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Hattersheim: Tugendbolde und Gender-Probleme im Visier

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Auf der Damensitzung der Wilden Weiber durften Männer zumindest auf der Bühne Stimmung machen - so wie Oliver Betzer als „De Härtschd“.
Auf der Damensitzung der Wilden Weiber durften Männer zumindest auf der Bühne Stimmung machen - so wie Oliver Betzer als „De Härtschd“. © Kröner, Sascha

Bei der Damensitzung der Wilden Weiber wird ein Mix an Themen auf die Schippe genommen.

Okriftel -„Wir stehen hier oben und können es kaum glauben“, rief Nicole Merten den Zuschauerinnen im gefüllten Saal des Hauses der Vereine zu. Dort feierten die Wilden Weiber Okriftel (WWO) am Samstag die erste Damensitzung nach drei Jahren Pause. Passend zum Motto „Süß und wild im Candy-Land“ war die Bühne mit riesigen Lollis und Donuts dekoriert. „Es ist so, als ob nichts gewesen wäre“, stellte die Fassenachterin fest. Sabrina Schmidt, die zusammen mit Merten durch das Programm führte, dankte den Besucherinnen für ihre Treue. Seit der letzten Kampagne im Jahr 2020 hätten die Aktiven ihre Kostüme schon zweimal enger und dreimal weiter genäht, scherzte Schmidt.

Die Närrinnen im Publikum schienen tatsächlich genau da weiterzumachen, wo sie 2020 aufgehört hatten. Das unüberhörbare Klappern von kleinen Likörfläschchen, die vor dem Verzehr auf den Tisch geklopft werden, schallte von Beginn an durch den Saal. Immer wieder erhoben sich ausgelassene Zuschauerinnen von ihren Plätzen, um zu tanzen. Andere reckten Schilder mit der Aufschrift „Dorscht“ in die Luft, mit denen sie dem Thekenpersonal ihren dringenden Nachschub-Bedarf signalisierten.

Während die Damen feierten, trugen die anwesenden Männer als Techniker, Musikkapelle oder Aktive im Rampenlicht zum gelungenen Sitzungsauftakt bei. So auch Oliver Betzer, der als „De Härtschd“ (Der Härteste) den Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma mimte. „Endlich. Wir dürfen wieder Party machen“, feuerte der Pfälzer die Zuschauerinnen an. „Ich will nicht mehr spazieren gehen - ich will vollgesoffen vom Barhocker fallen“, forderte Betzer, der humorvoll mit der Corona-Zeit abrechnete. In den vergangenen Jahren habe er mehr Alkohol zwischen seinen Händen verrieben, als er jemals getrunken habe. „2020 war mein Mülleimer öfter draußen als ich.“

Bekannte Fassenachter wie Jürgen Wiesmann, Präsident des Mainzer Carneval Clubs, und „Appolonia“ Gabi Elsener gab sich auf der WWO-Bühne die Klinke in die Hand. Elsener berichte von ihren Problemen, eine geschlechtergerechte Fastnachtsrede am Computer zu verfassen. Schon bei der Anrede „Hallo ihr Narren“ funkte ihr die Autokorrektur dazwischen.

Beim Thema „Süß und wild im Candy-Land“ durfte die Tanzgruppe „Candy Girls“ vom Eddersheimer Liederkranz Eintracht natürlich nicht fehlen. Die Tänzerinnen aus dem Nachbarort zogen zum Klassiker „Lollipop“ in den Saal ein. Für spitze Schreie aus dem Publikum sorgten an diesem Abend aber vor allem die Tanzdarbietungen der Männer. Zum ersten Mal mit dabei waren in diesem Jahr die „Many Monkeys“ aus Bad Kreuznach. Mittels einem orientalischen Tanz mit aufwendigen Kulissen gingen die Tänzer auf die Jagd nach dem goldenen Affen.

Eine besondere Gesangsdarbietung lieferten die „Tugendbolde“ aus Nackenheim, die das Publikum auf eine närrische Zeitreise durch ihre 4-mal-11-jährige Geschichte mitnahmen. Vom Humba Täterä bis zu Samba-Rhythmen war alles vertreten. Das große Finale gehörte schließlich Travestie-Künstler Sascha Adam als „Tarabas van Luk“.

Nicht dabei war in diesem Jahr übrigens WWO-Vorsitzende und Sitzungspräsidentin Daniela Heislitz. Die Vereinschefin hält sich derzeit in Australien auf und verfolgte das Programm vom anderen der Welt aus live auf ihrem Handy. Die Moderation teilten sich deshalb vier andere „Wilde Weiber“. Nicole Merten und Sabrina Schmidt übernahmen die Ansage in der ersten Programmhälfte. Monika Sandner und Natascha Reuter lösten ihre Mitstreiterinnen im zweiten Teil an den Mikrofonen ab. sas

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