Mit solchen Plakaten wurde für die Teilnahme an der Ausländerbeiratswahl geworben.
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Mit solchen Plakaten wurde für die Teilnahme an der Ausländerbeiratswahl geworben.

Politik

Hattersheim: Überraschung bei der Ausländerbeiratswahl

Internationale Kulturvertretung gewinnt überlegen die Wahl - Türkische Liste verliert massiv Wählerstimmen.

Hattersheim -Sowohl Gewinner, wie auch Verlierer sind überrascht: Die jüngste Kommunalwahl verursachte einen Umbruch in der Zusammensetzung des Hattersheimer Ausländerbeirats, den anscheinend niemand kommen gesehen hat. "Das ist erstaunlich", findet Agustin Martin-Pelaez. Seine Internationale Kulturvertretung (IKV) holte 71,6 Prozent der Stimmen und verbesserte sich damit um rund 30 Prozent gegenüber der vergangenen Wahl. Das Wahlergebnis der Liberalen Türkischen Liste (LTL) verschlechterte sich von 57,9 auf 28,4 Prozent. Die beiden Gruppierungen stellten die einzigen Listen, die zur Wahl antraten.

Als Vertretung der ausländischen Bürger setzt sich der Hattersheimer Ausländerbeirat für die Belange von Migranten ein. Seit Jahrzehnten hat die Türkische Liste in dem Gremium die Oberhand. LTL-Kandidat Engin Türkel leitete das Gremium zuletzt als Vorsitzender. Mit dem plötzlichen, überragenden Erfolg der IKV, die sich aus mehreren Nationalitäten zusammensetzt, rechneten nicht einmal die Sieger selbst. Aufgrund des Wahlergebnisses würden der Internationalen Kulturvertretung neun der 13 Sitze im Beirat zustehen. Die IKV hatte jedoch nur sechs Bewerber auf ihrer Liste. "Es ist immer schwierig, Leute zu bekommen", erklärt Agustin Martin-Pelaez, der mit 767 Stimmen, die meiste Unterstützung erhielt. Weil die IKV nicht mehr Vertreter in das Gremium schicken kann, schrumpft der Ausländerbeirat jetzt von 13 auf zehn Sitze.

Das ungleiche Verhältnis ist auffällig. Die schwächste Kandidatin der IKV, Evgeny Kagan, holte 499 Stimmen und damit immer noch mehr als doppelt so viele wie der beste Bewerber der LTL. Hüseyin Feti-Tosun steht mit 204 Stimmen an der Spitze der Türkischen Liste. Der bisherige Vorsitzende Engin Türkel sucht nach Antworten. Auf Nachfrage äußert er die Vermutung, dass die IKV mit vielen neuen Namen und einer großen kulturellen Mischung punkten konnte. Das schwache Abschneiden der eigenen Liste führt es zum Großteil darauf zurück, dass viele türkischstämmige Hattersheimer den deutschen Pass erworben hätten und damit nicht mehr als Wähler in Frage kämen. Eine weitere Rolle habe die Corona-Krise gespielt. Viele ältere Wähler hätten sich nicht um die Briefwahl gekümmert und seien am Wahltag zu Hause geblieben, vermutet Türkel.

Grundsätzlich zeigt sich nicht, dass die Hattersheimer Ausländer aufgrund der Pandemie auf ihr Wahlrecht verzichteten. Der Zuspruch zu Ausländerbeiratswahlen ist erfahrungsgemäß äußerst gering. Ausgerechnet in diesem Jahr verdoppelte sich die Zahl der Wähler jedoch. Die Wahlbeteiligung stieg von 5,1 im Jahr 2015 auf 9,4. Von 5184 Wahlberechtigten gaben 489 ihre Stimme ab. Anscheinend konnte die IKV zusätzliche Wähler mobilisieren. "Wir haben überall Wahlkampf gemacht, wo wir konnten", sagt Agustin Martin-Pelaez. Trotz des Zuwachses sei die Wahlbeteiligung immer noch enttäuschend, bemängelt der Spanier. "Vielleicht geht es den Leuten schon sehr gut", meint der IKV-Kandidat.

Im neuen Ausländerbeirat sitzen die IKV-Vertreter Agustin Martin Pelaez, Franka Novak, Christopher Savage, Fatima Abou-Nachat, Hisham-Ul-Haq Malik und Evgeny Kagan. Die LTL wird vertreten durch Hüseyin Feti Tosun, Seckin Tozoglu, Umut Ozan Caliskan und Engin Türkel. Das Gremium soll am 19. April zum ersten Mal zusammentreten. Dann wird unter anderem über den Posten des Vorsitzenden abgestimmt.

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