Diese Apotheke steht seit längerem Leer. Die Frankfurter Straße war einmal die Haupteinkaufsstraße in Hattersheim. Der Gewerbeverein schmiedet nun Pläne, um die Sichtbarkeit der Händler zu verbessern. ArchivfOTO: Nietner
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Diese Apotheke steht seit längerem Leer. Die Frankfurter Straße war einmal die Haupteinkaufsstraße in Hattersheim. Der Gewerbeverein schmiedet nun Pläne, um die Sichtbarkeit der Händler zu verbessern. ArchivfOTO: Nietner

Wirtschaft

Hattersheim: So sollen Kunden angelockt werden

Gewerbeverein will leerstehende Läden als Werbefläche nutzen.

Hattersheim -Unter den Mitgliedern des Hattersheimer Gewerbevereins gibt es trotz anhaltender Corona-Einschränkungen "kein Jammern und kein Klagen". Dieses Gefühl hat zumindest deren Zweiter Vorsitzender Selim Balcioglu. Er habe den Eindruck, dass sich die meisten Geschäftsleute mit der derzeitigen Situation arrangiert haben, sagt der Versicherungskaufmann.

Die seit dem Frühjahr 2020 anhaltene Pandemie-Lage hat viele Gewerbetreibende vor große Herausforderungen gestellt. Zeitweise mussten Läden und Restaurants komplett schließen, dann war der Betrieb nur mit begrenzten Kundenzahlen oder Außengastronomie möglich. Manche teure Investition in Hygienemaßnahmen erwies sich mit der nächsten Corona-Verordnung schon wieder als überholt. Gleichzeitig liefen Mieten und Mitarbeitergehälter weiter.

Zwar stellte der Bund den Betroffenen Überbrückungsgelder zur Verfügung - doch auch die Beantragung dieser Hilfen fiel nicht jedem leicht. Die jüngsten Regelungen zum Umgang mit Corona machten den Geschäftsalltag nicht weniger kompliziert. So ist der Zutritt zu Geschäften mittlerweile auf Geimpfte und Genesene beschränkt. Für die Gastronomie wird neuerdings zusätzlich noch ein tagesaktueller Test gefordert, von dem geboosterte Gäste allerdings ausgenommen sind.

"Wir Gewerbetreibenden versuchen immer, auf dem neuesten Stand zu bleiben", sagt Selim Balcioglu. Angesichts der vielen Regelungen ist das nicht immer leicht. Alle Mitglieder würden vor dem gleichen Problem stehen, erklärt das Vorstandsmitglied. Dieses äußert sich in einem schwindenen öffentlichen Bewusstsein und einem starken Kundenrückgang.

In seiner Versicherungsagentur seien die Kundenanfragen von 25 am Tag auf drei bis fünf zurückgegangen. Viele Ladenbetreiber würden deshalb verstärkt versuchen, über die neuen Medien Werbung im Internet zu machen. Das Werben um Kundschaft soll allerdings nicht nur online vorangetrieben werden.

Der Hattersheimer Gewerbeverein schmiedet Pläne, wie er seinen Mitgliedern bei der Verbesserung der Wahrnehmung im Stadtgebiet unter die Arme greifen kann. Geplant sei eine große Werbetafel mit Sprüchen und Telefonnummern verschiedener Gewerbetreibender, erläutert Balcioglu weiter. Diese Leinwand, die von einem Grafiker erstellt wird, soll in den Schaufenstern leerstehender Geschäfte in allen drei Stadtteilen präsentiert werden. Wenn es keine entsprechenden Standorte gibt, solle das Plakat an Bauzäunen aufgehängt werden. Bisher seien 30 Mitglieder bei der Aktion dabei. Der Gewerbeverein zählt insgesamt etwa 65 Mitglieder.

Persönlichen Kontakt wiederherstellen

Dass es überhaupt leerstehende Ladenlokale gibt, die als Werbefläche des Vereins genutzt werden sollen, ist jedoch ein weiteres Problem. In der Frankfurter Straße, die einmal Hattersheims Haupteinkaufsstraße war, stehen eine ehemalige Bankfiliale und die Apotheke seit längerem leer. Vor kurzem hat dort außerdem ein Burger-Imbiss geschlossen. Diese Geschäftsaufgabe stehe jedoch nicht in Zusammenhang mit der Pandemie, sagt Selim Balcioglu. Nicht nur der Kontakt zur Kundschaft ist durch Corona eingeschlafen. Auch der Austausch unter den Mitgliedern des Gewerbevereins verlief aufgrund der Abstandsregeln oft zäh. Im vergangenen Jahr habe es vier Telefonkonferenzen gegeben, erzählt Balcioglu. Dem Vorstand sei es nun wichtig, den persönlichen Kontakt wiederherzustellen. "Damit nicht jeder sein eigenes Süppchen kocht", betont der Zweite Vorsitzende.

Früher habe der Verein oft Seminare organisiert. Solche informativen Treffen waren aufgrund der Pandemie keine Option mehr. Der Verein habe zwar weiterhin Informationen zur Verfügung gestellt - etwa zu den Finanzhilfen und zur Beantragung von Kurzarbeit. Diese Hinweise konnten aber lediglich als Broschüre über das Internet weitergeleitet werden. Aus Sicht von Balcioglu ersetzt dieser Weg nicht den persönlichen Kontakt. Der Hattersheimer Geschäftsmann sieht themenbezogene Treffen in Kleingruppen als Möglichkeit, künftig wieder in direkten Austausch zu treten. sas

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