Bevor im Corona-Test-Drive-in bei den Kunden die Proben genommen werden, muss per Handy eine App heruntergeladen werden. Das Verfahren ist nicht völlig unumstritten.
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Bevor im Corona-Test-Drive-in bei den Kunden die Proben genommen werden, muss per Handy eine App heruntergeladen werden. Das Verfahren ist nicht völlig unumstritten.

Corona-Test-Drive-In

Hattersheim: "Sicher, schnell, einfach"

Der Betreiber der Einrichtung weist Kritik wegen angeblicher Datenschutz-Mängel zurück.

Hattersheim -Autofahrer, Fußgänger, Radfahrer - der Parkplatz vor der Stadthalle ist derzeit regelmäßig mit Menschen gefüllt, die sich im Corona-Test-Drive-in des Anbieters Preventim testen lassen wollen. Mehrere hundert Personen erhalten so täglich ihren Antigen-Test. Einer dieser Nutzer sorgt sich nun um den Datenschutz. Klemens Minn hat sich mit seinen Bedenken nicht nur an die Betreiber, sondern auch an das Kreisblatt gewandt. Leider habe er bei seinen mehrfachen Besuchen den Eindruck gewonnen, dass Mitarbeiter wenig für IT-Sicherheitsaspekte geschult seien. Das Kreisblatt befragte deshalb Preventim-Geschäftsführer Frederic Lanz.

Für die Nutzung des Drive-in ist ein Smartphone erforderlich, da sich Testwillige über eine App anmelden und anschließend digital ihre Testergebnisse zugesendet bekommen. Minn bemängelt, dass das Personal in Hattersheim einfach, ohne zu fragen, auf die Handys der Besucher schaue. Geschäftsführer Lanz sieht dieses Problem nicht. Er verweist unter anderem auf Hilfestellungen, die manche Testteilnehmer bei der Anmeldung benötigen. "Wenn mich jemand fragt, ob ich ihm helfen kann, dann hat er mich doch aufgefordert, dies zu tun", sagt er. Ansonsten werde über das Handy nur die Anmeldenummer abgefragt. Das Personal bitte den Getesteten, seine Nummer und den Namen in Verbindung mit dem Personalausweis vorzuzeigen. Kritische Informationen seien dabei nicht sichtbar. "Am Flughafen muss man seine digitale Boardkarte doch auf dem Smartphone vorzeigen", argumentiert Frederic Lanz.

Klemens Minn kritisiert weitere Abläufe, die seiner Ansicht nach nicht für eine "datenschutzkonforme Handhabung" sprechen würden. Die Anmeldenummern würden mindestens zweimal von Hand erfasst. Besser wäre ein mit dem Teststäbchen verknüpfter Barcode, meint der Hattersheimer. Wenig Sensibilität für Sicherheitsaspekte wirft er den Betreibern auch vor, weil das Passwort für das WLAN-Netzwerk vor Ort trivial sei. Es lautet "Hattersheim". Zum ersten Punkt erläutert Lanz, dass sich der Tester die Nummer des Besuchers merke und auf das Teststäbchens notiere. Die Verwendung eines Barcodes sei eine Frage der Prozessoptimierung, die bisher aber keinen Sinn gemacht habe. "Unsere Fehlerquellen gehen gegen Null", so der Preventim-Geschäftsführer. Die Kritik am WLAN-Passwort kann er noch weniger verstehen. Es handele sich um ein Gäste-Netzwerk, dass extra eingerichtet wurde, falls Testwillige an Ort und Stelle eine schlechte Verbindung haben. "Das Passwort muss einfach sein, damit man es Leuten diktieren kann", sagt Lanz. In vielen größeren Märkten werde sogar ein Besucher-WLAN ganz ohne Passwort geboten.

Unglücklich ist der Hattersheimer Testzentrum-Besucher auch mit der verwendeten "Chayns"-App, die Testwillige auf ihrem Smartphone installieren müssen. Die App des Anbieters Tobit Software aus dem münsterländischen Ahaus werde auch für Gastronomie- und Event-Anwendungen genutzt. "Das finde ich nicht korrekt", erklärt Klemens Minn. Er habe über die App Werbung für Gastronomie erhalten. Im Zusammenhang mit der Übermittlung von Gesundheitsdaten finde er eine solche App nicht angemessen. Frederic Lanz kontert, dass es sich um eine in Deutschland programmierte App auf deutschen Servern handele, die eine reibungslos funktionierende Schnittstelle für das Angebot biete. "Sicher, schnell, einfach." Eine spezielle App für Testzentren gebe es nicht. Die von Preventim verwendete Applikation sei aber bei Corona-Tests im ganzen Bundesgebiet im Einsatz.

Das Angebot von Preventim hat in den vergangenen Wochen viel Nachfrage erfahren. Auf die erste Teststation in Flörsheim folgte Hattersheim sowie Hofheim, und demnächst soll ein weiteres Drive-in-Angebot in Rüsselsheim eröffnen. Laut Frederic Lanz hat das Unternehmen für die Durchführung der Tests über 160 Mitarbeiter eingestellt. Preventim beteiligte sich am Corona-Testival, das vom 22. bis zum 25. April besondere Test-Anreize durch Gutscheine für den Einzelhandel anbot. Im Rahmen der Aktion seien in Hattersheim und Flörsheim rund 6500 Menschen in vier Tagen getestet worden, erläutert Frederic Lanz.

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