Stromzähler laufen immer weiter: Ein Fall aus Eddersheim zeigt, welche Probleme es damit bei einem Umzug geben kann.
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Stromzähler laufen immer weiter: Ein Fall aus Eddersheim zeigt, welche Probleme es damit bei einem Umzug geben kann. (Symbolfoto)

Stromrechnung

„Eine Sauerei ist das“: Stromanbieter ignoriert Kündigung hartnäckig – und bucht einfach weiter ab

Ein Kunde hat Ärger mit seinem Stromanbieter, der die Kündigung einfach nicht akzeptiert. Die Bundesnetzagentur mahnt zur Vorsicht bei Mindestvertragslaufzeit und Umzugsregelungen in Stromverträgen. 

Eddersheim – Karl Herber ist verärgert. Ein wochenlanges Hin und Her mit seinem Stromanbieter raubt dem Eddersheimer die Nerven. Eigentlich hatte sich der Senior alles ganz einfach vorgestellt: Anfang November gab er seine Wohnung in dem Hattersheimer Stadtteil auf und zog in eine Wohnanlage in Reichelsheim. Dieser räumliche Einschnitt sollte mit einem Wechsel des Stromanbieters einhergehen. Beim Versuch, dem Energielieferanten zu kündigen, erlebte Herber jedoch eine böse Überraschung.

Mit seinem Umzug am 1. November habe er dem bisherigen Stromanbieter Primastrom die Kündigung geschickt, berichtet Karl Herber dem „Höchster Kreisblatt“. Bis zum Ende des Monats wollte er den Strom in Eddersheim noch weiter bezahlen - mit Frist zum 1. Dezember sollte der Vertrag dann enden. Sein Sohn übernimmt die Wohnung in Eddersheim und will einen neuen Stromanbieter verpflichten. Das Problem ist nun, dass der bisherige Stromversorger dabei nicht mitmacht. Der langjährige Kunde Herber erhielt keine Rückmeldung von Primastrom. Mehrere E-Mails und drei Einschreiben seien unbeantwortet geblieben, berichtet er. Telefonisch sei beim Unternehmen niemand erreichbar.

Ärger mit dem Stromanbieter – Unternehmen ignoriert Kündigung, Senior zahlt doppelt

In Reichelsheim hat Herber einen neuen Stromanbieter. Dies hindere Primastrom jedoch nicht daran, weiter Gebühren abzubuchen. Der aufgebrachte Senior klagt über Abzocke. „Eine Sauerei ist das“, schimpft Herber. „Jetzt wohne ich in Reichelsheim und muss in Eddersheim den Strom bezahlen.“

Das „Höchster Kreisblatt“ versuchte, Primastrom für eine Stellungnahme zu erreichen. Unter der Rufnummer, die als Presse-Kontakt angegeben ist, verkündete jedoch eine Tonbandansage, dass der Anruf zurzeit nicht durchgestellt werden könne. Eine Anfrage per E-Mail blieb unbeantwortet. Etwas tat sich jedoch, nachdem sich das Kreisblatt an Primastrom gewendet hatte: Karl Herber erhielt in der vergangenen Woche endlich eine Antwort - allerdings nicht die Nachricht, die er sich erhofft hatte. In dem Brief gratuliert ihm Primastrom, dass sie ihn als Kunden in Reichelsheim betreuen dürfen. Karl Herber hat seine Einzugsermächtigung zurückgezogen.

Die Bundesnetzagentur ist eigentlich in solchen Fällen die richtige Adresse, um zu erfahren, wie Experten den Fall einschätzen und welche Ratschläge sie Kunden geben können. Das Kreisblatt hakte bei der Agentur also nach. In seiner Antwort empfiehlt der „Verbraucherservice Energie“ dem Betroffenen, zu prüfen, welche Vereinbarungen im konkreten Energieliefervertrag festgelegt wurden. Vereinbarte Mindestvertragslaufzeit, stillschweigende Verlängerung und ordentliche Kündigungsfrist seien beim Stromanbieter-Wechsel zu beachten.

Nach Strom-Ärger in Hattersheim: Bundesnetzagentur mahnt zur Vorsicht bei Verträgen

Übrigens: Für die Klärung von Streitigkeiten mit dem Energielieferanten bietet die Bundesnetzagentur den Verbrauchern ein Beschwerde- und Schlichtungsverfahren. Informationen finden sich dazu online unter www.bundesnetzagentur.de/energie-verbraucherbeschwerde. Allen Kunden, die für ihren Energieliefervertrag flexible Beendigungsmöglichkeiten wünschen, empfiehlt die Bundesnetzagentur, bei Abschluss des Vertrags darauf zu achten, welche Mindestvertragslaufzeit und Umzugsregelung der Vertrag beinhaltet. Ein gesetzliches Kündigungsrecht für Energielieferverträge werde nicht durch einen Umzug begründet.

Es sei allerdings möglich, im Vertrag oder den Allgemeinen Geschäftsbedingungen Regelungen für einen Umzugsfall zu vereinbaren. Weil es in diesem Bereich keine einheitliche Regelung gebe, erhalte der Verbraucherservice Energie unregelmäßig Anfragen zu diesen Fragestellungen, die für Probleme sorgen. Im Jahr 2019 seien 19.086 Anfragen und Beschwerden rund um das Thema Energie eingegangen - 2020 waren es 18.518. Von den Anfragen im Jahr 2020 drehten sich alleine stattliche 1.239 um Probleme beim Lieferanten-Wechsel. (sas)

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