Anflughilfe zu dienen. Bernd Zürn kombinierte: Aus der Bauweise und dem Standort schloss er auf eine Hilfe für größere Wasservögel. Absolut sicher war sich der Weilbacher jedoch nicht.

Er startete einen Aufruf im Bekanntenkreis. Die ersten Rückmeldungen ließen nicht lange auf sich warten: Unter anderem schickten ihm Freunde Internetvideos, die eine Anleitung zum Bau ähnlicher Brutstätten gaben. Schnell war klar, dass es sich um eine Nisthilfe für Stockenten handelte - dann offenbarte sich auch der Urheber der Eddersheimer Konstruktion. Die Stadt fand heraus, dass der Eddersheimer Jagdpächter Kai Wagner die Entenbehausung im Vorjahr konstruiert hatte. Darüber habe er das Grünflächenamt informiert, berichtet der Eddersheimer auf Nachfrage des Kreisblatts. Kai Wagner erzählt, dass er die Enten durch die erhöhte Brutstätte vor Füchsen schützen wollte. Seit seiner Kindheit habe es in Eddersheim immer Enten gegeben. "Jetzt sind keine mehr da", stellt der Jäger fest. Wagner führt den Rückgang vor allem auf die große Zahl von Raubwild zurück. Die von ihm gewählte Konstruktion sei mehrfach im Internet und in Zeitschriften vorgestellt worden, erklärt der Eddersheimer den Ursprung seiner Idee. Alle drei bis vier Monate überprüfe er den Standort, um sicherzugehen, dass sich keine Äste rund um die Eisenstange im Bach anstauen. Dabei habe er auch schon Federn in der Behausung gefunden. "Das war wohl mal was drin", sagt Kai Wagner. Gebrütet habe bisher jedoch noch keine Ente. Der Jagdpächter befürchtet nun, dass sein Projekt durch die verschiedenen Veröffentlichungen seinen Sinn und Zweck verfehlt habe. Die Berichterstattung locke Neugierige an. Deshalb denkt er nun über einen Standortwechsel nach, sagt der Initiator. sas

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare