Zurück aus dem Katastrophengebiet: Daniel Zepf, Petra Wehr und Sebastian Zengeler laden Material ab, das sie am Wochenende in Stolberg (Nordrhein-Westfalen) einsetzten.
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Zurück aus dem Katastrophengebiet: Daniel Zepf, Petra Wehr und Sebastian Zengeler laden Material ab, das sie am Wochenende in Stolberg (Nordrhein-Westfalen) einsetzten.

Flutkatastrophe

Hattersheim: "Straßen und Häuser waren weg"

Feuerwehrleute erzählen von ihren Einsätzen in den vom Hochwasser zerstörten Kommunen Erftstadt und Stolberg.

Hattersheim -"Meine Schuhe trocknen immer noch", berichtet Feuerwehrfrau Petra Wehr. Ihre feuchten Stiefel standen gestern vor der Hattersheimer Feuerwache in der Sonne. Dreimal habe sie die Fußbekleidung schon geputzt, weil sie immer wieder auf Schlammspuren stieß, erzählt die Leiterin der Eddersheimer Minifeuerwehr, die sich am Donnerstag kurzfristig bereit erklärt hatte, ins Hochwassergebiet in Nordrhein-Westfalen zu reisen. Mit dabei waren der Eddersheimer Jugendwart Sebastian Zengeler, der stellvertretende Eddersheimer Wehrführer Daniel Zepf, Stadtbrandinspektor David Tisold sowie Kai Mertsch, Leiter des DRK-Betreuungszugs, der die Verpflegung übernahm.

Was die Hattersheimer bis zu ihrer Rückkehr am Sonntag erlebten, hinterließ bei ihnen tiefe Spuren. Nachdem sie am Donnerstagabend ihr Lager in der Messehalle Düsseldorf aufgeschlagen hatten, wurden sie am Freitag früh direkt zur Hilfe ins extrem betroffene Erftstadt abberufen. Für Jugendwart Zengeler war die Hilfe im Katastrophengebiet der erste Einsatz außerhalb des Main-Taunus-Kreises. Die Vorstellungen und was man tatsächlich an Ort und Stelle erlebe, seien etwas ganz anderes, stellt der Eddersheimer fest. "Erschreckend", urteilt Petra Wehr. Daniel Zepf bringt das Bild der Zerstörung auf den Punkt: "Es sah aus wie im Krieg", sagt der stellvertretende Wehrführer.

"Wir hätten Boote gebraucht"

"Straßen waren weg, Häuser waren weg, und in der Luft lag der Geruch von Diesel", erzählt Stadtbrandinspektor David Tisold. Das Hochwasser habe das Heizöl aus den Kellern gespült. Bilder von eingestürzten Häusern und von Lastwagen, die auf einer Autobahn bei Erftstadt in den Fluten standen, gingen durch die Nachrichten. Tisold und die anderen Hattersheimer Helfer erlebten das Ausmaß der Überflutung aus nächster Nähe und mussten feststellen, dass sie in Erftstadt nichts ausrichten konnten. "Wir hätten Boote gebraucht", sagt David Tisold. Die Feuerwehrleute waren mit einem Logistik-Fahrzeug des Landes Hessen angerückt, das dem Fuhrpark der Eddersheimer Wehr zugeteilt ist. Ihre Ausrüstung bestand aus Stromversorgung, Lampen und Pumpen, die bis zu 2000 Liter Wasser in der Minute befördern können. "Wir hätten das mit Heizöl verunreinigte Wasser aber gar nicht abpumpen können", sagt Daniel Zepf. Außerdem habe in Erftstadt keine Kanalisation mehr existiert.

Dass man bei solchen Großeinsätzen zunächst nur abwarten könne und sich ein Bild der Lage mache, sei nicht ungewöhnlich, erläutert Zepf. "Erst mal geht das eigene Leben vor", betont der Eddersheimer. Wassermassen und Hänge, die abzurutschen drohten, hätten einen Einsatz in Erftstadt unmöglich gemacht.

Riesentrümmerfeld in Stolberg

Am Samstag erhielten die Retter aus dem Main-Taunus-Kreis deshalb einen neuen Auftrag zu Unterstützung lokaler Kräfte in Stolberg. Der Ort sei ebenfalls ein Riesen-Trümmerfeld gewesen, berichtet David Tisold. Daniel Zepf erzählt, dass er sich über die ungewöhnliche Platzierung eines EC-Automaten vor einem Gartenzaun wunderte. Erst beim genaueren Hinsehen sei ihm klar geworden, dass der Geldautomat von der Flut mitgerissen wurde. Auch die Stromverteiler entlang der Straßen seien mit dem Wasser davon geschwommen. Die Hattersheimer berichten von Autos, die bis unter das Dach mit Schlamm vollgelaufen waren und von Geschäften ohne jegliche Einrichtung. Dort, wo sich die oberste Bodenschicht löste, habe es ausgesehen, als seien Krater mitten im Weg, erinnert sich Petra Wehr. Die Asphaltdecke sei teilweise "wie eine Ziehharmonika" zusammengepresst gewesen, erklärt Kai Mertsch.

Die Aktiven der Eddersheimer Feuerwehr halfen in Stolberg, Keller trockenzulegen und den Aufzugsschacht eines Seniorenheims auszupumpen. Von Bewohnern des Ortes sei ihnen berichtet worden, dass der Wasserpegel in Wohnräumen innerhalb einer Dreiviertelstunde bis zu 1,50 Meter anstieg. Auffällig fanden die Hattersheimer die große Hilfsbereitschaft der betroffenen Menschen. Sie seien immer wieder von Anwohnern gefragt worden, ob diese helfen können, obwohl jeder seinen eigenen Keller auszupumpen hatte, berichtet Petra Wehr.

David Tisold, Daniel Zepf und Kai Mertsch waren bereits 2013 beim Elbehochwasser in Barby im Einsatz. Das aktuelle Bild der Verwüstung sei jedoch ein anderes. "Es ist ein Unterschied, ob das Wasser steigt oder ob es mit Druck durch den Ort fließt", erklärt David Tisold. Bei den derzeitigen Überschwemmungen seien reißende Ströme durch die Orte geflossen. Die Vorbereitung des Main-Taunus-Kreis auf ähnliche Unwetterlagen schätzt Tisold als gut ein. "Natürlich macht so ein Ereignis nachdenklich", sagt der Hattersheimer, der auch den Posten des Kreisbrandmeisters begleitet. Grundsätzlich habe man sich durch die Erfahrungen der vergangenen Jahre vorbereitet. Tisold ist sich jedoch bewusst: "Bei einer ähnlichen Lage wären wir auch auf Hilfe angewiesen." sas

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