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Hattersheim: Spenden sollen Schwarzfahrten überflüssig machen

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Um zu verhindern, dass obdachlose Menschen in den Strudel von Schwarzfahren, Strafen und Schulden geraten, ruft der Caritas-Bezirksverband zu Spenden für Fahrkartenankäufe auf. FOTO: dpa
Um zu verhindern, dass obdachlose Menschen in den Strudel von Schwarzfahren, Strafen und Schulden geraten, ruft der Caritas-Bezirksverband zu Spenden für Fahrkartenankäufe auf. FOTO: dpa © dpa

Caritas-Bezirksverband Main-Taunus startet Aktion "Mobilität im ÖPNV - auch für Wohnungslose".

Hattersheim -Die Idee für eine Spende dieser Art ist besser kaum vorstellbar - zudem können die hoffentlich zahlreichen Spender jeweils einen kleinen oder eventuell größeren Euro-Betrag für einen zweifellos guten Zweck überweisen. Die Spenden-Idee kann Menschen helfen, die ansonsten nicht das Glück haben, unbeschränkt mobil sein zu können. Der Caritasverband Main-Taunus nimmt nämlich die bundesweit propagierte Aktion der sogenannten 9-Euro-Tickets zum Anlass, um für Spenden zur Mobilität von Wohnungslosen aufzurufen. "Diese Menschen sind häufig mit Bus und Bahn unterwegs, um die verschiedenen Hilfsangebote zu nutzen, so zum Beispiel das Haus Sankt Martin am Autoberg", teilt der Caritasverband weiter mit. Die integrierte Caritas-Einrichtung an der Frankfurter Straße bietet Tagesaufenthalt, Beratung, Übernachtung sowie betreutes Wohnen für wohnungslose Menschen.

Nicht nur an kalten Tagen seien die Obdachlosen auf den öffentlichen Personennahverkehr angewiesen. Das Leben auf der Straße fordere ihnen ein hohes Maß an Mobilität und Flexibilität ab. Das Geld für den Fahrschein könnten sie sich oft nicht leisten. Sie würden dann manchmal beim Schwarzfahren erwischt und müssten dann nicht nur die erhöhten Beförderungsentgelte entrichten - die sich letztlich als Schulden anhäufen -, sondern riskierten außerdem empfindliche Geldstrafen, die sie dann jedoch nicht bezahlen könnten, heißt es in der Erklärung des Caritasverbandes. "Aus dieser Spirale kommen sie schwer wieder raus", berichtet der Einrichtungsleiter vom Haus Sankt Martin am Autoberg, Klaus Störch. "Wir können nur versuchen zu erreichen, dass die Geldstrafen mit gemeinnütziger Arbeit oder die Strafen in Raten abgezahlt werden können." Sollte das nicht möglich sein, bedeute dies für die Menschen einen unfreiwilligen Aufenthalt im Gefängnis. Eine Nacht in der Justizvollzugsanstalt (JVA) koste den Steuerzahler rund 160 Euro. Der Pädagoge fordert schon seit Jahrzehnten das Ende der Kriminalisierung bei solchen Fällen.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe schätzt, dass von den rund 420 000 Wohnungslosen in Deutschland bis zu 2000 Menschen pro Jahr sogenannte Ersatzfreiheitsstrafen wegen Fahrens ohne Fahrschein im öffentlichen Nahverkehr verbüßen. "Das 9-Euro-Ticket ist ein guter Anlass und würde für die Betroffenen zumindest zeitweise eine große Erleichterung bedeuten, aber wir müssen hier längerfristig und nachhaltig denken. Mit dem Ende des Aktionszeitraums des 9-Euro-Tickets würde auch die Mobilität der Wohnungslosen enden. Daher haben wir uns dazu entschieden, eine Spendenaktion nach dem Motto ,Mobilität im ÖPNV - auch für Wohnungslose' zu starten", erklärt Torsten Gunnemann, Vorstand des Caritasverbandes Main-Taunus. "Wer diese unterstützen möchte, nutzt einfach den QR-Code der Spendenaktion oder den Link zu unserem Online-Spendenformular. Alternativ und klassisch ist auch eine Überweisung des Betrages X auf das Caritas-Spendenkonto mit dem Verwendungszweck ,Mobilität für Wohnungslose' möglich," so Gunnemann.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Haus Sankt Martin werden die Fahrscheine kaufen und an die obdachlosen Menschen verteilen. "Wir hoffen, dass sich viele Menschen an der Spendenaktion beteiligen und wir so dazu beitragen können, dass wohnungslose Menschen mit gültigem Ticket Zug fahren können", erläuterte Klaus Störch.

Zum Spendenformular geht es im Internet unter "Spenden Stiften Strahlen", beziehungsweise https://ogy.de/Wohnungslose. Der Verwendungszweck lautet "Mobilität für Wohnungslose". red/meh

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