Sandberge wechseln sich am Okrifteler Mainufer ab mit Stahlgitter-Stapeln und Kränen, die zum Verladen der schweren Baumaterialien genutzt werden. FOTO: Kröner
+
Sandberge wechseln sich am Okrifteler Mainufer ab mit Stahlgitter-Stapeln und Kränen, die zum Verladen der schweren Baumaterialien genutzt werden.

Stadtbild

Hattersheim: Seltene Ansichten vom Fluss aus

In Hattersheim am Main fließt das Gewässer an zwei Stadtteilen vorbei.

Hattersheim -Wenn sich die Stadt Hattersheim offiziell präsentiert, findet man immer den Zusatz: "am Main". Diese Selbstbeschreibung lässt keinen Zweifel daran, dass sich die Stadt an einem Fluss befindet. Besucher der Kernstadt können jedoch lange suchen - das einzige fließende Gewässer, das sie in Hattersheim zu Gesicht bekommen, ist der Schwarzbach. Auf den Main trifft man nämlich nur in den Stadtteilen Eddersheim und Okriftel. Die beiden südlicher gelegenen Orte teilen sich das Flussufer.

Das was genau befindet sich eigentlich "am Main"? Eine Bootstour gab die Gelegenheit dazu, herauszufinden, welche Ansichten die Stadtteile vom Fluss aus bieten. Die Fahrt führte flussaufwärts aus Richtung Flörsheim an Eddersheim und Okriftel vorbei und bot neben viel grünem Uferbewuchs noch so manche andere ungewohnte Perspektive.

Ein erster Anhaltspunkt dafür, dass man das Hattersheimer Stadtgebiet auf dem Wasserweg erreicht hat, ist die Autobahnbrücke der A 3. Wie eine gewaltige Pforte erstreckt sich das Betonbauwerk über den Fluss. Kaum hat man die Brückendurchfahrt hinter sich gelassen, wünscht man sich das graue Dach jedoch schon wieder zurück. Denn direkt am westlichen Eddersheimer Ortsrand donnern die Flugzeuge im Anflug zur Nordwest-Landebahn des Frankfurter Flughafens so tief über das Ufer, dass man meint, man könnte sich mit der Hand am Fahrgestell festhalten. Dies ist der ungemütlichste Teil des dortigen Uferbereichs - es sei denn, man ist leidenschaftlicher Flugzeugliebhaber. Kurz darauf wird es jedoch ruhiger. Über einen längeren Abschnitt erstreckt sich die Grünanlage am Eddersheimer Mainufer, von der Bootsfahrer aufgrund des Bewuchses entlang des Wassers kaum etwas mitbekommen. An einer Stelle teilt sich das Grün der Böschung jedoch und gibt den Blick frei auf den kleinen Pavillon, der in Verlängerung der Propsteistraße am Ufer steht.

Eine der eindrucksvollsten Sehenswürdigkeiten und gleichzeitig ein Hindernis auf dem Wasserweg entlang des Mainufers ist die denkmalgeschützte Eddersheimer Staustufe. Das Wehr samt seiner Übergänge und Schleusentore zerteilt den Fluss am Rande der Eddersheimer Altstadt. Für kleine Sportboote gibt es eine Schleusendurchfahrt direkt am Eddersheimer Mainufer. Mindestens ein Mitfahrer muss über eine Leiter an Land gehen und den Wasserpegel im Schleusenkanal mit Hilfe eines Schaltpultes senken. Erst wenn der Wasserstand in Kanal an den Pegel vor der Schleuse angeglichen ist, lässt sich das Tor per Knopfdruck öffnen. Während der Schleusendurchfahrt kann man den Eddersheimer Fußballern beim Kicken zuschauen, denn direkt hinter der Staustufe erstreckt sich die Sportanlage des FC Eddersheim.

Nach einigen weiteren Metern grüner Böschung ist das Okrifteler Mainufer erreicht. Dort gibt es Einblicke von der Flussseite, die man normalerweise an Land nicht erhält: Die Firmengelände verschiedener Beton-, Kies- und Containerbetriebe bilden eine eindrucksvolle Kulisse. Sandberge, zwischen denen Baumaschinen stehen, wechseln sich ab mit Stapeln von Stahlgittern, die fast bis am den Main reichen. Darüber erheben sich gewaltige Kräne, die zum Verladen der schweren Baumaterialien verwendet werden.

Ein Spur vergangener Industriegröße bietet der nächste Okrifteler Blickfang am Main. Zwischen grünem Uferbewuchs erhebt sich die ehemalige Phrix- Zellulosefabrik mit ihrem von weitem sichtbaren Schornstein. In unmittelbarer Ufernähe sind dort momentan ebenfalls Baumaschinen zu sehen, die den Umbau des früheren Industriestandortes zum Wohnquartier vorantreiben. Nur wenige hundert Meter flussaufwärts kreuzt schließlich ein anderes Boot den Main. Die Fähre "Okriftel", die den Stadtteil mit dem gegenüberliegenden Kelsterbacher Ufer verbindet, hat ihren Anlegesteg kurz vor dem Okrifteler Wäldchen. Auf Höhe des Wäldchens lichtet sich der sonst oft so dichte Bewuchs entlang des Fluss etwas, und der Blick fällt auf die Uferbar sowie den Germania-Sportplatz. Auf den letzten Metern am Okrifteler Mainufer sind bei schönem Wetter Menschen anzutreffen, die den Uferbereich in Liegestühlen bevölkern und den Paddlern auf dem Fluss freudig zuwinken. Dann passiert das Boot die Mündung des Schwarzbachs. Kurz darauf endet Hattersheim am Main. sascha kröner

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare