Chorleiter Carsten Koch freut sich auf die erste Präsenz-Singstunde seit der Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie.
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Chorleiter Carsten Koch freut sich auf die erste Präsenz-Singstunde seit der Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie.

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Hattersheim: Seit einem Vierteljahrhundert gibt er den Ton an

Dirigent Carsten Koch und der Chor L'Espérance arbeiten seit 25 Jahren zusammen. Wie es dazu kam, erzählt der Musiker.

Okriftel -Sie blicken auf viele gemeinsame Erinnerungen zurück: Chorleiter Carsten Koch und der Okrifteler Chor L'Espérance sind seit 25 Jahren auf einem gemeinsamen Weg. Ihre langjährige Zusammenarbeit wird heute um einen weiteren besonderen Tag ergänzt. Nachdem die Corona-Einschränkungen gelockert wurden, treffen sich der Chorleiter und die Aktiven zum ersten Mal seit mehreren Monaten zur Präsenz-Singstunde vor dem Haus der Vereine.

Dass er ein Vierteljahrhundert regelmäßig in den Hattersheimer Stadtteil Okriftel fahren würde, hätte sich Carsten Koch im Jahr 1996 wohl nicht träumen lassen. Alles begann, als der damals 20-Jährige eine Nebenbeschäftigung während der Studienzeit suchte. Seine Stelle in Okriftel sei als Studium begleitendes Projekt geplant gewesen, erzählt der Chorleiter. L'Espérance-Vorsitzende Silke Jung spricht vom "Beginn einer wunderbaren Freundschaft".

Carsten Koch studierte Schulmusik und Kirchenmusik an der Frankfurter Musikhochschule. Einer seiner Studienkollegen sei der damalige L'Espérance-Chorleiter Martin Roth gewesen, der ihn als Nachfolger vorgeschlagen habe, erzählt Koch. Der Rest ging wie von selbst. Mit dem Lied "Freedom is Coming" sei der Funke direkt übergesprungen, erinnert sich Silke Jung.

L'Espérance feierte im vergangenen Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Während der Hälfte dieser Vereinsgeschichte gab Koch den Ton an. Selbst als er die Stelle des Idsteiner Dekanatskantors im Rheingau-Taunus-Kreis annahm, blieb der Kirchenmusiker seinem weltlichen Chor treu. Neben den Freundschaften schätzt Koch die Möglichkeit, Chorliteratur einzustudieren, die in seinem beruflichen Umfeld weniger Platz findet. Mit L'Espérance habe er immer wieder Konzerte mit Stücken aus Pop, Jazz und Klassik auf die Beine gestellt, berichtete der 45-Jährige, der sich allerdings auch dafür einsetzte, seine Arbeit für L'Espérance und die Idsteiner Kantorei zu verbinden. Als einen seiner persönlichen Höhepunkte bezeichnet der Chorleiter das gemeinsame Konzert zu Dan Forrests "Requiem for the Living" im November 2019. Kurz darauf folgte mit Beginn der Corona-Pandemie eine ganz neue Herausforderung.

Konzerte und Chorproben fielen vor anderthalb Jahren plötzlich weg. Da er fest bei der evangelischen Kirche angestellt sei, habe er sich um seine berufliche Zukunft zwar keine unmittelbaren Sorgen gemacht, sagt Koch. Trotzdem musste der Chorleiter und Dekanatskantor neue musikalische Wege beschreiten - geeignete Voraussetzungen fand er online. "Wenn man sich auf digitale Projekte eingelassen hat, dann konnte man als Musiker auch weiterhin etwas machen", berichtet der 45-Jährige.

Koch hat einen Youtube-Kanal für die evangelische Kirchengemeinde in Idstein ins Leben gerufen und verschiedene Stücke mit seinen Chören in Kleingruppen einstudiert und als Video zusammengeschnitten. Getrennte Aufnahmen von Orchester und Sängern erlaubten es ihm, unter anderem das Werk "Wie der Hirsch schreit" von Felix Mendelssohn Bartholdy mit der Idsteiner Kantorei zu produzieren. Zusammen mit L'Espérance entstand das neunminütige Musikvideo "Übergänge". "Ich habe mittlerweile ein ganzes Studio zu Hause", lacht Carsten Koch. Er kann sich vorstellen, dass viele digitale Methoden, die aufgrund von Corona entstanden, in Zukunft erhalten bleiben und ausgebaut werden. So habe es sich beispielsweise als praktisch erwiesen, Audiodateien per E-Mail mit seinen Chören auszutauschen.

Für seine 25 Jahre als Chorleiter wurde Carsten Koch vom Hessischen Sängerbund geehrt. Die Feier soll später nachgeholt werden. Anlässlich seines Jubiläums arbeite er derzeit an Arrangements aus den vergangenen 25 Jahren, verrät Koch. Außerdem sei geplant, das Konzert zum 50-jährigen Bestehen von L'Espérance sobald wie möglich nachzuholen. "Man wird bescheidener in seinen Wünschen", beschreibt der Musiker die Folgen der Pandemie. Nach Corona sei er schon froh, wenn überhaupt wieder Chorgesang möglich ist.

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