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Hattersheim: Seine Schätze leuchten im Dunkeln

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Er kennt sich mit Steinen aus: Hans Günter Waas zeigt einen Calcit aus seiner Sammlung. FOTO: kröner
Er kennt sich mit Steinen aus: Hans Günter Waas zeigt einen Calcit aus seiner Sammlung. © Kröner

Hans Günter Waas sammelt Mineralien und erzählt, wie er zu diesem besonderen Hobby gekommen ist.

Okriftel -Hans Günter Waas spaltet Steine, so wie andere Leute Nüsse knacken. Dazu spannt der Okrifteler die massiven Brocken in einen Schraubstock in seinem Keller und bearbeitet sie mit dem Meißel. Was sich zeigt, wenn die harte Hülle bricht, überrascht den Hobby-Geowissenschaftler jedes Mal aufs Neue. Oft kommen glitzernde Farben und Formen zum Vorschein, die das Herz des Kristallsammlers höher schlagen lassen.

Die Mineralien, für die sich der Okrifteler interessiert, sind von außen nicht erkennbar. Waas erklärt, dass sich Kristalle in Hohlräumen bilden, wenn Flüssigkeit in das Gestein hineinläuft und dort Rückstände hinterlässt. Ein Reiz seines Hobbys bestehe darin, herauszufinden, was sich im Stein versteckt. Manchmal müsse er die Fundstücke eine halbe Stunde in der Hand drehen und anschließend noch eines seiner zahlreichen Fachbücher befragen. Früher oder später gelingt es dem 71-Jährigen aber, alle Mineralien zu identifizieren und zu beschriften. Es kommt allerdings auch vor, dass Steine ohne interessanten Inhalt auf seiner Werkbank landen. "Wenn nichts drin ist, freut sich der Bauhof, weil es wieder ein paar Steine zu entsorgen gibt", so der Sammler. In den beleuchteten Schränken des Hobby-Mineralogen glänzt und glitzert es in allen Farben und Formen. Durchsichtige Quarz-Kristalle liegen neben Steinen, die mit feinen rosafarbenen Verästelungen überzogen sind.

Bei einigen Sammlerstücken handelt es sich um Querschnitte, die dunkelrote Muster aufweisen. Bei manchen zeige sich die Schönheit erst, wenn sie geschliffen und poliert sind, erklärt der Kfz-Mechaniker im Ruhestand. Einige seiner Schätze leuchten sogar im Dunkeln, wenn Waas sie mit einer UV-Lampe bestrahlt. Fest steht: Kein Stein sieht aus wie der andere. "Das sind alles Unikate", betont der 71-Jährige, der die Mineralien entweder selbst gefunden oder von anderen Sammlern erworben hat. Und selbst die Vielfalt in den Vitrinen ist nur die Spitze des Eisbergs - oder, im Falle des Okriftelers, des Kristallbergs. Denn Hans Günter Waas hat mehrere Schubladen mit kleinen Mineralienproben angesammelt, sogenannten "Micromounts". Um tief in die Schönheit dieser winzigen Steine einzutauchen, nutzt der Fachmann ein Mikroskop.

Der Austausch mit Gleichgesinnten ist ein wichtiger Teil des ungewöhnlichen Hobbys. Hans Günter Waas leitet den Geowissenschaftlichen Freundeskreis Mainz-Kastel (GWF) seit 13 Jahren als Vorsitzender. Mit dem Verein organisiert er Vorträge, Mineralienbörsen und Fahrten zu bekannten Fundorten. Zusammen mit seiner Frau Hannelore leitete er außerdem schon Programmpunkte für die Hattersheimer Ferienspiele. Die Sammlung des Okriftelers umfasst mittlerweile mehrere Tausend Mineralien, die er von A wie Achat bis Z wie Zinkblende in Tabellen katalogisiert hat. Die Herkunft der Mineralien umspannt die ganze Welt: Auf den Listen findet sich der Pyromorphit aus dem Schwarzwald genauso wie ein Mangan aus Sardinien und ein Baryt aus Peru. Allen Steinen hat der Sammler Zettel beigelegt, auf denen sowohl der Fundort wie auch das Datum vermerkt sind. Diese Informationen seien das Wichtigste, falls man seine Mineralien an andere Sammler weiterverkaufen möchte, erklärt Waas. "Ohne Fundzettel will das keiner."

Seine Begeisterung für Mineralien sei schon in der Kindheit geweckt worden, erzählt der Okrifteler. "Ich habe Steine mitgenommen und mein Vater hat sie weggeworfen", sagt Hans Günter Waas. Irgendwann stand jedoch fest, dass er die Fundstücke behalten würde. Der entscheidende Ansporn für seine Sammelleidenschaft habe sich in den siebziger Jahren ergeben, als ihn ein Bekannter zur Mineraliensuche ins Rauris-Tal mitnahm. Seither hat Waas etliche Fachbücher verschlungen und sich immer wieder selbst in den Bergen und in Steinbrüchen auf die Suche gemacht - stets bewaffnet mit Hammer und Meißel.

Strenge Regulierungen würden das Hobby heute schwerer machen, klagt der 71-Jährige. Doch auch in der Region könne man als Mineraliensammler fündig werden - beispielsweise in den Wäldern zwischen Hofheim, Delkenheim und Bremthal, wo es früher viele Eisengruben gegeben habe. Neueinsteiger für das Hobby zu finden, sei dennoch nicht leicht. Der Geowissenschaftliche Freundeskreis bestehe derzeit noch aus 47 Mitgliedern, berichtet Waas, der sich über mehr Zuspruch freuen würde. Interessierte finden Informationen auf der Internetseite des Vereins: www.gwf-mainz-kastel.de. sas

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