Sie arbeitete das "Covid-Ade-Tage"-Konzept aus: Karin Fredebold. Archiv-Foto: Nietner
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Sie arbeitete das "Covid-Ade-Tage"-Konzept aus: Karin Fredebold. Archiv-Foto: Nietner

Pandemie

Hattersheim: Testen und noch mal testen

Was aus der Idee für "Covid-Ade-Tage" bisher geworden ist.

Hattersheim -Die jüngst bekräftigte Koalition aus CDU, FWG und FDP hat in ihrem überarbeiteten Koalitionsvertrag auch die Herausforderungen der Corona-Krise bedacht. "Die Koalition ist bestrebt, im Rahmen der Möglichkeiten der Stadt durch geeignete Maßnahmen sowohl für die Bürger als auch für die Gewerbetreibenden die Folgen der Pandemie abzufedern", heißt es in den ersten Absätzen der Vereinbarung. Zu den geeigneten Maßnahmen könnte auch eine Idee gehören, die ein FDP-Mitglied bereits vor einigen Wochen ins Spiel gebracht hatte. Karin Fredebold, hauptberuflich Apothekerin und ehrenamtlich als Stadtverordnete für die Freidemokraten aktiv, entwickelte das Konzept der "Covid-Ade-Tage".

Dem Virus einfach Ade sagen - das würden derzeit wohl viele Menschen begrüßen. Mit einem energischen Winken zum Abschied ist es jedoch nicht getan. Die Idee der FDP-Frau erfordert nämlich die große Bereitschaft der Hattersheimer, sich an einer koordinierten Teststrategie zu beteiligen. Alle Bürger sollen sich an zwei zuvor vereinbarten Terminen im Abstand von vier oder fünf Tagen testen, um Infektionsketten aufzudecken und zu durchbrechen. Alle positiv Getesteten würden sich danach isolieren, während ihr Umfeld in Quarantäne geht. Nach der Veröffentlichung des Plans Anfang dieses Monats begrüßten auch die Hattersheimer Grünen die Idee. Der logistische Kraftakt, viele Menschen in kurzer Zeit zu testen, werde sich lohnen, schrieb die Oppositionspartei. So gab es viel Zustimmung für diese Idee, nicht nur von den Grünen. Doch was ist nun aus den "Covid-Ade-Tagen" geworden?

Zunächst habe die konstituierende Sitzung der Stadtverordnetenversammlung Vorrang gehabt, erklärt Karin Fredebold auf Nachfrage des Kreisblatts. Details zu ihrer Idee seien noch nicht erörtert worden. Die koordinierten Tests würden jedoch zu den Dingen gehören, die innerhalb der Koalition mit Bürgermeister Klaus Schindling (CDU) besprochen werden sollen. Eine Voraussetzung für das Gelingen des Konzepts sei das Vorhandensein von ausreichend Selbsttests, sagt die Apothekerin.

Mittlerweile gibt es zwar auch mehrere Test-Stationen für Bürgertests. So können sich Interessierte beispielsweise kostenlos vor der Hattersheimer Stadthalle testen lassen - auch mehrfach in der Woche. Die Idee der "Covid-Ade-Tage" sieht Karin Fredebold dadurch jedoch nicht als erledigt an. Die Kapazitäten der öffentlichen Testcenter würden für eine die gesamte Stadt übergreifende Aktion nicht ausreichen. "Wir müssen es schaffen, dass alle zu Hause mittesten", so die Eddersheimerin.

Hattersheim könnte einen besonderen Durchbruch starten. Eine ähnliche Idee mit zwei abgestimmten Testtagen in einer ganzen Stadt sei ihr von keinem anderen Ort bekannt, sagt Apothekerin Fredebold. Details stehen zur Debatte. So könne man zunächst auch nur einen der Stadtteile einbeziehen, wenn die Koordination der gesamten Stadt zu aufwendig werde, erläutert die Initiatorin. Wichtig für ihre Idee sei ein großes Kollektiv. Vielleicht sei es sogar interessant, ein solches Projekt wissenschaftlich begleiten zu lassen, meint die Apothekerin, der es auch darum geht, die Anerkennung für Selbsttests zu erhöhen. Man müsse den Leuten klarmachen, wie einfach das geht, meint die FDP-Frau.

Bei ihrer täglichen Arbeit als Apothekerin habe sie festgestellt, dass die Durchführung eines Tests vielen Menschen zunächst Angst mache. Diese Sorgen müsse man durch Informationen auflösen. "Das muss jetzt Routine werden", plädiert Karin Fredebold für regelmäßige Tests bei der gesamten Bevölkerung. sas

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