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Hattersheim: Tierheim ist auf "Flüchtlingstiere" vorbereitet

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Bei der Flucht vor Bomben werden Tiere von ihren Besitzern mitgenommen. Das Foto zeigt eine Frau in Mariupol, die mit einem Kind und einem Hund in einen Unterstand in einem Gebäude geflüchtet ist.
Bei der Flucht vor Bomben werden Tiere von ihren Besitzern mitgenommen. Das Foto zeigt eine Frau in Mariupol, die mit einem Kind und einem Hund in einen Unterstand in einem Gebäude geflüchtet ist. © dpa

Der Tierschutzverein beteiligt sich außerdem an einem besonderen Transport in die Ukraine.

Hattersheim -Viel ist dieser Tage zu hören über das menschliche Leid in der Ukraine. Berichte über Todesopfer, blockierte Fluchtwege und Familien, die getrennt wurden, sind herzzerreißend. Doch unter dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine leiden nicht nur Menschen. Auch deren Haustiere sind von dem plötzlichen Kriegsausbruch betroffen - sei es, weil sie sich mit ihren Besitzern auf den beschwerlichen Weg ins Ausland machen müssen, oder weil sie alleine in den verwüsteten Städten zurückbleiben.

Der Hattersheimer Tierschutzverein habe sich am Wochenende an einem besonderen Hilfstransport beteiligt, berichtet der Vorsitzende Christian Reiter. Der Verein unterstützte einen Privatmann, der unter anderem Futter und Tiertransportboxen in die Ukraine schickte. Zu dieser Lieferung habe man Maulkörbe, Fressnäpfe und Hundeleinen beigetragen. Auch das vom Tierschutzverein betriebene Hattersheimer Tierheim stellt sich auf die Folgen der Krise ein: Der Vorstand habe sich darüber unterhalten, Tiere von Geflüchteten zeitweise aufzunehmen, sagt Christian Reiter. Bisher seien allerdings noch keine Vierbeiner aus der Ukraine in der Hattersheimer Einrichtung untergebracht worden.

Für Flüchtlinge mit Haustieren bestehe ein großes Problem darin, dass in den Notunterkünften des Kreises keine Tiere erlaubt seien, erklärt der Tierheim-Chef. Personen, die in einer solchen Erstunterkunft leben, will der Verein anbieten, das Tier vorübergehend im Heim zur Pflege abzugeben. Ansonsten stehe das Hattersheimer Tierheim in engem Kontakt mit dem Tierschutzbund, der herrenlose Tiere an Einrichtungen weiter vermittele. Derzeit seien alle Hundezwinger im Gebäude des Hattersheimer Tierheims belegt, erläutert Reiter. Es gebe aber noch freie Plätze in den Zwingern.

Dass die Anfrage in den kommenden Wochen auch in Hattersheim steigen könnte, ist nicht unwahrscheinlich. Denn ähnlich wie bei der Ankunft menschlicher Flüchtlinge aus der Ukraine wird derzeit auch die Einführung von Tieren aus der Ukraine nach Deutschland erleichtert. Die Leitung des Tierheims weist darauf hin, dass Tiere aus der Ukraine ohne Dokumente über Polen, Rumänien, Estland, Lettland, Ungarn und die Slowakei in die Europäische Union einreisen können. Die Botschaft solle online an Menschen in der Ukraine weitergeleitet werden, damit diese ihre Haustiere nicht zurücklassen.

Normalerweise müsse die Einreise eines Tieres dem Veterinäramt gemeldet werden. Dabei werde unter anderem die Tollwutimpfung und die Registrierung des Tieres mit einem Mikrochip überprüft, sagt Christian Reiter. Diese Dokumentation habe normalerweise einen guten Grund. Sie helfe beispielsweise dabei, den Verkauf von illegal eingeführten Tieren aus dem Kofferraum zu verhindern. Momentan sei die Aussetzung der Kontrollen jedoch sinnvoll, da sie Familien und Hilfsorganisationen die schnelle Einfuhr von Tieren aus dem Kriegsgebiet ermögliche.

Christian Reiter weiß außerdem von Plänen von Tierschützern, die Tierheime in der Grenzregion zur Ukraine entlasten wollen, indem sie Tiere von dort in andere Länder holen. Was die momentan andauernde Entwicklung für die Arbeit des Hattersheimer Tierheim-Teams bedeutet, bleibt abzuwarten. "Wenn uns jemand kontaktiert, würden wir eine Lösung finden", gibt sich der Vorsitzende zuversichtlich. Reiter betont, dass das menschliche Leid an erster Stelle stehe. "Als Tierschutzverein denken wir aber einen Schritt weiter." sas

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