Im Februar werden zuerst die über 80-Jährigen auf dem Kastengrund-Areal geimpft. Foto: dpa
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Im Februar werden zuerst die über 80-Jährigen auf dem Kastengrund-Areal geimpft. Foto: dpa

Corona-Pandemie

Hattersheim: Stadt bezahlt notfalls die Fahrt zum Impfen

Während die Logistik für fahrten zum Impfzentrum geklärt ist, ärgern sich Hausärzte über die Reihenfolge der Impfungen.

Hattersheim -In Krisenzeiten läuft nicht alles wie gewünscht. Vor allem dann nicht, wenn es sich um eine Pandemie handelt, bei der ein unsichtbarer Feind sich unerbittlich ausbreitet und Todesopfer fordert. So ist es nicht hilfreich, wenn während der Corona-Krise darüber gestritten wird, wer dafür verantwortlich ist, dass die Impfstoffe doch später als ursprünglich angekündigt zur Verfügung stehen. Ob es die EU-Bürokratie oder ein Ministerium in Berlin daran schuld hat, ist den meisten Menschen egal. "Der Impfstoff soll an die bereits aufgebauten Impfzentren verteilt werden - die Schuldfrage kann später geklärt werden" - so äußerten sich inhaltlich übereinstimmend einige Anrufer in der Redaktion.

Doch nicht nur ein baldiger Impftermin im auf dem Kastengrund-Gelände eingerichteten Impfzentrum war das Thema, sondern zudem die Fahrtmöglichkeiten zu dem an der Landstraße zwischen Hattersheim und Weilbach liegende Immobilie für über 80-Jährige. Für Hattersheimer Impfwillige sollen, wenn alle Stricke reißen und Verwandte oder Bekannte die Fahrt dorthin nicht bewerkstelligen können, individuelle Lösungen gesucht werden, hatte Rathauschef Klaus Schindling (CDU) angekündigt. Das blieb nicht ohne eine kritische Kommentierung. Der Okrifteler Carlo Graf, der sich als "Unterstützer" der Linken bezeichnet, monierte einen umständlichen bürokratischen Hindernislauf, bis dann doch privat ein Taxi bestellt werden solle, um zum Impfzentrum zu gelangen.

Bürgermeister Klaus Schindling machte nun noch einmal das Vorgehen der Stadt deutlich. Allen älteren Bürgern, die keine der zuvor genannten Lösungen nutzen können, biete der städtischen Seniorenberater Jürgen Leichtfuß seine Hilfe an. Jürgen Leichtfuß ist von Montag bis Freitag zwischen 9 und 12 Uhr unter der Telefonnummer (0 61 90) 97 02 57 zu erreichen.

Wenn es nach dem Gespräch mit dem Seniorenberater trotzdem zu keiner Lösung oder Kostenübernahme durch die Krankenkasse komme, dann bezahle notfalls die Stadt die Taxifahrt zum Impfzentrum. "Wir lassen niemanden im Stich, der sich impfen lasen möchte", bekräftigte Klaus Schindling seine bisherige Ankündigung. Diese sei mit der Formulierung, in Notfällen seien "individuelle Lösungen erforderlich", anscheinend nicht so verstanden worden.

Doch es gibt noch ein Problem, das die Hausärzte betrifft. Diese stehen bei den Impfungen nicht auf der Prioritätenliste. Ein Hausarzt, der seinen Namen nicht in der Zeitung sehen möchte, erzählt von einem Fall aus der alltäglichen Praxis. Er habe einen Hausbesuch bei einer älteren Patientin gemacht. Im Laufe der Untersuchung und nach einem entsprechenden Test habe sich herausgestellt, dass die alte Dame mit Corona-Viren infiziert gewesen sei. Da die Frau mit mehreren Familienangehörigen in einer Wohnung lebte, seien auch diese getestet worden. Das Ergebnis: Alle dort lebenden Mitglieder der Familie hatten sich mit Covid 19 angesteckt. Erst mit dem Hausbesuch des Arztes sei dies entdeckt worden. In den Arztpraxen seien die Probleme anders gelagert. Zwar gebe es überall Hinweise an Patienten, die Arztpraxen nicht zu betreten, wenn es sich bei ihren Erkrankungen um eine Ansteckung mit Coronaviren handeln könne. Dann sollten sich die Patienten erst einmal telefonisch Rat holen, was zu tun sei. Dennoch sei es nicht auszuschließen, dass sich infizierte Patienten in einer Hausarztpraxis aufhalten und mit dem Arzt sprechen würden.

Logisch wäre es doch deshalb, so meint der Mediziner, wenn die Hausärzte zu denjenigen Gruppen gehörten, die zuerst geimpft würden. Dass dies eben so nicht der Fall sei, ärgert ihn. Denn schließlich sei ja niemandem geholfen, wenn auch die Ärzte ausfielen, wenn sie sich bei ihrer Arbeit infizierten.

Das Kreisblatt hat deshalb dazu gestern Nachmittag eine Anfrage an das Sozial-Ministerium in Wiesbaden gerichtet. Bis Redaktionsschluss am Abend lag noch keine Stellungnahme des Ministeriums vor. meh

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